Mallorca Etappe 7 des GR 221 - von Valldemossa nach Deià

Auf einem historischen Reitweg geht es zu den schönsten Aussichtspunkten der Insel

Mehrtagestrekking auf dem GR 221 auf Mallorca - Etappe 7 der Wanderung von Valldemossa nach Deià.
Diese Blicke auf`s Meer sind auf der Strecke des GR221 auf jeden Fall eines vieler Highlights.

Auf auf geht's zur 7. Etappe des GR 221 - die definitiv eine der Schönsten ist. Doch halt, so schnell geht es dann doch nicht. Ich muss euch noch unbedingt von meiner Horror-Wildnis-Nacht, kurz hinter Valldemossa berichten. Dazu weiter unten im Text. Sowas mag ich bitte nie mehr erleben!!!

 

Zum Glück ist die Landschaft auf dieser Etappe so wahnsinnig schön, dass die Strapazen der Nacht schnell vergessen sind, auch wenn die Müdigkeit meine Muskeln am heutigen Tag etwas lähmt. Auf einem berühmten Reitweg, der einst Erzherzog Ludwig Salvator bauen ließ, führt unsere heutige Wanderung. Oben auf dem knapp 1.000 Meter hohen Gipfelplateau, haben wir einen atemberaubenden Fernblick in alle Richtungen. Unser Ziel Deiá, das übernächste Ziel Port de Sóller und sogar den höchsten Gipfel Mallorcas, den Puig Major können wir von hier oben erspähen. 

 

Eine Bilderbuchlandschaft, die ich nur empfehlen kann. Selbst wenn ihr den gesamten GR 221 nicht laufen wollt, könnt ihr als Tagestour von Deiá aus hier her kommen. 

Die Nacht hätte schlimmer nicht sein können

Mehrtagestrekking auf dem GR 221 auf Mallorca - Etappe 7 der Wanderung von Valldemossa nach Deià.
Vorfreude auf die heutige Etappe des GR221, die mit ihrer tollen Naturlandschaft besticht.

Ihr habt den Artikel über die Etappe zuvor sicherlich gelesen, oder? Dann wisst ihr ja, welch unfreiwillig wilden Schlafplatz wir gewählt hatten. Bevor wir auf die 7. Etappe des GR 221 starten, möchte ich euch noch einen Einblick in meine letzte Nacht geben:

 

Die Nacht war die reinste Katastrophe, das trifft es wohl am besten. Ich hatte permanent Angst, von den betrunkenen Menschen entdeckt zu werden. Außerdem lag ich sowas von abschüssig, dass ich das Gefühl hatte, jeden Moment mit meinem Schlafsack von der Isomatte zu rutschen und den Hang hinunter zu kullern. Ich hatte bisher kein Auge zu getan, mein Herz pochte wie verrückt und bei jedem noch so kleinen Geräusch, sprang es mir fast aus der Brust. Michael schaffte es irgendwann tatsächlich zu schlafen, was ich am leisen Schnarchen hörte. Wären die betrunkenen Menschen nicht gekommen und wir hätten uns einen weniger abschüssigen Platz in Ruhe suchen können, wäre diese Nacht wirklich wunderschön gewesen. Der Mond leuchtete hell und die Sterne funkelten um die Wette. 

 

Abenteuerlich ging es weiter, unter dem Himmel von Mallorca

Mehrtagestrekking auf dem GR 221 auf Mallorca - Etappe 7 der Wanderung von Valldemossa nach Deià.
Von der Nacht gibt es keine Fotos, dafür umso mehr von der heutigen Etappe.

Als ich mich endlich ein klein wenig beruhigte, hörte ich auf dem Weg unter uns das laute Bellen eines Hundes. Es war bereits weit nach Mitternacht. Was macht um diese Zeit ein Hund, eine Stunden von der Ortschaft entfernt im Wald, fragte ich mich ängstlich. Wieder fing ich das Zittern an, Schweiß stand mir auf der Stirn und das Schnarchen von Michael wurde in diesem Moment immer lauter. Ich rüttelte an seinem Arm: "sei doch bitte still, da ist ein Hund. Der hört uns sonst noch", flüsterte ich schweißgebadet. "Grrrrrrr...", ging es mit Schnarchen weiter - er hörte mich nicht. Ich versuchte es erneut, etwas lauter und energischer, während der Hund unter uns ebenfalls hektischer bellte. Na endlich, Michael wachte auf und das Schnarchen verstummte. "Schlaf jetzt, der Hund kommt hier schon nicht rauf", war seine etwas genervte Antwort. Die Gelassenheit hätte ich auch gerne gehabt, mittlerweile war ich echt gerädert und konnte eine Portion Schlaf wirklich gut gebrauchen.

 

 

Wildzelten auf dem GR221 mache ich so schnell nicht wieder

Mehrtagestrekking auf dem GR 221 auf Mallorca - Etappe 7 der Wanderung von Valldemossa nach Deià.
Die Felswand, an der wir irgendwo im mittleren Teil übernachteten.

Nachdem der Hund verstummte und vermutlich seines Weges ging, schlief ich irgendwann dann doch ein. Irgendetwas kitzelte mich im Gesicht und der eh schon leichte Schlaf war wieder vorbei. Ich strich mir über das Gesicht und dachte ein Samen von den Bäumen oder Gebüschen wäre mir auf das Gesicht gefallen. Mhhh, am Hals kitzelt es ebenfalls. Nachdem es sich unten auf dem Weg komplett still anhörte, traute ich mich raschelnd etwas aus meinem Schlafsack zu pellen. Igittttttttt, was ist das denn? Mehrere kleine Würmchen waren an meinem Hals. Also schlimmer konnte die Nacht echt nicht werden, dachte ich mir und fing leise zu heulen an. 

 

Zum guten Glück wurde sie auch nicht schlimmer. Im Morgengrauen packten wir unsere Sachen und starteten auf unsere 7. Etappe. Ich war echt froh, diesen Ort hier endlich verlassen zu können.

 

Schokolade macht glücklich, auch beim Wandern

Mehrtagestrekking auf dem GR 221 auf Mallorca - Etappe 7 der Wanderung von Valldemossa nach Deià.
Etwas betröppelt sehe ich irgendwie doch noch aus, aber nach dem Nutellabrot ging es mir gleich viel besser :-)

Erst jetzt erblickten wir die bewachsene Felswand, an der wir unsere Nacht verbrachten. Hätten wie diese Gegend bei Tageslicht gesehen, hätten wir hier unmöglich unseren Schlafplatz aufgeschlagen. Naja, Not macht halt einfach erfinderisch, beziehungsweise manchmal einfach auch alternativlos.

 

Als wir unten auf dem Weg ankamen, umarmten wir uns erstmal fest. Wir waren mega glücklich, diese Nacht überstanden zu haben. Das Schöne war jetzt - es konnte nur noch besser werden ;-)

Nachdem wir ein paar Schritte auf dem Forstweg gelaufen waren,  setzten wir uns auf einen Stein und genossen unser Frühstück. Noch nie schmeckte mir Nutellabrot und Tee besser als an diesem Morgen. 

  

Nach der durchgemachten Nacht, fühlt sich mein Körper an wie Blei

Mehrtagestrekking auf dem GR 221 auf Mallorca - Etappe 7 der Wanderung von Valldemossa nach Deià.
Sieht eigentlich ganz friedlich aus vor dem kleinen Refugi, in dem Jugendliche am Abend eine Party feierten.

Schattig und bei etwas kühlen Temperaturen ging es im Halbschlaf stetig bergauf. Der Forstweg ließ es zu, noch etwas beim Laufen zu dösen und dadurch weniger konzentriert sein zu müssen. Vorbei ging es an einem schönen Rastplatz, der mit den typischen Steinmauern eingesäumt war. 

 

Kurze Zeit später erreichten wir ein schön gelegenes Refugi im Wald, das für die Öffentlichkeit allerdings geschlossen ist, wie es im Reiseführer geschrieben steht. Vermutlich können nur Einheimische das Refugi mieten. Aha, hier stieg wohl gestern Abend die Party, dachten wir, als wir die herumliegenden Alkoholflaschen erblickten. Ein Jugendlicher kam aus dem Haus und kotzte vor die Türe - okay, wir lagen mit unserer Vermutung richtig. Als ich im Inneren die schmächtigen Kids sah, ärgerte ich mich, dass wir vor denen solche Angst hatten. Naja, die Dunkelheit verschleierte einfach ihr Alter.

 

 

Zu den schönsten Aussichtspunkten in der Serra de Tramuntana

Mehrtagestrekking auf dem GR 221 auf Mallorca - Etappe 7 der Wanderung von Valldemossa nach Deià.
Ist das nicht ein toller Wanderweg, der durch die Serre de Tramuntana führt?

Der Forstweg ging in einen schmalen Pfad über und der Steineichen-, Kiefernwald lichtete sich mehr und mehr. Bald hatten wir die Anhöhe erreicht und somit alle Höhenmeter der heutigen Etappe geschafft. 

 

Auf einem wunderschönen, geschichtsträchtigen Reitweg, wanderten wir über das weitläufige Plateau. Die Gegend hier ist absolut traumhaft und definitiv eine der schönsten Abschnitte des GR 221, wie ich finde. Kein geringerer als Erzherzog Ludwig Salvator (1847-1915) empfand dies wohl genauso und ließ diesen Reitweg damals errichten. Der 12 Kilometer lange Weg führt zu den schönsten Aussichtsplätzen seines Besitzes. Ludwig Salvator gilt übrigens als einer der ersten Naturschützer. Auf seinen Ländereien durften keine Bäume gefällt werden und die Pflanzen waren geschützt. Auch Tiere durften nicht gejagt werden.

 

Eine fantastische Fernsicht, hoch über dem Meer von Mallorca

Mehrtagestrekking auf dem GR 221 auf Mallorca - Etappe 7 der Wanderung von Valldemossa nach Deià.
Der Blick hinab auf die Steilküste Mallorcas ist einfach fantastisch.

Von hier oben konnten wir auf der einen Seite Valldemossa erblicken, wo wir tags zuvor waren. Auf der anderen Seite strahlte uns das blaue Meer entgegen. Nicht nur unsere Blicke waren unterschiedlich, auch das Wetter änderte sich minütlich. Mal zogen graue Wolken auf, dann schien wieder die Sonne oder Nebelschleier zogen sich in schnellem Tempo zwischen den Felswänden hindurch. Auf dem 938 Meter hohen Puig Gros hatten wir eine atemberaubende Fernsicht - Deià, Port de Soller, die hohen Berge im Norden, inklusive dem höchsten der Insel (Puig Major), all das und noch viel mehr ist von hier oben zu erblicken. Es war fantastisch hier oben und ich konnte mich an dieser tollen Naturlandschaft einfach nicht satt sehen.

 

Wir trafen auf ein paar Wanderer, die eine Tagestour hier her  unternahmen. Auch die ein oder andere geführte Wandergruppe kam uns entgegen. Doch alles hielt sich in Grenzen und oft waren wir alleine unterwegs und konnten die Stille genießen.

 

Unser Abstiegsweg nach Deià steht an

Mehrtagestrekking auf dem GR 221 auf Mallorca - Etappe 7 der Wanderung von Valldemossa nach Deià.
Da will wohl noch jemand mit auf das Foto ;-). Schafe gibt es hier im Steineichenwald einige zu entdecken.

Das Höhenprofil dieser heutigen Etappe ist einfach - einmal hoch und dann wieder runter. Somit stand uns nun der steile Abstiegsweg nach Deià bevor. Im Wanderführer steht, dass der Weg bei Nässe sehr rutschig sein kann. Anfangs spürten wir davon nicht viel. Als der Weg jedoch in den schattigen Steineichenwald hinein führte, wurden die Steine immer feuchter und tatsächlich ziemlich schmierig. 

 

Der Saumweg führt teilweise an der steilen Felswand entlang und führt in Serpentinen immer weiter bergab. Alleine sind wir auch hier nicht, wobei die meist gesichteten Lebewesen Schafe sind, sie sich hier im Wald tummelten. Beim Blick zurück können wir es fast nicht glauben, ohne weitere Schwierigkeiten hier abgestiegen zu sein. Immer wieder kamen wir auch an den für Mallorca typischen Köhlerplätze vorbei. Einer der Backöfen ist sogar noch super erhalten.

 

Übernachtungsmöglichkeiten auf dem GR-221 gibt es einige

Mehrtagestrekking auf dem GR 221 auf Mallorca - Etappe 7 der Wanderung von Valldemossa nach Deià.
Wild bewachsen waren diese alten Terrassen. Das sah zwar schön aus, machte die Wegfindung aber auch etwas schwierig.

So langsam machte sich die Müdigkeit bei mir bemerkbar - kein Wunder, hatte ich doch fast kein Auge zu getan in der letzten Nacht. Ich stellte mir vor, frischgeduscht in einem gemütlichen Bett in Deià zu liegen. Wir waren uns gleich nach dem Aufstehen übrigens einig, die heutige Nacht in einer Pension zu verbringen. So buchten wir diese bereits nach dem Aufstehen über ein Onlineportal.

 

Ein bisschen ging es jedoch noch bergab, bis mein Traum in Erfüllung ging. Der Wald lichtete sich und wir stießen auf verwilderte Terrassenfelder, auf denen Olivenbäume standen. Teilweise verläuft der Weg auf den Terrassenmauern - wir mussten ganz schön darauf achten, hier nicht falsch zu laufen. Es sind zwar immer wieder Steinmännchen aufgestellt, aufgrund der wilden Bewachsung aber oft schlecht zu erkennen.

 

Deià ist ein super Ausgangspunkt für Wanderungen auf Mallorca

Mehrtagestrekking auf dem GR 221 auf Mallorca - Etappe 7 der Wanderung von Valldemossa nach Deià.
Das Örtchen Deià liegt wunderschön eingerahmt, am Fuße der Berge der Serra de Tramuntana.

In Deià angekommen, war ich überglücklich. Das kleine, familiengeführte Hostal "Villaverde" in dem wir nächtigten, war einfach nur wow. Ich fühlte mich sofort wohl, genoss ausgiebig die Dusche und legte mich zu einem Mittagsschläfchen nieder. Endlich wieder in Sicherheit schlafen - eigentlich etwas selbstverständliches in unserer heutigen Zeit, das ich heute wieder schätzen lernte.

 

Während ich schlief, setzte sich Michael in das kleine Café, das sich im grünen Garten des Hostal befand und genoss den selbstgebackenen Kuchen. Hier war wirklich ein Ort zum Entspannen - die Strapazen der vorherigen Nacht waren im nu vergessen. Später schlenderten wir noch durch das Bergdorf Deià, das oft als das schönste Dorf Mallorcas bezeichnet wird. Berge und Meer sind hier vereint, beziehungsweise beides liegt zum Greifen nah. Daher gilt Deià auch als super Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen. Das Örtchen hat sich seiner Tradition bewahrt und der typische Mallorca Charme kommt auf, wenn man durch die wunderschönen Gassen schlendert. Mir gefiel es hier total gut - ein Ort an den ich gerne wieder zurück komme. 

 

Ihr wollt die Tour auch gehen? Hier findet ihr den GPX-Track der 7. Etappe des GR221 auf Mallorca:

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