Etappe 1 - Durchschreitung der Hohen Tatra

Durch die "Weiße Tatra" von Ziar zur "Chata pri Zelenom plese"

In der Weißen Tatra sind die Wanderwege noch etwas gemütlicher. Das wird sich bald ändern.
In der Weißen Tatra sind die Wanderwege noch etwas gemütlicher. Das wird sich bald ändern.

Bevor wir die "Hohe Tatra" am nächsten Tag erreichen, führt unser Weg heute durch die wunderschöne "Weiße Tatra". Ich war zutiefst beeindruckt von dieser absolut umwerfenden Naturlandschaft. Zumal im Herbst hier alles in einem leuchtenden orange erstrahlt und die Gemüter unweigerlich aufhellt.

 

Sechs Tage werden wir in diesem Naturparadies unterwegs sein. Wir sind 6 Freunde, die mit unserem slowakischen Guide Samuel von Adventure Slovakia die Hohe Tatra durchschreiten wollen.

Ich und 6 Männer: Vor- oder Nachteil? Wir werden sehn was die Tage so bringen ;-)

 

Es kann los geh'n

Freudig geht es im Örtchen Ziar los.
Freudig geht es im Örtchen Ziar los.

Unseren Guide Samuel trafen wir bereits am Vorabend in unserer Pension. Er machte einen sehr netten Eindruck und sprach super deutsch. Wir freuten uns alle mega auf den nächsten Tag und konnten es kaum erwarten, bis es endlich los ging mit unserem Trekking durch die Hohe Tatra.

 

Pünktlich um 9 Uhr hatten wir unsere Rucksäcke auf und hatten nach dem üppigen Frühstück gefühlt bereits einige Kilo mehr auf den Rippen, vom Abendessen am Vorabend ganz zu schweigen ;-)

Mit seinen nur ca. 2.000 Einwohnern wirkte das Örtchen Zdiar am Sonntag Morgen ein wenig verschlafen. Kaum vorzustellen, dass hier in der Wintersaison bis zu 10.000 Touristen täglich nächtigen. Auffällig war, dass es hier keine riesigen Hotelblocks gab, wie wir es von unseren Skigebieten oft kennen. Hoffentlich bleibt das hier vom Baustil so, dachte ich mir.

 

Spurtet euch!!!

Ein bisschen Schnee liegt dann doch noch.
Ein bisschen Schnee liegt dann doch noch.

Nachdem wir Zdiar verlassen hatten, kamen wir über eine Wiesenfläche in einen idyllischen Wald. Plätschernd ging es am Bach entlang, über kleine gepflegte Holzbrücken, bevor der Weg langsam anstieg. Samuel legte ein rasantes Tempo voraus. Ein Spaziergang wird es die nächsten Tage nicht werden, da waren wir uns alle schnell einige: der Typ ist fit.

 

Die letzten Tage hatte es in der Tatra kräftig geschneit, erzählte uns Samuel. Er war sich unsicher, ob er unsere Tour deswegen absagen musste. Wir hatten Glück und der meiste Schnee war bereits weg getaut. Kleinere Altschneefelder bestanden zwar noch hier und da, diese machten den Weg aber auch abwechslungsreich und eine kleine Schneeballschlacht ließen wir uns auch nicht entgehen. Allerdings war der Weg übelst matschig und kein Schuh und keine Wade blieb sauber.

 

Es gibt allerhand zu bestaunen

Na, könnt ihr die Gämse erkennen?
Na, könnt ihr die Gämse erkennen?

Unser heutiger Abschnitt verlief durch die "Belianske Tatra" oder auch  „Weiße Tatra“ genannt, die ihren Namen aufgrund des weißen Kalkgesteins trägt. Wunderschön hob sich der weiße Fels von der herbstlich gefärbten, orangefarbenen Wiese ab.

 

Trotz des flotten Tempos ermöglichte uns Samuel oft stehen zu bleiben und die Landschaft zu genießen. Wir entdeckten Gämse, die irgendwie etwas anders wirkten, als unsere, die wir von den Alpen kennen. Sie waren etwas größer und dicker und schauten immer neugierig in die Kamera. Von den vier Unterarten der Gämse ist die Tatra-Gams vom Aussterben bedroht. Glücklicherweise konnte, vermutlich durch geeignete Naturschutzmaßnahmen, der Bestand von ca. 250 Tieren auf über 430 in den letzten Jahren erhöht werden.

 

Naturschutz wird hier groß geschrieben

Die Wege schlängeln sich bei dieser Etappe wunderschön immer an den Bergen entlang - nicht schwierig, was sich die nächsten Tage ändern wird.
Die Wege schlängeln sich bei dieser Etappe wunderschön immer an den Bergen entlang - nicht schwierig, was sich die nächsten Tage ändern wird.

Nach ca. 3 Stunden hatten wir eine Scharte erreicht und somit fast die 1.000 Höhenmeter des heutigen Tages geschafft – puhhhh, was für ein krasses Tempo. Vielleicht ist er auch nur am ersten Tag so motiviert und wird dann langsamer, wir warten mal ab, hoffte ich insgeheim.

 

Samuel gönnte uns eine Vesperpause und erklärte uns, dass teilweise Wege wieder gesperrt werden, um die Natur zu schützen. Man möchte, dass sich diese Wege auf lange Sicht wieder erholen und zuwachsen. Viele Stellen und Gipfel sind somit nicht mehr erreichbar. Interessant, dachte ich, und in unseren Alpen werden eher immer mehr und mehr Dinge gebaut. Da könnte man sich von der Slowakei doch echt eine Scheibe abschneiden.

In der slowakischen Hohen Tatra gibt es nur vier Hütten, meinte Samuel und die meisten Gipfel sind nur über Kletterrouten erreichbar. Also alles noch sehr, sehr ursprünglich und intakt die Natur.

 

Da steppt der Bär

Im Hintergrund erkennt man die Berge der "Hohen Tatra", durch die wir ab morgen wandern werden.
Im Hintergrund erkennt man die Berge der "Hohen Tatra", durch die wir ab morgen wandern werden.

Kurz nach unserer Pause erblickten wir von einem erhobenen Felsen auf die „Hohe Tatra“.

Durch die werden wir dann morgen laufen“, sagte Samuel freudig. „Heute sind noch viele Menschen unterwegs, aber morgen werden wir alleine sein“. Ich war gespannt und freute mich auf die Einsamkeit, die wir heute eigentlich auch schon hatten. Aber so einsam waren wir wohl doch nicht.

Hier gibt es die größte Anzahl Bären in Europa, um genau zu sein an die 1.600 Stück“, so Samuel. Wow, wir waren echt erstaunt.

Keine Sorge, die fressen nur Blaubeeren, Preiselbeeren und Wurzeln. Sie sind zu 90% Vegetarier. Nur wenn ein Tier bereits getötet wurde, fressen sie auch mal Fleisch und ganz selten reißen sie eine kleine Gams, aber nur, wenn sie sonst verhungern müssten“, beruhigte uns unser Guide.

 

Nette Rast am See

Kleine Pause am See. Vom Sattel im Hintergrund führte unser Weg hinab.
Kleine Pause am See. Vom Sattel im Hintergrund führte unser Weg hinab.

Kurz nachdem wir eine Hinweistafel entdeckten, auf der erklärt wurde, dass hier früher Kupfer abgebaut wurde, machten wir uns an den Abstieg. Unten erwartete uns ein wunderschöner See, eingebettet von den Bergen. Durch duftende Latschenkiefern schlängelte sich unser Weg zu einem netten Rastplatz. Hier trafen wir dann auch mal auf andere Wanderer, die diese traumhafte Umgebung ebenso genossen wie wir. Einige Bänkchen luden zum Verweilen ein. Obwohl der Platz hier wirklich touristisch erschlossen war (es gab sogar einen großen, öffentlichen erste Hilfe Koffer unter einem Unterstand) lag hier kein Fitzelchen Müll herum - echt super.

 

Zeugen der Zeit

Mhhh, was das hier wohl für ein Raum der Hütte war? Den Fliesen nach zu urteilen, tippe ich auf Toilette.
Mhhh, was das hier wohl für ein Raum der Hütte war? Den Fliesen nach zu urteilen, tippe ich auf Toilette.

Hier am See gab es vor einigen Jahren auch eine Hütte, die allerdings abgebrannt ist. An manchen Stellen erinnern die Bodenfliesen noch an ihre Existenz.

Einige möchten diese Hütte wieder errichten, die Genehmigung fehlt allerdings derzeit aus Gründen des Naturschutzes. Die nächste Hütte, in welcher wir auch nächtigen werden, ist von hier nur 45 Minuten entfernt. Da stellt sich dann natürlich schon die Frage, ob eine zweite Hütte unbedingt her muss.

 

Herbstliches Farbenspiel

Ich liebe dieses Foto mit den warmen Herbstfarben der Natur.
Ich liebe dieses Foto mit den warmen Herbstfarben der Natur.

Wir kamen an einem weiteren kleinen See vorbei, der auf deutsch den kreativen Namen „3-Eck-See“ trägt. Ihr werdet's nicht glauben, er war dreieckig ;-)

 

Besonders gefielen mir die herbstlichen Farben, kombiniert mit den Seen und Felsen in der Landschaft. Vor allem die Bäume mit ihren roten Beeren, leuchteten hervor. Ohne die anderen Jahreszeiten hier in der Tatra zu kennen, würde ich jederzeit wieder im Herbst hierher kommen.

Unser heutiger Weg war super ausgeschildert. Die Wegweiser sind eh toll, finde ich – Imitate von Baumstämmen, die ein kleines, rotes Dach tragen. Auf dem Stamm sind dann Wege in unterschiedlichen Farben angebracht. Das System ist etwas anders, als wir es kennen. Die Farben zeigen an, ob der Weg in das Tal führt, auf einem Kamm, ob es eine Hauptroute oder ein Verbindungsweg ist.

Morgen laufen wir keine offiziellen Wege", lachte Samuel schelmig. „Wird gut“ meinte er noch mit seinem sympatischen Dialekt.

 

Das Ziel für heute ist erreicht

Im Hintergrund spiegelt sich die wunderschön gelegenen Hütte "Chata pri Zelenom plese" im See.
Im Hintergrund spiegelt sich die wunderschön gelegenen Hütte "Chata pri Zelenom plese" im See.

Um 15 Uhr erreichten wir unser heutiges Ziel, die Hütte Chata pri Zelenom plese. Auf der einen Seite eingerahmt von hohen Felswänden, liegt unter diesen ein grün-türkis-farbiger See. Eine wahnsinnig tolle Lage für eine Hütte. Die Besucherzahlen von bis zu 5.000 Tagesgästen sprechen für sich.

 

Wir gönnten uns erstmal ein Apfelstrudel, der zusätzlich mit Mohn gefüllt und ziemlich riesig ist. Dabei ließen wir unseren Blick aus den tollen Panoramafenstern direkt zum See schweifen. Zwei aus unserer Gruppe machten lieber die Augen zu, zu platt waren sie, was wohl daran lag, dass sie am Vorabend zu tief ins Bier- und Slibowitzglas geschaut hatten.

 

Feucht-fröhliche Überraschung

Also Apfelsaft ist das nicht in der Flasche :-P
Also Apfelsaft ist das nicht in der Flasche :-P

Wir saßen noch eine Weile vor der Hütte, als Samuel auf einmal weg rannte und schrie: „ich komme gleich wieder, ich habe etwas versteckt“. Aha, versteckt, häääää, dachten wir nur und hatten Fragezeigen im Kopf. Na hoffentlich kommt der wieder.

Er kam mit einem verschmitzten Lachen und einer Flasche in der Hand zurück. „Ich war vor einer Woche hier mit meiner Familie und habe eine Flasche Becherovka für uns versteckt".

 

Da lachten die Männer-Herzen, das kann ich euch sagen. Also wegen des vielen Alkohols ist es nicht mein Land, dafür aber umso mehr wegen der unglaublich schönen Landschaft, der Gastfreundschaft und dem super leckeren Essen.

 

Abendspaziergang am See

Das ist doch wirklich eine Traumlage für eine Hütte, oder?
Das ist doch wirklich eine Traumlage für eine Hütte, oder?

Nachdem die Flasche leer war, ging es noch eine kleine Runde hinunter zum See. „Es gibt eine Geschichte zu diesem See“, sagte Samuel. „Man sagt, dass auf dem Berg ein seltener, grüner Stein zu finden war. Viele versuchten hinauf zu kommen um den Stein zu holen. Einer schaffte es und hielt den Stein in seiner Hand. Doch plötzlich fiel dieser aus seiner Hand, stürzte den Berg hinunter, landete im See und färbte diesen grün."

In Wahrheit wächst in dem See allerdings eine bestimmte Algenart, die den See so wahnsinnig schön türkis färbt.

 

Wir standen vor der höchsten Felswand in den Karpaten.

1.000 Höhenmeter kann man hier kletternd erklimmen. Nicht für jeden geht dieses Abenteuer gut aus. "Viele sterben hier an dieser Wand", erklärte uns Samuel, der dabei auf ein Denkmal zeigte.

 

Fotoshooting und Essensgenuss

Da zückt jeder gerne seine Kamera, wenn ein Hund wie ein professionelles Model posiert.
Da zückt jeder gerne seine Kamera, wenn ein Hund wie ein professionelles Model posiert.

Bevor es dann wieder in die gemütliche Hütte ging, mussten wir unbedingt noch den Hüttenhund Bruno fotografieren, der hier schon eine kleine Berühmtheit darstellt. Das Internet ist voll von ihm ;-)

Gekonnt posierte er auf dem Tisch vor der Hütte für uns.

 

Mit dem Essen lassen sich die Slowaken nicht lumpen - immer sehr, sehr lecker und wirklich große Portionen gibt es. So auch an diesem Abend. Das Szegediner Gulasch mit Serviettenknödeln und einem beerigen Nachtisch war der reinste Genuss. Und auch die heiße Dusche, die es anschließend kostenlos dazu gab ;-)

 

Hier geht es zum Übersichtsartikel.

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Habt ihr auch mal Lust, in die Hohe Tatra zu gehen?

 

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