Auf Stubais höchsten Berg

Hochtour auf den Wilden Pfaff und das Zuckerhütl

Ein Traumtag im Stubai und gleich zwei Gipfel, die wir erklimmen werden. Tags zuvor waren wir auf dem "Wilden Freiger". Noch ein Stück wilder ist der "Wilde Pfaff", den wir kletternd von der Müllerhütte aus besteigen werden. Sein großer Bruder das "Zuckerhütl" steht ihm gleich gegenüber und zählt mit seinen 3.507 Metern Höhe zum höchsten Gipfel der Stubaier Alpen. Auch hier geht es überwiegend kletternd voran. 

 

Eine Tour, die es in sich hat - absolut abwechlungsreich, konditionell fordernd und als Krönung mit einer wahnsinnigen Aussicht on top.

Das kann nur gut werden

Schade, dass diese tolle Stimmung am Morgen nicht ewig anhält
Schade, dass diese tolle Stimmung am Morgen nicht ewig anhält

Von der Gaudi beim Hüttenabschluss auf der Müllerhütte hatten wir in unserem Lager nichts mit bekommen. Schade, dass wir schon so früh aus den Federn mussten, sonst hätten wir bestimmt noch ein bisschen länger mitgefeiert.

 

Da war er wieder, einer dieser fantastischen Sonnenaufgänge in den Bergen. Noch hatten uns die Sonnenstrahlen nicht erreicht, dafür musste die Sonnen noch über das Becherhaus hinauf steigen. Die Wolken färbten sich bereits in Orange- und Rottönen und ließen einen traumhaften Tag erwarten. 

Stille und Routinen

Übergang vom Gletscher zum Fuße des Wilden Pfaff
Übergang vom Gletscher zum Fuße des Wilden Pfaff

Die ersten Minuten hatten wir draußen auf dem Gletscher für uns alleine - Stille. Ich genoss diese Ruhe, atmete die klare, kühle Luft ein und begann mit den typischen Routinen, bevor es los ging: Steigeisen an, Pickel raus, Klettergurt an, Helm auf, Handschuhe an, Seil klar machen. So anstrengend und manchmal auch stressig Hochtouren sein können, so beruhigend sind gewisse Abläufe und Tätigkeiten. 

 

Wir waren nur zu Dritt unterwegs und meine beiden Bergkameraden schienen in der Früh auch nicht gerade die Gesprächigsten zu sein. Das kam mir ganz entgegen - ich mag's morgens auch immer etwas ruhiger.

Du schaffst das... oder doch nicht?

Das leuchtende Ziel klar im Blick - der Wilde Pfaff
Das leuchtende Ziel klar im Blick - der Wilde Pfaff

Unser erstes Ziel, der Wilde Pfaff, wurde bereits von der Sonne angestrahlt und leuchtete uns entgegen. Zügig kamen wir an seinen Fuß. Die Gletscherausrüstung brauchten wir erst mal eine Weile nicht mehr, dafür aber unsere Hände, Beinkraft, Kondition, Schwindelfreiheit und ich auch ein bisschen Mut.

 

Ungesichert ging es kletternd im II+ Schwierigkeitsgrad nach oben. Eigentlich nicht weiter schwierig, wäre da nicht diese extreme Ausgesetztheit und mein nicht gerade perfekt ausgestattetes Selbstbewusstsein, dass mich oft an mir zweifeln lässt.

 

Dankbarkeit

Eins meiner neuen Lieblingsbilder. Ich mag diese Wolkenstimmung total.
Eins meiner neuen Lieblingsbilder. Ich mag diese Wolkenstimmung total.

Es lief super und wir kamen gut voran. Mehr und mehr machte mir die Kletterei auch wirklich Spaß und ich konnte die traumhaft schöne Aussicht genießen. Der Blick zurück war phänomenal - die Wolkenschwaden zogen über den Gratverlauf hinweg und lösten sich dann nach und nach auf. Ein wunderschönes Naturschauspiel und ich war wieder mal dankbar, sowas tolles miterleben zu dürfen.

 

Wenige Passagen waren mit Stahlbügeln und Seilen gesichert und erleichterten das Vorankommen an schwierigeren Stellen. Größtenteils hat man aber wirklich die Hand am Fels und den Fuß auf natürlichen Felstritten, was die Sache meiner Meinung nach auch wirklich besonders macht.

Auf dem Wilden Pfaff

Auf dem Wilden Pfaff
Auf dem Wilden Pfaff

Wir hatten es geschafft und standen auf dem 3.456 Meter hohen Wilden Pfaff. Wer hat sich denn diese Zahl ausgedacht? Gerade beim schreiben fiel mir erst bewusst auf, welch nette Höhe dieser Berg hat. Ich bewundere ja immer die Menschen, welche von allen Bergen die Höhenangaben auswendig kennen. Ich gehöre definitiv nicht zu dieser Spezies. Ab sofort kann ich mir aber immerhin einen merken ;-).

 

Der Abstieg zum Pfaffensattel war nicht so spaßig wie die Kletterei nach oben. Viel loses Geröll und somit erhöhte Steinschlaggefahr lauerte. Ein Team hinter uns brach ordentlich viele Steine los, die dann lautstark zum Sattel donnerten. Zum Glück waren wir und auch andere schon außer Reichweite.

Unser nächstes Ziel im Blick

Direkt vor uns das Zuckerhütl
Direkt vor uns das Zuckerhütl

Vom Pfaffensattel war es nur noch ein Katzensprung bis zum Fuße des Zuckerhütl. So richtig passt der Name eigentlich nicht mehr, dass Hütl hatte nur noch unten rum seine weiße "Schnee-Zucker-Schicht". Wobei der Berg natürlich seinen Namen auch vom Zuckerhut in Rio de Janeiro haben könnte. Seine Form erinnert auf jeden Fall stark daran. Wisst ihr es zufällig?

 

Wir legten ein Depot mit unseren Rucksäcken, Steigeisen und Pickeln an und kletterten beschwingt ohne Gewicht auf den Schultern nach oben. Ach, gleich viel angenehmer, so leicht und luftig.

 

 

Übung macht den Meister

Nette Kletterei hinauf zum Zuckerhütl. Im Hintergrund sieht man den Wilden Pfaff
Nette Kletterei hinauf zum Zuckerhütl. Im Hintergrund sieht man den Wilden Pfaff

Die Kletterstellen des Zuckerhütl haben die Schwierigkeit II, also etwas einfacher, als der Wilde Paff. Da die Stellen nicht ganz so sehr ausgesetzt sind, wie bei seinem Bruder gegenüber, empfand ich es psychisch als weniger anspruchsvoll. Und so ganz unbekannt war mir der Berg auch nicht.

 

Vor vier Jahren stand ich schon einmal auf dessen Spitze. Damals war dies unsere zweite Hochtour ohne Fachübungsleiter des DAV. Zur damaligen Zeit sicherten wir das komplette Zuckerhütl hoch mit einem Seil ab, was natürlich extrem viel Zeit kostete. Aber so tastet man sich nach und nach an die Berge ran und wird immer sicherer und das Können steigt.

Safety first

Seilgewurstel
Seilgewurstel

Bei Kaiserwetter standen wir oben auf dem 3.507 Meter hohen Zuckerhütl. Die Zahl lässt sich dieses mal wieder nicht so toll merken, dafür aber die Tatsache, dass das Zuckerhütl der höchste Berg der Stubaier Alpen ist.

 

Eine lange Gipfelrast gab es keine, wir hatten noch einen weiten Weg vor uns. Über die gleichen Kletterstellen wie auch schon beim Aufstieg, ging es wieder hinunter. Eine etwas vereiste Stelle ließ uns stocken. Bereits die Seilschaft vor uns hatte hier ihre Probleme. Wir wollten nichts riskieren und hängten kurzerhand unser Seil in den Haken ein. Das Abseilen bot auf jeden Fall die nötige Sicherheit und wir alle fühlten uns gleich viel wohler.

Nach der Kletterei kommt der Gletscher

Unterhalb des Zuckerhütls geht es den Sulzenauferner hinab.
Unterhalb des Zuckerhütls geht es den Sulzenauferner hinab.

Ratzfatz kamen wir wieder am Fuße des Berges an, machten unsere Seilschaft klar und querten den Sulzenauferner. Die ein oder andere Spalte blieb nicht unentdeckt und so kamen wir am Pfaffenjoch ohne Spaltenstürze an.

 

Am Joch zeigte sich mir die massive Gletscherveränderung im Vergleich vor 4 Jahren. Auch der Sulzenauferner bleibt von der Klimaerwärmung nicht verschont und hat in der kurzen Zeit schon an Masse verloren, was mich etwas traurig stimmte. Wie lange werden wir das ewige Eis noch bewundern können?

 

 

Ziel in Sicht, aber es kommt nicht näher

Hier irgendwo muss der Übergang vom Gletscher in den Fels sein.
Hier irgendwo muss der Übergang vom Gletscher in den Fels sein.

Die Wegfindung vom Gletscher auf den Felspfad stellte sich etwas schwierig dar. Eine Weile hatten wir gebraucht, bis wir den Weg erkannten. Dann konnten wir's aber erstmal laufen lassen. In zügigem Tempo ging es um die Kurve. Wir erkannten die gut im Fels getarnte Hildesheimer Hütte, den Gaißkarferner und die Seilbahnstation, die unser Ziel darstellte.

 

Die Temperaturen wurden spürbar wärmer, die Sonne knallte auf uns herab und ließ mich ins schwitzen kommen. Kennt ihr solche Wege? Man läuft und läuft, hat das Ziel direkt vor der Nase, aber es will einfach nicht näher kommen? Genau so ein Weg war dieser.

Wo geht's lang?

Die Herren der Schöpfung bei der Wegfindung
Die Herren der Schöpfung bei der Wegfindung

Endlich am Gletscherbach angekommen, studierten wir die Karte. Wie es wohl weiter gehen würde? Von Kumpels wussten wir bereits, dass der Weg hinauf zur Seilbahnstation nicht wirklich erkennbar ist. In der einen Karte ist ein Weg eingezeichnet, in der anderen wieder nicht. Das erste Stück liefen wir auf einem kleinen Pfad bergan. Ob dieser von Menschen oder von den Schafen ausgetrampelt war - keine Ahnung. Einen anderen fanden wir aber nicht.

Irgendwann verlief auch dieser Weg im leeren. Wir querten mehrfach den Bach und stiegen querfeldein den Berghang hinauf. Zur Orientierung peilten wir die Pfosten der Seilbahn an.

 

Es lief ganz gut und es machte Spaß, den Weg selbst zu finden.

Schluss mit der unberührten Natur

Keine schöne Landschaft, oder?
Keine schöne Landschaft, oder?

Auf dem Gaißkarferner angekommen, war die Wegfindung kein Problem mehr, die Szenerie änderte sich schlagartig. Was bis vor kurzem noch Natur pur war, glich jetzt einer vermüllten Autobahn.

 

Auf dem blanken Gletscher, der schwarz vor Dreck war, lag überall Müll der Skifahrer  - Tablettenblister, Kopfhörer, Dosen... und das wirklich in Massen. Es scheint sich niemand zu bewegen, diesen ganzen Müll mal zu beseitigen oder noch besser, ihn überhaupt nicht entstehen zu lassen. Irgendwann schneit es ja wieder und lässt das Winterwonderland darüber entstehen. 

 

Ein zwiespältiges Thema, was in den Bergen alles gemacht werden darf und soll und was nicht

Wer erkennt das Zuckerhütl und wer die Skipiste?
Wer erkennt das Zuckerhütl und wer die Skipiste?

Wir sind selbst auch mit der Seilbahn hinunter gefahren, haben somit also ebenfalls die Betreiber unterstützt. Ist das legitim? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.

 

Einerseits finde ich es gut, dass mit Seilbahnen und angelegten Panorama-Wegen die Berge auch den Menschen zugänglich gemacht werden, die beispielsweise aufgrund einer Gehbehinderung nicht in der Lage gewesen wären, jemals auf diesem Berg zu stehen. Andererseits nehmen diese Eingriffe in die Natur immer mehr zu. Ich glaube, wichtig ist das Bewusstsein, dass all diese wunderschöne Natur vergänglich ist und wir auf sie aufpassen müssen. Gerade so unscheinbare Kleinigkeiten, können schon viel bewegen, wenn sich jeder daran hält. Müll einfach fallen lassen geht auf jeden Fall gar nicht. Es ist ok, wenn die ein oder andere Seilbahn und Skigebiete vorhanden sind, riesige Gipfelrestaurants mit Erlebnisparks müssen meiner Meinung aber nicht sein. Und es muss auch nicht sein, jedes Jahr neue Gebiete zu erschließen.

 

Irgendwann ist einfach genug - wir haben schließlich nur eine Natur.

Ihr wollt die Tour nachlaufen? Hier findet ihr den GPX-Track dazu:

Wart ihr hier in der Gegend schon mal unterwegs? Wisst ihr zufällig, woher das Zuckerhütl seinen Namen hat? 

 

Schreibt mir gerne in den Kommentaren.


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Kommentare: 2
  • #1

    Felix (Freitag, 22 Februar 2019 05:05)

    Ja du vermutest richtig...der Name kommt von der Form des Berges.

    (Und Seilchaos gibt es nur wenn man es falsch aufnimmt! ;) )

  • #2

    Myriam (Dienstag, 05 März 2019 20:37)

    Danke Felix, mit dem Seil muss ich dann wohl nochmals üben ;-). Wobei es dieses mal nicht von mir aufgenommen war, hihihi

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