Durchschreitung der Hohen Tatra

Überblick und allgemeine Infos

In sechs Tagen durchwanderten wir die Hohe Tatra in der Slowakei, die auch als das kleinste Hochgebirge der Welt bekannt ist. Wie kommt man darauf, gerade hier eine Durchschreitung zu planen? Ich weiß noch, als ich damals das Internet mit folgenden Schlagwörtern durchsuchte: Trekking, Berge, wild, ursprünglich.

 

Zwischen den Suchergebnissen tauchte dann auch dieses Gebiet in der Slowakei auf. Ich muss gestehen, dass ich bisher nicht wirklich etwas über die Hohe Tatra wusste. Ich schaute mir im Netz ein paar Fotos an und war sofort total beeindruckt - wunderschöne, schroffe Berge, türkisblaue Seen, nett wirkende Hütten. Als ich dann noch las, dass dieses Gebiet ein absoluter Geheimtipp ist, viele Wege nur schwer zugänglich sind und der strenge Naturschutz dazu beiträgt, dass dieses wahre Naturparadies erhalten bleibt, stand meine Entscheidung fest - dort muss ich unbedingt hin.

 

Naturschutz - ein großes Thema

Der Hauptkamm der Hohen Tatra ist gerade mal 27 Kilometer lang und Luftlinie sogar nur etwas über 16. Auf dem Gebiet befindet sich der höchste Gipfel der Slowakei - "Gerlachovsky" (Gerlachspitze) mit einer Höhe von 2.655 Metern. Außerdem prägen mehr als 100 Seen das Landschaftsbild dieser ganz besonderen Naturlandschaft.

 

In der Hohen Tatra befindet sich eine ganz besondere Arten und Pflanzen Vielfalt. Neben Steinadlern und Braunbären zählt die Tatragams zu den seltenen Tieren, die hier leben. Nach dem Ende der Eiszeit entwickelte sich diese Gamsart tausende von Jahren völlig isoliert und unterscheidet sich daher von ihren Artverwandten. Diese Art ist weltweit nur hier in der Tatra zu finden. Der Naturschutz wird in der Slowakei groß geschrieben und hat einen ganz besonderen Stellenwert. Bereits 1949 wurde der Tatra-Nationalpark (TANAP) gegründet. Zusammen mit dem angrenzenden polnischen Nationalpark ist die Tatra seit 1993 ein Biosphärenreservat der UNESCO.

 

 

Wegsperrungen beachten

Aus Sicherheits- und Naturschutzgründen sind die Wanderwege vom 01.11. bis 15.06. in der Hohen Tatra geschlossen. Außerhalb der Wanderwege darf man den Nationalpark nur in Begleitung eines einheimischen Bergführers erwandern und dies auch nur in der Zeit vom 16.06. bis 31.10. Genau für diese Variante hatten wir uns entschieden.

 

Wir buchten uns einen Guide über den Anbieter "Adventure Slovakia"*, was ich auch in jedem Fall wieder tun würde. Zum einen darf man auf die meisten Gipfel nur mit einem Bergführer hinauf und zum anderen kennt dieser Wege, die nicht in Karten eingezeichnet sind. 

 

 

Unsere Gruppe

Ein slowakischer Bergführer, mein Mann Micha, zwei Kumpels die ich vom DAV kannte, zwei Kumpels von den Kumpels und ich - wenn das nicht mal ne coole Gruppe ist ;-)

Ob wir gut harmonieren, werden wir die nächsten Tage herausfinden.

 

Die Wege auf denen wir ab Etappe 2 unterwegs waren, waren einfach der Hammer - wild, ursprünglich, einsam und teilweise etwas waghalsig. Unsere Hauptrouten verliefen überwiegend auf nicht gekennzeichneten, alpinen Steigen. Dies ist auch der Grund, warum ihr dieses mal ausnahmsweise keine GPX-Tracks am Ende der einzelnen Etappenberichte von mir findet. Natürlich wäre es mir möglich gewesen diese einzuzeichnen. Wie ihr oben aber bereits gelesen habt, ist es nur in Begleitung eines Bergführers erlaubt diese inoffiziellen Wege zu gehen.

 

 

 

Adventure Slovakia

Habt ihr also Lust darauf die Tour selbst zu erleben, dann gönnt euch den Luxus eines Bergführers. Mit diesem habt ihr nicht nur die Möglichkeit Wege zu gehen, die sonst keiner geht, sondern auch allerhand über das Land, die Menschen und die Hohe Tatra zu erfahren.

 

Adventure Slovakia kann ich euch zu 100% weiterempfehlen. Die Agentur wird von Fedor und Samuel betrieben - ein absolut klasse Vater-Sohn-Gespann, die euch sicher durch die Hohe Tatra bringen und mit denen ihr gewaltig was zu lachen haben werdet. Samuel ist durch die Union of international Mountain Leader Associations (UIMLA) zertifizierter Bergführer und mit ihm waren wir 6 Tage in der Hohen Tatra unterwegs.

 

Anforderung und Schwierigkeit

Die Wege sind wirklich sehr unterschiedlich. Befindet man sich auf den offiziell eingezeichneten Wegen, verlaufen diese unschwierig, meist als kleine Pfade in der traumhaften Landschaft. Die Hütten sind durch diese Wege auch alle super zu erreichen. Die inoffiziellen Wege sind dagegen schon als schwierig einzustufen. Oft bewegten wir uns kletternd, lange Stücke ausgesetzt nach oben und unten, teilweise im II.-III Schwierigkeitsgrad (UIAA). Manchmal waren die Kletterstellen mit Ketten versichert. Diese hängen allerdings nicht wie bei Klettersteigen fest am Fels, sondern baumeln recht lose herum. Teilweise sind diese auch am unteren Stück nicht befestigt, sodass man kein Klettersteigset einhängen kann. 

 

Beste Jahreszeit

Samuel erklärte uns auch, dass manche Bergführer die Ketten bewusst abschlagen um zu verhindern, dass Touristen, die nicht mit einem Bergführer unterwegs sind, abgeschreckt sind und dann umdrehen. Tatsächlich sind uns auch einige dieser abgetrennten Ketten aufgefallen. Über viel Blockwerk und steile Geröllrinnen ging es ebenfalls. Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind definitiv erforderlich, wenn man die Hohe Tatra durchschreiten möchte.

 

Außerdem sollte man das Wetter beachten. Samuel erklärte uns oft, das sich das Wetter hier binnen Sekunden ändern kann. Die Hohe Tatra sei ein eigener Wetter-Kosmos - und er hatte Recht. Unser Trekking fand damals Anfang Oktober statt. Eine Jahreszeit, die aufgrund der herbstlichen Farben wirklich ein Traum ist. Außerdem sind zu dieser Zeit nicht mehr viele andere Menschen in der Tatra unterwegs. Beachten sollte man jedoch, dass zu dieser Zeit bereits Schnee liegen kann, was die Tour um einiges schwerer oder auch unmöglich werden lässt.

 

Unterbringung und das leibliche Wohl

Die Unterbringung und Verpflegung ist ja auch immer ein sehr wichtiges Thema. Als ich zuhause las, dass man auf den Hütten keinen Schlafsack benötigt und es frische Bettwäsche gibt, hatte ich ehrlicherweise an der Hygiene gezweifelt. Schnell wurde ich aber eines Besseren belehrt. Alle Hütten waren blitze blank und super gepflegt. Die Bettwäsche wird wirklich nach jedem Gast gewaschen und frisch überzogen. Oft waren sogar Duschen vorhanden, die kostenlos und warm waren.

 

Das Essen lies keine Wünsche offen. Zu recht günstigen Preisen bekommt man frische, landestypische Gerichte. In der Regel ist das meist mit Fleisch verbunden (ok, Vegetarier werden es vielleicht nicht ganz so einfach haben). Zum Frühstück gab es oft frisches Obst und Gemüse, selbst gekochte Eier gab es einmal. Snacks und Riegel kann man sich ebenfalls auf den Hütten für unterwegs kaufen.

 

Um es auf den Punkt zu bringen: die Hütten waren absolut hygienisch, das Preis-Leistungsverhältnis super, das Essen hervorragend und der Wohlfühlfaktor lag bei 100%.

 

Die einzelnen Etappenberichte mit vielen weiteren Fotos folgen in Kürze...

*unbezahlte Werbung, da Verlinkung

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Kommentare: 7
  • #1

    Volker Rinner-Hänsel (Donnerstag, 05 März 2020 12:07)

    Toller Wanderbericht, danke! Ich habe schon öfter von diesem tollen Gebiet gehört. Deine Fotos machen Lust darauf hinzufahren.
    Guten Weg
    Volker

  • #2

    Nicole (Donnerstag, 05 März 2020 16:12)

    Sehr tolle Toure!
    Ich gratuliere euch zu diesem Erlebnis! �����⛰️

  • #3

    Andrea (Sonntag, 08 März 2020 13:21)

    Wow, das liest sich klasse! Bin jetzt richtig angefixt. :-)

  • #4

    Irina S. (Dienstag, 24 März 2020 11:42)

    Deine Bilder sehen einfach sooo schön aus :-). Jedoch muss ich gestehen, dass ich leider nicht schwindelfrei bin. Du hattest geschrieben, dass die offiziellen Routen nicht ganz so schwierig sind, kann man diese ebenfalls mit einem Guide durchwandern oder geht dies dann auch ohne Bergführer auf eigene Faust? Geht der Bergführer ansonsten immer außerhalb der offiziell gekennzeichneten Wege (ich denke das wäre nix für mich) oder kann man auch einen Guide buchen, den auf den "normalen" Wegen bleibt? Eventuell weißt du mehr darüber - vielen Dank :-).

    Ganz liebe Grüße und danke für deine tollen Beiträge
    Irina

  • #5

    Myriam (Sonntag, 05 April 2020 17:38)

    Hallo Irina,
    erst mal vielen lieben dank für dein Lob :-)
    Die offiziellen Wege darf man auch ohne Bergführer wandern. Man muss nur die Zeiten berücksichtigen, an denen die Wege gesperrt sind (steht im Bericht drin).
    Immer mal wieder querten wir auch diese "normalen" Wege und sie wirkten auf mich nicht besonders schwierig. Aber 100%ig wissen tu ich das leider nicht, da wir größtenteils nicht auf ihnen unterwegs waren. Eventuell kannst du dir mal einen Wanderführer aus der Gegend kaufen. In der Regel sind dort die offiziellen Wege ganz gut von der Schwierigkeit beschrieben. Ich glaube von "Rother" gibt es auch einen.
    Wenn du dir einen Bergführer buchst, kannst du sicherlich genau sagen, was du für Wege gehen möchtest und er wird das dann auch berücksichtigen.
    Liebe Grüße
    Myriam

  • #6

    Bernadette (Donnerstag, 09 April 2020 17:08)

    Hallo,habe mir gerade die 2.Etape von der Tatra angeschaut.Die Bilder sind unglaublich schön,das werde ich vielleicht demnächst auch mal machen.
    Ich war die letzten Jahre einige Male in Südamerika unterwegs,auch Neuseeland ..war wunderschön.
    Wieviel Tage muß man einplanen und wäre es sinnvoller im Herbst die Tour zu machen?
    Schöne Grüße Berni

  • #7

    Myriam (Donnerstag, 09 April 2020 18:00)

    Hallo Berni,
    oh wow, Südamerika und Neuseeland stehen auch noch ganz oben auf meiner Liste. Es gibt so viele schöne und besondere Ort auf der Welt, wo ich unbedingt noch hin möchte.
    Wir waren auch im Herbst in der Hohen Tatra und ich kann diese Jahreszeit absolut empfehlen. Unser einheimischer Guide meinte auch, dass dies die beste Jahreszeit sei. Zum einen sind die Herbstfarben echt toll in der Landschaft und vor allem der Massentourismus ist da schon weg, da Nebensaison ist. Wir waren damals 8 Tage in der Slowakei und 5 Tage davon in der Hohen Tatra.
    Viele Grüße
    Myriam

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