Mallorca Etappe 10 des GR 221 - von Sóller zur Font des Noguer

Eine grandiose, vorletzte Etappe - kräftezehrend, mit tollen Ausblicken und einer super Wegführung

Mehrtagestrekking auf dem GR221 auf Mallorca - Etappe 10 der Wanderung von Sóller zur Font des Noguer (bzw. Tossals Verds)
Im Hintergrund ist der türkisfarbene Cuber Stausee zu sehen, der zweitgrößte der Insel.

Unsere heutige Etappe zählt definitiv zu den Bekanntesten und Schönsten des GR-221. Doch man muss sie sich auch verdienen. In über 2.000 Stufen geht es in steilen Kehren, auf einem alten Karrenweg nach oben. Mit über 1.000 Höhenmeter im Aufstieg, ist das erste Teilstück ordentlich kräftezehrend - vor allem mit dem schweren Trekkinggepäck auf unserem Rücken. Doch die Aussicht entschädigt für die Strapazen und spätestens auf dem Pass Coll de L'Ofre sind wir glücklich und wissen warum wir uns die Plagerei antun. Uns zeigt sich eine fantastische Landschaft - der Cuber Stausee umgeben von den höchsten Bergen der Insel. 

 

Die Strecke, welche offiziell bis zum Refugi Tossals Verds geht, ist die längste und anstrengendste des GR-221. Doch der Weg ist super angelegt, technisch nicht schwierig und durchgehend sehr gut ausgeschildert.

Morgenstund hat Gold im Mund, auch beim Wandern

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Wunderschön liegen die letzten Häuser am Fuße der Serra de Tramuntana

Gut erholt und ausgeschlafen, starteten wir heute auf unsere vorletzte Etappe. Die Sonne hatte bereits am Morgen ordentlich Kraft - wir werden heute wohl ziemlich ins Schwitzen kommen, was nicht nur an den Temperaturen sondern auch an der Tatsache lag, über 1.000 Höhenmeter zu überwinden.

 

Bis wir die letzten Häuser von Sóller hinter uns ließen, dauerte es relativ lange. Die Stadt ist ganz schön groß und zieht sich noch weit ins Hinterland hinaus. Obwohl wir noch lange in der Zivilisation waren, gefiel uns die Umgebung bereits sehr gut. Die mächtigen Berge der Serra de Tramuntana ragten direkt vor uns in die Höhe und stellten unser Zwischenziel dar. Hier und da brannte in den Gärten ein Feuer, in dem Holzschnitt verbrannt wurde. Fast schon mystisch schwebten die Rauchfahnen vor den Bergen, über die grünen Gärten hinweg und zauberten eine beruhigende Morgenstimmung.

 

Auf geht's zum sicher anstrengendsten Stück des GR221

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Unglaublich, wie damals diese Wege angelegt wurden.

Wir erreichten die letzten Häuser von Sóller und waren plötzlich umgeben von vielen Menschen. Hier, am Fuße der Berge trafen sich einige Wandergruppen mit ihren Guides. Der Weg hinauf zum Coll de L'Ofre, entweder von Sóller oder vom Cúber Stausee, ist bei Tageswanderern sehr beliebt. Heute werden wir also nicht weitestgehend alleine unterwegs sein, im Gegenteil. 

 

Wir reihten uns zwischen die Gruppen von Wanderern ein und machten uns an den mühsamen Aufstieg hinauf zum Pass. Das Höhenprofil ist heute recht einfach - immer nach oben und dann wieder bergab. Laut Reiseführer standen uns mehr als 2.000 Stufen auf den nächsten 3,5 Kilometern bevor. Bis zum Pass werden wir also kein entspanntes Wegstück finden.

 

Ultraleicht sind wir leider nicht beim Trekking unterwegs

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Die rüstigen Rentner überholen uns bergauf :)

Der Weg ist absolut super in Schuss. Auf einem wunderschönen, gepflasterten Weg, eingefasst von aufwändig angelegten Mauern, schlängelten wir uns Stück für Stück weiter nach oben. Der alte Pilgerweg verband einst Sóller mit dem Kloster Lluc. Für die heutige Zeit wurde er von der Wegführung etwas umgebaut, da er sonst durch militärisches Sperrgebiert führen würde. Einmal im Jahr machen sich heute noch tausende von Mallorquiner auf den Weg, um von Sóller nach Lluc zu pilgern. 

 

Einige (überwiegend Rentner) überholten uns mit ihren leichten Tagesrucksäcken. Das war echt etwas deprimierend, da wir gefühlt überhaupt nicht voran kamen. Das Gewicht der letzten Tage auf unserem Rücken, spürten wir heute umso mehr. 

 

Den Blick schweifen lassen

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Ganz klein ist Sóller bereits und wir kommen Stück für Stück höher.

Wir waren total froh, dass es immer wieder schattige Stellen auf dem Weg gab, um eine kleine Pause einzulegen. Dabei genossen wir die unglaublich schönen Blick hinab ins Tal, in dem Sóller von Schritt zu Schritt kleiner wurde. Auch das Meer konnten wir am Horizont erblicken. Ach wie schön wäre jetzt eine entspannte Abkühlung im Meer gewesen, träumte ich vor mich hin.

 

Mich plagten heute komische Bauchkrämpfe und der Hüftgurt meines Rucksacks drückte genau auf diese Stellen. So langsam spürten wir nun auch, dass wir bereits 8 Tage unterwegs waren. Zum Glück hatten wir es heute aber nicht eilig und so gönnten wir uns die ein oder andere Pause mehr.

 

Die Wegführung des GR221 ist absolut top

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Irgendwo du müssen wir hoch - unglaublich, wie schroff hier die Landschaft ist und der Weg an sich so einfach.

"Irgendwie komme ich mir heute eher vor wie in Frankreich", sagte ich zu Michael. "Ja stimmt, geht mir auch so", antwortete er. Zahlreiche Franzosen waren auf der heutigen Etappe unterwegs und quasselten lautstark. Von der Ruhe der letzten Tage war heute nicht viel übrig. Es störte uns aber auch nicht, sondern wir schätzten dadurch die vergangenen Tage, wo wir oft alleine unterwegs waren, umso mehr.

 

Rechts, links und oberhalb von uns, ragten bizarre Felswände empor. Kaum zu glauben, dass durch diese raue Felslandschaft ein so einfacher Weg hinauf führt. Natürlich ist er anstrengend, weil es stetig bergauf geht. Technisch ist er jedoch wirklich einfach und breit genug, damit man auch nicht schwindelfrei sein muss.

 

Die höchsten Gipfel entlang des GR221

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Aussicht vom Pass Coll de L'Ofre zum Cuber Stausee. Der Puig Major ist links im Bild zu erkennen (mit der Kuppel auf dem Gipfel).

Endlich hatten wir das anstrengendste Stück hinter uns. Die Erschöpfung war im nu verflogen, als wir auf dem Pass Coll de L'Ofre standen und die Aussicht genossen, die sich uns nun zeigte. Ein völlig neues Landschaftsbild verborg sich hinter dem Pass. Eingebettet von gelb-braunen Bergen, lag ein leuchtender, türkisfarbener See. Fast irgendwie unecht wirkte der Cuber Stausee auf uns und ich freute mich jetzt schon, später an dessen Ufer zu stehen.

 

Hier auf der Anhöhe war einiges los - viele Wanderer kamen auch von der Seite des Stausees hier hoch. Trotzdem verteilten sich die Menschen und wir fanden noch ein ruhiges, schattiges Plätzchen für eine längere Vesperpause.

 

Eine erfrischende Wanderung zum Cuber Stausee - auch perfekt für heiße Sommertage

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Am Ufer des Cuber Stausees lässt es sich gut entspannen.

Von nun an ging es nur noch bergab und wir konnten es laufen lassen :)

Schatten gab es auf dem Weg jetzt keinen mehr und wir waren der Sonne ausgesetzt. Doch irgendwie kamen wir gefühlt in null Komma nichts unten am See an. Ach tat es gut, unsere Arme und Nacken im kühlen See zu erfrischen.

 

Auf Mallorca gibt es übrigens nur zwei Stauseen - der Cuber, an dessen Ufer wir gerade standen und der Gorg Blau, den wir morgen bewundern dürfen. 1972 wurden die beiden Täler, wo jetzt die Seen liegen geflutet. Dabei mussten zwei Fincas, die hier standen, leider den Fluten weichen. Wenn das Wasser entsprechend niedrig ist, kann man noch die Mauerreste der Häuser erkennen. Beide Stauseen dienen der Trinkwasserversorgung von Palma. Der Cuber Stausee umfasst 4,6 Mio Kubikmeter und ist um einiges kleiner aus der Gorg Blau. 

 

Tierische Wegbegleiter

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Die Ziegen scheinen überhaupt nicht müde zu sein und tollen miteinander herum.

Am Stausee selbst waren wieder sogut wie keine Menschen unterwegs, was uns wirklich wunderte. Wir waren wohl zu einer guten Zeit hier und die meisten befanden sich noch auf dem Pass. Da wir unser Etappenziel fast erreicht hatten, schlenderten wir noch gemütlich am See entlang. Einige Ziegen, die freudig über das Karstgestein sprangen, leisteten uns Gesellschaft.

 

Auch der höchste Berg der Insel thronte direkt über uns. Mit einer Höhe von 1.445 Metern, ist das der Puig Major. Naja, sein Anblick ist jetzt nicht gerade toll, da auf seinem Gipfel eine große Kuppel sitzt, die wohl eine Radaranlage ist. Der komplette Berg ist militärisches Sperrgebiet und der Zutritt verboten. 

 

Wir haben unser Etappenziel, Font des Noguer erreicht

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Der Picknickplatz Font des Noguer, unser heutiges Etappenziel liegt wunderschön in einem kleinen Wald.

Direkt vorne am See gibt es zwei Parkplätze und auch eine Bushaltestelle. Wer bereits hier seine Trekkingtour beenden möchte oder diese Etappe lediglich als Tagestour plant, kommt von hier wieder mit dem Bus zurück zum Ausgangspunkt. Die Fahrzeiten solltet ihr allerdings beachten, da der Bus nicht wirklich oft fährt.

 

Am zweiten Parkplatz befindet sich ein großer Picknickplatz, direkt an der Quelle Font des Noguer. Als wir hier ankamen, waren wir tatsächlich wieder die Einzigen. Für uns stellte dieser Platz das Ziel unserer heutigen Etappe dar. Offiziell würde die heutige Etappe noch ca. 1,5 Stunden weiter zum Refugi Tossals Verds gehen. Dieser offizielle Weg ist unten im GPX-Track auch entsprechend so für euch  beschrieben. 

 

Unsere letzte Nacht auf dem GR221

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Noch schnell was leckeres zu Abend gekocht.

Wir wollten heute unbedingt noch unsere letzte Nacht draußen in der Natur verbringen. Wenn ihr meine letzten Etappenberichte des GR-221 gelesen habt wisst ihr ja, dass wir ganz unterschiedlich bisher nächtigten - mal in einer Pension, im Refugi oder im Zelt. Offiziell ist das wilde zelten auf Mallorca untersagt, das möchte ich an dieser Stelle unbedingt erwähnen. 

Der Picknickplatz ist sehr groß und terrassenförmig angelegt. Auf jeder Terrasse gibt es mehrere Holztische und -bänke, umgeben von zahlreichen Bäumen. Auch eine Quelle gibt es hier, an der ein Schild "Kein Trinkwasser" hängt. Wir beobachteten am Abend das rege Treiben einiger Einheimischer, die mit zahlreichen Kanistern hier her fuhren und Wasser zapften. Wir benötigten ebenfalls Wasser, gingen aber auf Nummer Sicher und filterten es, bevor wir es tranken. 

 

Gut versorgt genossen wir die Stille und Einsamkeit an unserem letzten Abend auf dem GR-221.

 

Ihr wollt die Tour auch gehen? Hier findet ihr den GPX-Track der 10. Etappe des GR221 auf Mallorca:

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Kommentare: 1
  • #1

    Karen (Samstag, 12 Februar 2022 12:13)

    Wunderschöne Etappe, aber ganz schön viele Kilos auf dem Rücken � Ich habe beim Wandern auf Mallorca schon oft die Schilder vom GR221 gesehen, habe aber noch keine Etappe bewusst absolviert. Eine Überlegung wert!
    Viele Grüße
    Karen

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