Etappe 4 - Durchschreitung der Hohen Tatra

Vom Berghotel "Popradské Pleso" auf die Gipfel "Rysy" und "Vysokà"

Auf dem Gipfel des 2.560 Meter hohen Vysokà
Auf dem Gipfel des 2.560 Meter hohen Vysokà

Die letzte hochalpine Etappe stand uns bevor, die mit Abstand auch die schwierigste unserer Hohen Tatra Durchschreitung darstellte.

 

Perfekt zum Einlaufen ging es auf den höchsten Berg

Polens - "Rysy". Hier ist der Weg noch recht einfach und wir hatten Glück, dass wir keine so großen Menschenmassen wie in der Hauptsaison auf den Wegen hatten.

 

Anspruchsvoll wurde es dann beim zweiten Gipfel - "Vysokà", oder Todesberg, wie wir ihn nannten. Dieser Gipfel hatte wirklich alles zu bieten - ausgesetzte Kletterstellen, einen schmalen Grat, eine steile Schneerinne, eine Abseilstelle und ganze viele Passagen und Situationen, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließen.

Das Leiden einer Frau im männlichen Bettenlager ;-)

Mit etwas leichterem Gepäck als sonst, läuft es sich gleich viel angenehmer.
Mit etwas leichterem Gepäck als sonst, läuft es sich gleich viel angenehmer.

rrr..zzzz..ttststs.. 

Wie die Nacht war? Laut würde ich sagen. Meine männlichen Mitbergsteiger lieferten sich ein Schnarch-Battle, dass die ganze Nacht andauerte.

 

Etwas müde starteten wir um 08:30 Uhr unsere heutige Tour Richtung Rysy - dem höchsten Berg Polens. Außerdem stand noch ein weiterer Gipfel auf dem Programm, sollte es unsere Fitness zulassen. Wir werden sehen, was der Tag so bringen wird. Vorteil war, dass wir unser Übernachtungsgepäck im Berghotel Popradské Pleso lassen konnten, da wir hier noch eine weitere Nacht schliefen.

 

Slowakische Traditionen

Unser Guide Samuel setzt für uns ein Sherpa-Tragegestell auf. Sieht nicht gerade bequem aus.
Unser Guide Samuel setzt für uns ein Sherpa-Tragegestell auf. Sieht nicht gerade bequem aus.

Gleich zu Beginn unserer Tour, kamen wir an der Sherpa-Station vorbei. Die Träger nennen sich hier auch Sherpas, wie in Nepal. In der Hohen Tatra ist es eine alte Tradition, die Lebensmittel und sonstigen Güter auf den Schultern von Trägern zu den Hütten zu bringen. Zwischenzeitlich werden einige Hütte auch per Helikopter beliefert, was nicht alle gut finden. Die Rysy-Hütte scheint noch auf herkömmlichem Weg beliefert zu werden, was die Station vermuten lies.

 

Für 10 Kilo Gepäck erhält man einen Tee gratis, für 20 Kilo zwei Tassen. Würdet ihr das machen? Ohne sonstige Bezahlung? Samuel unser Guide erklärte uns, dass es sich hierbei wirklich um eine Tradition und kein Geschäft handelt, bei der schon allein das Tragen an sich Respekt einbringt und das für diese Menschen ausreicht. Oft würde man Studenten sehen, die es einfach eine coole Sache finden. Auch Wettkämpfe gibt es, bei denen bestimmte Gewichte über einen längeren Zeitraum und Distanz getragen werden.

 

Schneller als die Anderen

Die Schnarchzapfen-Gang ;-)
Die Schnarchzapfen-Gang ;-)

Im kühlen Schatten der Bäume ging es mäßig ansteigend los. Hier und da überquerten wir auf netten, kleinen Holzbrücken einen Bach. Wir verließen die Baumgrenze und die morgendliche Kühle war schnell verflogen. Ordentlich Kraft hatte die Herbstsonne noch und lies uns leicht schwitzen.

 

Vielleicht lag es aber auch daran, dass Samuel ordentlich Tempo machte. "Wir müssen die Israelis einholen und schneller sein", sagte er ständig. Im Berghotel trafen wir auf die Gruppe von drei israelischen Jungs, mit denen wir zwei Tage zuvor auf der Räuberhütte nächtigten. Sie liefen kurz vor uns los und Samuel wollte sie unbedingt überholen.

 

Für mich geht es nicht weiter

Im Hintergrund (Schneerinne) liegt wohl die schwierigste Skiabfahrt in der Hohen Tatra, sagte uns unser Guide. Er fuhr sie natürlich schon - war ja klar ;-)
Im Hintergrund (Schneerinne) liegt wohl die schwierigste Skiabfahrt in der Hohen Tatra, sagte uns unser Guide. Er fuhr sie natürlich schon - war ja klar ;-)

An einem wunderschön gelegenen See mussten wir feststellen, die Israelis waren schneller als wir. Wir machten uns einen Spaß daraus, aber Samuel mopste es etwas. "Welchen Weg sind Israelis gelaufen?", fragte er sich ständig laut. "Kann nicht sein, dass sie schneller sind als wir". Sie nahmen wohl eine kürzere Sherpa-Variante, meinte er dann. Ob das so war, oder ob er sein Gewissen beruhigen wollte - keine Ahnung. Es war auf jeden Fall okay für ihn und er nahm das Tempo wieder etwas raus.

 

"Ich drehe hier um und komme nicht weiter mit euch", sagte ein Teilnehmer plötzlich. "Warum"? fragten wir alle. "Ich wollte heute eigentlich überhaupt nicht mitkommen und bin schon weiter als ich wollte. Ich bin einfach von den letzten Tagen platt und kann nicht mehr". Natürlich versuchten wir noch ihn umzustimmen. Letztlich war es aber seine Entscheidung. Wie wichtig es ist, sich selbst richtig einzuschätzen und rechtzeitig aufzuhören. Daher Hut ab vor ihm und seiner Entscheidung - in meinen Augen definitiv alles richtig gemacht. Wir sprachen uns ab und ließen ihn alleine zum Berghoten zurück gehen. Der Weg war nicht schwer und sehr lange waren wir auch noch nicht unterwegs gewesen.

 

Treppen, damit auch jeder es schafft

Auf Treppen, die jeder laufen kann, geht es hinauf Richtung Rysy.
Auf Treppen, die jeder laufen kann, geht es hinauf Richtung Rysy.

Was ist denn das? Sind da wirklich Stufen aus Metallgitter im Fels verbaut? Tatsächlich!!!

Schön ist definitiv anders und sicher hätte man das auch besser lösen können. Da der Berg Rysy allerdings so berühmt ist und jeder Slowake und Pole hier einmal im Leben rauf muss, gestaltete man scheinbar die Wege alle recht einfach.

 

"Sogar der polnische Papst war schon hier oben", erklärte uns Samuel. "Für viele Polen ist Rysy deswegen auch ein heiliger Berg".

In der Hauptsaison laufen bei gutem Wetter tausend Menschen hier raus. Da hatten wir ja echt Glück, dass wir mit Anfang Oktober schon in der Nebensaison unterwegs waren. Kaum vorzustellen, wie das hier zu den Hochzeiten aussieht.

 

Zwischenziel Rysy-Hütte ist erreicht

Bis hier her zur Rysy-Hütte war der Weg recht einfach.
Bis hier her zur Rysy-Hütte war der Weg recht einfach.

Nach 2,5 Stunden Aufstieg erreichten wir die Rysy Hütte - ein Metallklotz mitten in einer riesigen Gerölllandschaft. Schon mehrfach wurde die Hütten von Schneelawinen überrollt und zerstört - so auch kürzlich. Die Fertigstellung der Hütte war wohl noch nicht sehr lange her, meinte Samuel.

 

Wir suchten uns ein Plätzchen in der Hütte und ich gönnte mir als zweites Frühstück eine Portion Saitenwürstle mit Brot. Während des Essens erfuhren wir, dass der Hüttenwirt eine lebende Legende in Polen und der Slowakei ist. Mit seinen über 70 Jahren schmeißt er noch immer diese Hütte, schon seit vielen, vielen Jahren. Er trug damals und bis ins hohe Alter, so ziemlich alles was es in der Hütte gab selbst vom Tal hier hoch - eine ungeheure Leistung und das Tag für Tag. Sogar ein komplettes Klavier trug er alleine hoch.

 

Ach und wenn ihr mal auf der Hütte seid, eine Go-Go-Stange gibt es auch. Eurer Tanzeinlage steht also nichts mehr im Wege ;-)

 

Zu viel Gedanken machen ist nicht immer gut

Ok, also die richtigen Schuhe hatte ich schon mal an :-)
Ok, also die richtigen Schuhe hatte ich schon mal an :-)

So richtig wohl war mir am heutigen Tag nicht. Das lag daran, dass ich über Samuels Aussage zur heutigen Etappe etwas irritiert war. Wenn ihr die vergangenen Berichte gelesen habt, dann wisst ihr, dass unser lokaler Bergführer an heiklen Stellen oder Passagen oft die Aussage traf:

"die Tour ist schwierig, aber nur bisschen".

 

Wir konnten dies recht schnell deuten und stellten fest, immer dann wenn der Zusatz "aber nur bisschen" kam, es echt schwer und gefährlich wurde.

 

Heute war Samuels Bewertung, entgegen all den anderen Tagen zuvor, folgende:

"ist nicht so sehr schwierig"

 

Hä, was sollte das nun heißen, rätselten wir alle bereits am Vorabend. Meine Fragezeichen und Bedenken zogen sich durch die Nacht durch, in den nächsten Morgen hinein und waren bis jetzt in meinen Gedanken, beim Saitenwürstle Essen auf der Rysy Hütte. Womöglich noch schwieriger als die Tage zuvor? Oh je, ich bekam schon wieder zittrige Hände nur vom Gedanken spinnen.

 

Die letzten Meter zum Gipfel

Die letzten Meter hinauf zum Rysy Gipfel. Auf Steinschlag ist zu achten, da hier viele ungeübte Touristen unterwegs sind, die in erster Linie auf sich selbst achten müssen, anstatt auf andere.
Die letzten Meter hinauf zum Rysy Gipfel. Auf Steinschlag ist zu achten, da hier viele ungeübte Touristen unterwegs sind, die in erster Linie auf sich selbst achten müssen, anstatt auf andere.

Mit vollem Magen ging es weiter nach oben. Den Weg konnte man nicht verfehlen, er war super gekennzeichnet und verlief einfach im großen Geröllhang nach oben. Kleine Schneefelder überschritten wir, was völlig unkritisch war - so steil war das Gelände nicht und die Schneefelder nicht arg groß. 

 

Am Fuße von Rysy war dann schlagartig mehr los, sodass ich nicht mal mehr einen ruhigen Platz fand, um in Ruhe zu pinkeln. Das letzte Stück hinauf zum Gipfel musste dann hin und wieder mal die Hand an den Fels, um zu kraxeln. Nichts schwieriges, aber halt auch kein Weg mehr mit Metallgitter-Treppen. Vermutlich ist das vielen nicht klar und aufgrund von Selbstüberschätzung passieren hier an diesem Berg viele Unfälle.

 

Rysy - der höchste Berg Polens

Hier oben ist Platz für alle - zumindest in der Nebensaison ;-)
Hier oben ist Platz für alle - zumindest in der Nebensaison ;-)

Wir kamen auf dem 2.503 Meter hohen Gipfel an, den wir uns mit zahlreichen anderen Menschen teilten. Fürs Gipfelfoto mussten wir sogar kurz anstehen. Das machte aber nichts, immerhin waren wir die Tage zuvor immer mutterseelenallein unterwegs und konnten die Berge in Ruhe genießen. 

 

Rysy hat übrigens drei Gipfel - der höchste liegt in der Slowakei, der Nordwestgipfel ist mit 2.499 Metern der höchste Berg Polens und dann gibt es noch den etwas unbedeutenden Südostgipfel.

 

Die Aussicht von hier oben war fantastisch. Teilweise erkannten wir unsere Wege der letzten Tage. Echt krass, wenn man die Scharten von weitem sieht, über die es drüber ging.

 

Was will ich eigentlich?

Mein persönlicher Schicksalsberg - Vysoká
Mein persönlicher Schicksalsberg - Vysoká

Auf gleichem Weg ging es dann wieder zum Sattel zwischen Rysy und Vysoká, unserem potentiellen nächsten Ziel, hinab. Mystisch und irgendwie fast schon bedrohlich umhüllten die Wolken den Berg Vysokà. Mir wurde Angst und Bange.

"Seid ihr sicher, dass wir da hoch sollen?", fragte ich gefühlt schon zum zehnten mal. Ich wusste nicht einmal selbst, was ich eigentlich will. Natürlich würde es mich reizen, da hoch zu klettern. Andererseits hatte ich echt starke Bedenken aufgrund der Schwierigkeit. Sollte das ganze technisch schwerer werden als die Etappen davor, werde ich sicherlich keine Freude mehr daran haben. 

 

Einer hatte mit mir Bedenken, die anderen vier nicht - überstimmt ;-)

Nein, so einfach war es natürlich nicht. Über so etwas stimmt man ja nicht ab. Jeder sollte sich letztlich 100%-ig sicher sein, ob er sich das zutraut oder nicht und die anderen müssen sich dann danach richten und unter Umständen umzudrehen.

 

Die Angst, mein ständiger Begleiter

Während ich mir vor Angst fast in die Hose mach, knipst unser Bergführer ein paar Fotos.
Während ich mir vor Angst fast in die Hose mach, knipst unser Bergführer ein paar Fotos.

Wir machten sarkastische Werbe-Späße:

"kommen sie auf den Vysokà - jeder zweite kommt auch wieder runter," lautete unser Slogan. Auch wenn Sarkasmus nicht meine Stärke ist, machte mich das Lachen etwas lockerer und zuversichtlicher.

"Ok, wir machen's!", sagte ich mit übertriebener Selbstsicherheit. Das hilft mir oft ein wenig, wenn ich das in meine Stimmlage aufnehme und mir somit selbst Mut zuspreche. 

 

Die Angst lies allerdings nicht lange auf sich warten...

 

Im Grunde mussten wir den Berg erstmal Hälftig komplett umrunden. Das heißt eine ewig lange Querung auf absolut mega steilem Gelände. Ein wirklicher Weg war auch wieder nicht auffindbar und noch dazu lagen an kritischen Stellen Schneefelder.

 

Schwindelfreiheit ist zwingend erforderlich

Bloß nicht runter schauen.
Bloß nicht runter schauen.

Was macht ihr immer, um euch zu beruhigen? Bei mir hilft tatsächlich tief ein und aus atmen und alles um mich herum versuchen auszublenden. So bin ich dann auch voll konzentriert und arbeite mich langsam Stück für Stück weiter. Die Schnellste bin ich dann in diesen Momenten nicht und gesprächig schon gleich dreimal nicht, aber es hilft und das ist die Hauptsache.

 

Es ging wirklich verdammt steil runter. Zum Glück zogen unter uns oft Nebelschwaden entlang und die Steilheit kam dann nicht so zur Geltung. 

 

Eine Portion Glück brauch man auch

Sieht nicht vertrauenserweckend aus die Rinne, oder was meint ihr?
Sieht nicht vertrauenserweckend aus die Rinne, oder was meint ihr?

Wir dachten es bald geschafft zu haben, da tat sich das nächste Abenteuer vor uns auf. Wieder war es eine steile Rinne, die mir Sorgen bereitete. 

"Die Rucksäcke lassen wir hier, wir gehen ohne rauf", wies uns Samuel an. Wir steckten alles wichtige wie Seil, Erste Hilfe Set, Trinken und Riegel in die Rucksäcke von Micha und Samuel und machten uns auf, die Rinne zu bezwingen.

 

Für schwache Nerven ist das echt nichts und ich betete innerlich mehrfach, dass sich das Schneebrett nicht einfach lösen würde und wir alle den Berg hinunterfallen. Zum Glück war der Schnee recht tief, was auf den Fotos echt täuscht. Wir konnten uns somit saubere Tritte in den Schnee schlagen und relativ gut nach oben steigen. Da waren die folgenden Stellen im Fels echt schwieriger und ich irrte mich mal wieder, wie so oft in der Hohen Tatra. Fels ist nicht gleich Fels und Bedingungen ändern alles. Die Steine voll von Flechten kannten wir ja bereits. Jetzt floss über die Steine auch noch ein Rinnsal aus Tauwasser. Kein Tritt und keine Grifffläche für die Hände schien wirklich 100%-ig sicher zu sein - alles war rutschig wie die Sau.

 

Endspurt auf den Gipfel

Nicht wegen den rauen Steinen trug ich Handschuhe, sondern wegen dem kalten Fels. Hatte es am Morgen doch nur 6 Grad Außentemperatur.
Nicht wegen den rauen Steinen trug ich Handschuhe, sondern wegen dem kalten Fels. Hatte es am Morgen doch nur 6 Grad Außentemperatur.

Für das letzte Stück spannte uns Samuel noch sein Seil. In großem Abstand waren Stahlbügel im Fels angebracht, an denen wir das Seil herumwickeln konnten. Das gab unheimlich viel Sicherheit für den Kopf und zackig hatten wir den Gipfelgrat erreicht.

 

"Hier war ich bisher erst mit drei Gruppen, ihr seid die vierte", sagte Samuel sichtlich stolz auf uns. "Ich glaube Frauen waren nicht mit dabei", meinte er noch dazu.

"Echt jetzt? Wenn ich das vorher gewusst hätte", entgegnete ich ihm.

 

"Ihr seid tolle Gruppe", lobte er uns mit seinem slowakischen Akzent.

 

Das freute mich natürlich sehr und spornte mich auch an, weiterhin gut mitzuhalten. Aber unten waren wir ja noch lange nicht.

 

Gipfelfreude oder eher Anspannung vor dem Abstieg?

Vysoká, wird haben dich erreicht :-)
Vysoká, wird haben dich erreicht :-)

Jetzt aber erstmal das tolle Gipfelpanorama genießen. Nach 1,5 Stunden von unserem Rucksackdepot aus, standen wir auf dem 2.560 Meter hohen Vysokà Gipfe - den Todesberg, wie wir ihn mittlerweile nannten. Ich glaube keiner von uns hatte bisher eine so waghalsige Tour unternommen. Vielleicht täuschte ich mich auch, aber in so richtig entspannte Gesichter schaute ich nicht. Wie so oft wird der Abstieg schwieriger als der Aufstieg und das lies nichts Gutes erwarten.

 

Unsere Gipfelrast war kurz - ein paar Fotos schießen, ein halbes Riegel verdrücken, einen Schluck trinken und dann ging es auf gleichem Weg zurück.

 

Abseilen à la Dülfer

Solange man sich nicht mit vollem Körpergewicht in das Seil setzen muss, geht es noch. Das Gefühl wie es sich mit Gewicht anfühlt, beschreibe ich euch lieber nicht ;-)
Solange man sich nicht mit vollem Körpergewicht in das Seil setzen muss, geht es noch. Das Gefühl wie es sich mit Gewicht anfühlt, beschreibe ich euch lieber nicht ;-)

Die steile Rinne seilten wir 2 Seillängen ab - im Dülfersitz.

Kenn ihr diese Abseiltechnik, die man heutzutage eigentlich nicht mehr verwendet? Ich kannte diese Technik bisher nur aus Erzählungen unseres Fachübungsleiters vom DAV.

"Des tut ganz schön weh zwischen den Beinen", hab ich von ihm noch in den Ohren. Und ja, es stimmte - sowohl beim Mann wie auch bei der Frau.

 

Heutzutage seilt mal beispielsweise mit einem Abseilachter oder Tube ab, bei dem die Bremswirkung durch ein abgewalgtes Seil entsteht, der sogenannten Seilreibung. Beim Dülfersitz nutzt man die Reibung des Seils, das um den Körper gelegt ist. Ihr könnt euch vorstellen, dadurch wird es an der Schulter und am Oberschenkel, aufgrund der Seilreibung, ordentlich heiß, was ziemlich unangenehm ist.

 

Das letzte Mal ging der Puls hoch

Eins meiner Lieblingsbilder, weil in dem Moment einfach alles passte - wir hatten den Gipfel geschafft, eine wahnsinnig schöne Landschaft zeichnete sich vor uns ab und wir waren einfach platt aber glücklich.
Eins meiner Lieblingsbilder, weil in dem Moment einfach alles passte - wir hatten den Gipfel geschafft, eine wahnsinnig schöne Landschaft zeichnete sich vor uns ab und wir waren einfach platt aber glücklich.

Am Rucksackdepot angekommen, ging es weiter bergab. Von hier ab war der Weg ein anderer als unser Aufstieg. Ich war froh, die schwierigsten Stellen geschafft zu haben. Kurz bevor sich Erleichterung einstellte, rief es von oben:

"Achtung Steinschlag!!!"

Die zwei Worte, die man nicht hören will und die mir immer sofort den Puls in die Höhe treiben. Oh scheiße, die donnern genau auf mich zu, ratterte es in meinem Kopf. In Windeseile kletterte ich die Felswand hinauf, die direkt neben mir war.

 

Puhhh, ich hatte Glück im Unglück und die Steine prasselten an mir vorbei. Wäre ich stehen geblieben - ich hätte sie direkt abbekommen. Die zwei Jungs unter mir, waren zum Glück schon etwas weiter links und somit aus der Falllinie der Steine.

 

Das sollte nun aber der letzte Adrenalinschub an diesem Tag gewesen sein. Gegenüber des Drachenzahns legten wir im orangefarbenen Licht der tief stehenden Sonne eine Pause ein - wow, was für eine Aussicht. 

 

Happy End

Prost auf uns und dass uns das Glück heute begleitet hat
Prost auf uns und dass uns das Glück heute begleitet hat

Über ein Labyrinth aus zahlreichen großen Felsen, ging es kniestrapazierend weiter bergab. Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu und wir bekamen ein wunderschönes Tatra-Glühen zu Gesicht. Zeit zum Fotos machen war keine mehr, die Dunkelheit nahte. Wir wollten ja schließlich keine Bekanntschaft mit dem Bären machen, an dessen Schlafplatz wir wieder vorbei liefen.

 

Mit Stirnlampen suchten wir uns den Weg durch die Zirben und Latschen. Um 19 Uhr kamen wir dann platt aber glücklich am Berghotel Popradské Pleso an.

"30 Minuten schneller als meine letzte Gruppe, gute Zeit", lachte Samuel. "Darauf müssen wir anstoßen" und kurz darauf stand er mit fünf Bier und einer Cola in der Hand neben uns.

 

"Wir haben die Tatra gerockt"

 

Wie hat euch der Artikel gefallen?

Wie geht ihr mit Angst um? Habt ihr mir ein paar Tipps?

 

Schreibt mir gerne in den Kommentaren.


Hier geht es zum Übersichtsartikel.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Pavol (Donnerstag, 14 Mai 2020 08:57)

    Es war sehr spannende Geschichte, danke für schöne Fotos von meinen Heimatgebirgen. Ich war einmal auf Rysy, als eine Steinlawine auf der polnischen Seite gefallen ist, deswegen war der Weg gesperrt und kein Pole konnte hinauf gehen...

Puls der Freiheit Newsletter

Facebook

Instagram