Gemeinschaft über alle Grenzen hinweg

Drei unvergessliche Tage im Allgäu und den Tannheimer Bergen mit dem Integrationsprojekt "Wanderglück"

Mit dem Integrationsprojekt Wanderglück geht es in die Allgäuer Bergwelt und auf den Gipfel des Aggenstein.
Unsere bunt gemischte Gruppe vor der Bad Kissinger Hütte.

Das Integrationsprojekt Wanderglück verbindet Natur, Abenteuer und Gemeinschaft auf ganz besondere Weise. In diesem Jahr waren wir mit zwölf mutigen Teilnehmenden aus Syrien, Afghanistan, Irak, Rumänien, der Ukraine und Deutschland unterwegs und haben drei unvergessliche Tage im Allgäu und den Tannheimer Bergen erlebt.

 

Unser großes Gipfelziel war der Aggenstein, den wir gemeinsam erklommen haben – mit atemberaubenden Ausblicken, Teamgeist und vielen Momenten des Staunens. Übernachtet haben wir auf der Bad Kissinger Hütte, genossen die gemütliche Atmosphäre und stärkten uns für unsere Touren. 

 

Dieser Artikel nimmt dich mit auf unsere Reise voller Herausforderungen, Freude und Begegnungen. Auf der wir Natur erleben, Vertrauen gewinnen und Brücken zwischen Kulturen bauen konnten – ein Erlebnis, das alle Beteiligte noch lange in Erinnerung behalten werden.

Tag 1) Wandern am Grüntensee – Gemeinschaft trotz Regenwetter

Rundwanderung am Grüntensee: Teilnehmende des Integrationsprojekts Wanderglück genießen die gemeinsame Rundwanderung am malerischen Grüntensee im Allgäu, erleben Natur und Gemeinschaft trotz Regen und entdecken die Vielfalt der Landschaft
Bei der Wanderung um den Grüntensee bleiben keine Füße trocken.

Ein großer Wunsch beim diesjährigen Wanderglück-Event war es, einmal in einem klaren Bergsee zu baden und anschließend entspannt auf der grünen Wiese die Sonne zu genießen. Doch wie so oft in den Bergen kommt alles anders: Schon bei unserer Ankunft am Grüntensee im Allgäu begrüßen uns kräftige Regenschauer. Die gute Stimmung lässt sich unsere bunt gemischte Gruppe davon natürlich nicht nehmen.

 

Gemeinsam machen wir uns bestens ausgestattet mit den Funktionshosen von Maier Sports, Regenjacken und Schirmen auf den neun Kilometer langen Rundwanderweg um den Grüntensee. Der leicht zu gehende Weg ist ideal, um miteinander ins Gespräch zu kommen, neue Kontakte zu knüpfen und in entspannter Atmosphäre die Natur zu genießen. Besonders schön: Dieses Mal sind einige neue Teilnehmende dabei, die wir herzlich willkommen heißen dürfen.

 

Gemütliche Einkehr in einer Hütte am Grüntensee

Rundwanderung am Grüntensee: Teilnehmende des Integrationsprojekts Wanderglück genießen die gemeinsame Rundwanderung am malerischen Grüntensee im Allgäu, erleben Natur und Gemeinschaft trotz Regen und entdecken die Vielfalt der Landschaft
Gemütliche Kaffee und Kuchen Pause in einer netten Almhütte am Grüntensee.

Für viele Teilnehmende ist die kleine Auszeit im Allgäu eine willkommene Abwechslung, denn die meisten sind mittlerweile fest in ihre oft stressige Arbeit eingespannt. Die Berufe sind vom Rettungssanitäter bis zum Friseur, Koch, Rezeptionist in einem Hotel und so weiter breit gefächert. Umso größer ist die Vorfreude auf drei entspannte Tage in den Bergen und am idyllischen Grüntensee.

 

Fast am Ende unserer Wanderrunde entdecken wir eine urige Blockhütte, die wie geschaffen für eine Pause ist.

Wie wäre es mit einem Kaffee?“, schlägt einer der Teilnehmenden vor – sofort war die Begeisterung groß. In der gemütlichen Hütte, liebevoll dekoriert und mit warmem Flair, machen wir es uns bequem. Bei Kaffee und Kuchen wärmen wir uns auf, tanken neue Energie und genießen gemeinsam die besondere Atmosphäre.

 

Zelten am Campingplatz Waldesruh oder doch lieber im Trockenen?

Rundwanderung am Grüntensee: Teilnehmende des Integrationsprojekts Wanderglück genießen die gemeinsame Rundwanderung am malerischen Grüntensee im Allgäu, erleben Natur und Gemeinschaft trotz Regen und entdecken die Vielfalt der Landschaft
Gemeinsamer Zeltaufbau im strömenden Regen

Nach unserer Wanderung machen wir uns auf den Weg zum Campingplatz Waldesruh, der nicht weit vom Grüntensee entfernt liegt. Schon lange bestand der großer Wunsch, einmal mit allen zu zelten. Doch der anhaltende Regen und die ungewohnte Kälte lassen uns nun doch etwas zögern draußen zu übernachten. Zum Glück zeigt sich der Campingplatzbesitzer sehr herzlich. Er erlaubt uns, nicht nur tagsüber den Aufenthaltsraum zu nutzen, sondern abends auch unsere Schlafsäcke dort auszurollen.

 

Bevor es soweit ist, verbringen wir den Nachmittag mit einem fröhlichen Kennenlernspiel, bei dem wir unter anderem erfahren, was jeder so im Kühlschrank hat und welche Superkraft man sich wünschen würde. Diese spielerische Runde sorgt für viele Lacher und hilft, die Gemeinschaft noch enger zusammenzubringen.

 

Pizza, Spiele und ein Hauch von Klassenzimmer-Gefühl

Rundwanderung am Grüntensee: Teilnehmende des Integrationsprojekts Wanderglück genießen die gemeinsame Rundwanderung am malerischen Grüntensee im Allgäu, erleben Natur und Gemeinschaft trotz Regen und entdecken die Vielfalt der Landschaft
Im Aufenthaltsraum des Campingplatzes dürfen wir unser Nachtlager aufschlagen.

Am späten Nachmittag spazieren wir gemeinsam in den Nachbarort, wo wir uns Pizza und Burger schmecken lassen. Unterwegs wird sich noch kurz in das Fußballspiel der Dorfjugend eingeklinkt, die bei strömendem Regen auf der Straße kicken.

 

Zurück am Campingplatz entscheiden sich ein paar besonders Abgehärtete, trotz des Regens ihre neuen Zelte auszuprobieren. So entstehen draußen auf der Wiese zwei kleine Zeltlager, während der Rest von uns seine Schlafsäcke im Aufenthaltsraum ausrollt. Die Situation erinnert mich fast ein wenig an frühere Zeiten, als man mit der Schulklasse im Klassenzimmer übernachtete – gemütlich, abenteuerlich und voller Gemeinschaftsgefühl.

 

Bevor wir schlafen gehen, spielen wir noch eine Runde "Activity". Beim Pantomime spielen, Erklären und Zeichnen lachen wir so herzlich, das uns richtig warm ums Herz wird.

 

Nach der Fotogalerie geht's weiter mit Tag 2...

Fotogalerie Tag 1:

Tag 2) Das Bergabenteuer kann beginnen

Wanderung des Integrationsprojekts Wanderglück zur Bad Kissinger Hütte und auf den Aggenstein in den Tannheimer Bergen.
Wir sind bereit - Aggenstein wir kommen :-)

Am nächsten Morgen geht es mit Fahrgemeinschaften zum Wanderparkplatz in Lumberg. Von dort aus eröffnet sich uns ein majestätischer Blick auf den markanten Aggenstein, der mit seinen 1.986 Metern Höhe ein Wahrzeichen der Tannheimer Berge ist. Auch die Bad Kissinger Hütte, hoch am Südwesthang gelegen, können wir bereits von hier unten als kleinen Punkt erkennen.

 

Mit einer Mischung aus Vorfreude und Respekt blicken alle nach oben. „Da gehen wir wirklich hoch?“, fragte Scherko, der bereits zum dritten Mal mit dabei ist. Ich lächle und antworte: „Klar, gemeinsam schaffen wir das! Wir haben den ganzen Tag Zeit – und fit seid ihr allemal.“ Scherko lacht und meint scherzhaft, dass er etwas abgebaut hätte.

 

Also schultern wir unsere Rucksäcke und starten auf den gut ausgeschilderten Wanderweg. Von Lumberg bis zur Bad Kissinger Hütte sind es rund 4,3 Kilometer mit etwa 640 Höhenmetern im Aufstieg. Für diese Etappe rechnen wir mit 2,5 bis 3 Stunden Gehzeit – eine sportliche, aber gut machbare Herausforderung, die uns Stück für Stück näher an den Gipfel des Aggenstein bringt.

 

Aufstieg durch den Wald – mystische Stimmung in den Tannheimer Bergen

Wanderung des Integrationsprojekts Wanderglück zur Bad Kissinger Hütte und auf den Aggenstein in den Tannheimer Bergen.
Der schmale Pfad zieht sich stetig den Berg hinauf.

Auch an diesem Tag sagt der Wetterbericht nichts Gutes voraus, doch wir haben Glück: Während unseres gesamten Aufstiegs bleibt es trocken. Der Wanderweg führt stetig bergauf. Je höher wir kommen, desto besser können wir die umliegende Bergwelt bewundern. Dichte Nebelschwaden ziehen geheimnisvoll durch Täler und über die Berge. Wir lieben diese mystische Atmosphäre, die diese Naturkulisse ausstrahlt.

 

Die Stimmung in unserer Wanderglück-Gruppe ist durchweg fröhlich. Wir lachen viel, motivieren uns gegenseitig und helfen einander Schritt für Schritt die steilen Abschnitte zu meistern. Immer wieder legen wir kleine Pausen auf den Holztreppen am Wanderweg ein, um neue Energie zu tanken, die Aussicht zu genießen und einfach den Moment in der Natur zu spüren.

 

Ankunft an der Scharte mit Blick auf den Aggenstein

Wanderung des Integrationsprojekts Wanderglück zur Bad Kissinger Hütte und auf den Aggenstein in den Tannheimer Bergen.
Endspurt zur Bad Kissinger Hütte - weit ist es nicht mehr.

Oben an der Scharte angekommen, eröffnet sich uns zum ersten Mal der Blick auf die andere Seite der Tannheimer Berge. Direkt vor uns ragt die imposante Felswand des Aggenstein empor, die von hier zum Greifen nah scheint. Unser erstes Tourenziel, die Bad Kissinger Hütte, bleibt jedoch lange Zeit unsichtbar. Nur eine Fahne die im Wind weht, verrät uns schließlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ich deute darauf und sage den Teilnehmenden mit einem Lächeln: „Wir sind gleich da.“ Sichtlich erleichtert schöpfen alle neue Kraft.

 

Das ist übrigens der Berg, auf den wir nachher noch hinaufsteigen“, füge ich hinzu. Ungläubige Blicke treffen mich, und augenzwinkernd meint jemand: „Auf den DU nachher hinaufsteigst, meinst du wohl!“ Doch ich bekräftige: „Nein, natürlich gehen wir alle gemeinsam hoch.“ Mit dieser Motivation mobilisieren wir noch einmal unsere letzten Energiereserven. Die letzten Meter bis zur Bad Kissinger Hütte legen wir voller Elan zurück und jeder freute sich auf die wohlverdiente Pause in der gemütlichen Berghütte.

 

Pause auf der Bad Kissinger Hütte und Vorbereitung für den Gipfelsturm

Wanderung des Integrationsprojekts Wanderglück zur Bad Kissinger Hütte und auf den Aggenstein in den Tannheimer Bergen.
Im Regen geht es hinauf zum Aggenstein Gipfel.

Erleichtert erreichen wir die Bad Kissinger Hütte. Blöderweise dürfen wir erst in ein paar Stunden unser Lager beziehen. Zu gerne hätten einige von uns ein kleines Nickerchen gemacht.

So wird der Trockenraum kurzerhand zum Chill-Raum umfunktioniert. Hier ist es immerhin warm und trocken. Das mitgebrachte Vesper wird ausgepackt und manche legen sich wirklich für ein kleines Schläfchen auf den Boden.

Andere nutzen den Gastraum der Hütte, um eine Runde "Jenga" zu spielen und sich so die Regen-Zeit zu vertreiben.

 

Nachdem der Starkregen größtenteils vorübergezogen ist, rüsten wir uns für den Gipfelsturm auf den Aggenstein. Mit leichtem Gepäck starten wir die letzten Meter zum Gipfel - voller Vorfreude und Spannung.

 

Aufstieg zum Gipfel des Aggensteins – schmale Pfade und atemberaubende Aussichten

Wanderung des Integrationsprojekts Wanderglück zur Bad Kissinger Hütte und auf den Aggenstein in den Tannheimer Bergen.
Kurz stehen bleiben und die Aussicht genießen.

Von der Bad Kissinger Hütte dauert es noch etwa 45 Minuten, um die letzten knapp 200 Höhenmeter bis zum Gipfel des Aggensteins zu überwinden. Der schmale Wanderpfad verläuft anfangs gut begehbar entlang des Hangs. Durch den vielen Regen ist der Weg jedoch ordentlich rutschig - Vorsicht ist geboten.

 

Immer wieder ergeben sich kleine Lücken im Nebel die wir nutzen, um die Aussicht zu genießen. "Bow, das Tal ist mittlerweile ganz schön weit unter uns", staunt einer. Die Ruhe, die frische Luft und die umliegende Natur der Tannheimer Berge wirken wohltuend und motivierend zugleich. Mittlerweile will doch jeder oben am Gipfel ankommen.

 

Stahlseilpassage am oberen Teil des Aggensteins – Nervenkitzel und Abenteuer

Wanderung des Integrationsprojekts Wanderglück zur Bad Kissinger Hütte und auf den Aggenstein in den Tannheimer Bergen.
Die Stahlseilpassage am oberen Teil des Gipfels schaffen alle sehr konzentriert.

Im oberen Bereich des Aggensteins erwartet uns eine längere, stahlseilversicherte Passage mittleren Schwierigkeitsgrades. Gemeinsam gehen wir Schritt für Schritt hinauf. Die Konzentration ist spürbar: Das Lachen, das bisher durch die Gruppe strömte, verstummt, und alle sind diszipliniert bei der Sache. Jeder Fuß, jeder Griff wird bedacht gesetzt, um sicher voranzukommen.

 

Unser jüngster Teilnehmer, gerade 19 Jahre alt, äußert Bedenken, wie er diese Passage wieder hinunterkommen soll. Wir sprechen ihm Mut zu, beruhigen ihn und versichern, dass die Gruppe auch den Abstieg gemeinsam meistern wird. Dieses anspruchsvolle Stück ist ein echter Test für Konzentration, Teamgeist und Vertrauen. Schritt für Schritt wächst das Selbstvertrauen aller und die Passage wird zu einem unvergesslichen Erlebnis, das die Gruppe noch enger zusammenschweißt.

 

Gipfel des Aggensteins – ein besonderer Moment

Wanderung des Integrationsprojekts Wanderglück zur Bad Kissinger Hütte und auf den Aggenstein in den Tannheimer Bergen.
Gipfelglück auf 1.985 Metern Höhe - wir haben den Aggenstein erreicht.

Endlich erreichen wir den Gipfel des Aggensteins. Eine dichte Nebelsuppe hüllt uns in Weiß. Für einen kurzen Augenblick – kaum länger als eine Minute – klart der Nebel auf und wir genießen eine atemberaubende Aussicht über die umliegenden Tannheimer Berge. 

Scherko entdeckt das Gipfelbuch und schreibt voller Begeisterung über sein heutiges Erlebnis. Wir tragen uns alle ein und sind stolz auf unseren gemeinsamen Erfolg.

 

Anschließend zelebrieren wir unser Wanderglück-Gipfel-Ritual: Statt eines klassischen Gipfelschnapses stoßen wir mit Colafläschchen an – ein kleiner, feierlicher Moment. Für viele Teilnehmende ist dies der erste Berggipfel, den sie in ihrer neuen Heimat erklommen haben. Das Strahlen in ihren Augen, die stolze Freude und das gemeinsame Lachen machen diesen Augenblick zu einem ganz besonderen Erlebnis – ein Moment, der tief im Herzen bleibt und die Gemeinschaft der Gruppe noch stärker verbindet.

 

Abstieg vom Gipfel und gemeinsames Abendprogramm

Wanderung des Integrationsprojekts Wanderglück zur Bad Kissinger Hütte und auf den Aggenstein in den Tannheimer Bergen.
Alle kommen wieder gut unten an und sind happy, es geschafft zu haben.

Unser Abstieg vom Aggenstein verläuft auf dem gleichen Weg wie der Aufstieg. Die zuvor herausfordernde, stahlseilversicherte Passage meistern alle souverän – ein Moment der Stolz und Erleichterung auslöst. Unten angekommen, strahlen die Gesichter der Teilnehmenden: Die Gruppe hat gemeinsam das Abenteuer sicher bewältigt.

Zum krönenden Abschluss unseres Tages gesellt sich noch eine Herde Gämsen zu uns. Aus sicherer Entfernung beobachten wir die Tiere mit dem Fernglas und genießen die ruhige Natur.

 

Ich nehme mir einen Moment, um zu betonen, wie wertvoll solche gemeinsamen Erlebnisse sind: Wenn man etwas zusammen schafft, wächst nicht nur das Vertrauen in sich selbst, sondern auch das Vertrauen in andere – ein Erlebnis, das ganz unmittelbar ein Teil von Integration durch gemeinsame Bergerlebnisse ist.

 

Den Abend lassen wir schließlich in der Bad Kissinger Hütte ausklingen. Bei leckeren Kässpätzle und einigen Spielen auf der Hütte wird gelacht, erzählt und noch einmal die gemeinsame Leistung gefeiert. Ein Tag voller Abenteuer, Herausforderungen und schöner Momente findet so einen gemütlichen, unvergesslichen Abschluss.

 

Nach der Fotogalerie geht's weiter mit Tag 3.....

 

Fotogalerie Tag 2:

Tag 3) Über den Gräner Höhenweg zum Haldensee

Integrationsprojekt Wanderglück auf dem Gräner Höhenweg zum Füssener Jöchel und weiter hinab zum Haldensee.
Erinnerungen die bleiben - unser Integrationsprojekt "Wanderglück" vor der Bad Kissinger Hütte.

Unser dritter und letzter Tag beginnt mit frischer Energie und Vorfreude auf eine weitere schöne Wanderung in den Tannheimer Bergen. Heute möchten wir nicht denselben Weg wie beim Aufstieg zurücknehmen, sondern über den Gräner Höhenweg zum Füssener Jöchel und hinab zum Haldensee absteigen. Auf dieser rund 8,3 Kilometer langen Strecke stehen nochmals etwa 300 Höhenmeter Anstieg und fast 1.000 Höhenmeter Abstieg bevor – eine anspruchsvolle, aber landschaftlich besonders reizvolle Tour, für die wir insgesamt etwas über vier Stunden einplanen.

 

Nach einer ruhigen Nacht und einem üppigen Frühstück starten wir gut gestärkt von der Bad Kissinger Hütte. Das Wetter zeigt sich heute anfangs von einer besseren Seite. Bevor es losgeht, legen wir noch eine ausgiebige Fotopause vor der Hütte ein, um die spektakuläre Aussicht zu genießen und den besonderen Moment festzuhalten.

 

Die Bergwelt der Tannheimer Berger gleicht der Bergwelt in Afghanistan

Integrationsprojekt Wanderglück auf dem Gräner Höhenweg zum Füssener Jöchel und weiter hinab zum Haldensee.
Freidun ist schon seit über 7 Jahre fester Teilnehmer des Integrationsprojekts.

Die Route über den Gräner Höhenweg ist wirklich wunderschön zu gehen. Ein schmaler Pfad schlängelt sich anfangs durch ein kleines Wäldchen. Immer wieder gibt es kurze, felsdurchsetzte Passagen. Nichts Schwieriges, aber sehr abwechslungsreich, sodass wir die Vielfalt der Tannheimer Berglandschaft in vollen Zügen genießen können.

 

Schließlich erreichen wir eine große, grüne Wiese, von der aus sich die umliegenden Berge eindrucksvoll präsentieren. Freidun kommt ins Träumen: „Ich vermisse meine Heimat Afghanistan sehr“, sagt er und lässt seinen Blick über die Landschaft schweifen. Tatsächlich erinnert ihn die Natur hier sehr an seine Heimat. „Früher bin ich oft mit meinem Vater wandern gegangen“, erzählt er weiter.Damals habe ich es nicht gerne gemacht. Heute bereue ich ein bisschen, dass ich es nicht mehr wertgeschätzt habe.“ Dieser Moment zeigt eindrucksvoll, wie Wandern und Naturerlebnisse nicht nur neue Perspektiven eröffnen, sondern auch Erinnerungen wecken und emotionale Verbindungen schaffen.

 

Idylle an der Sebenalpe – Begegnung mit der Bergwelt

Integrationsprojekt Wanderglück auf dem Gräner Höhenweg zum Füssener Jöchel und weiter hinab zum Haldensee.
Bergidylle pur - die urige Sebenalpe.

Wir kommen auf der kleinen Sebenalpe vorbei. Um die urige Hütte versammeln sich zahlreiche junge Kälber - die Szenerie wirkt wie aus einem Bilderbuch. Die Gruppe ist sichtlich begeistert. Wir sprechen mit dem Mann, der aus der Hütte kommt und erfahren, dass die Kälber tatsächlich erst ein Jahr alt sind.

 

Für viele Teilnehmende verkörpert diese kleine Almhütte in den Bergen den Traum vom Leben inmitten der Natur. Die idyllische Landschaft, die Ruhe und das einfache Leben scheinen wie geschaffen für manche zu sein. Andere wiederum empfinden es als zu einsam und können sich nicht vorstellen auf Dauer hier zu wohnen. 

 

Aufstieg zum Füssener Jöchle – Motivation trotz Regen und matschigem Untergrund

Integrationsprojekt Wanderglück auf dem Gräner Höhenweg zum Füssener Jöchel und weiter hinab zum Haldensee.
Fasziniert schauen wir auf den Gipfel der Roten Flüh, auf dem wir vor 2 Jahren standen (rechts im Bild).

Doch dann wird es noch einmal richtig steil: Wir müssen einige Höhenmeter bergauf in Richtung Füssener Jöchle überwinden. Der Regen setzt erneut ein und auf dem matschigen Untergrund geht es nur mühsam voran. „Ich habe gedacht, wir laufen bergrunter!“, lacht ein Teilnehmer. Den Humor haben sie alle nicht verloren - trotz den widrigen Wetterbedingungen.

 

Zur Motivation erklingen syrische Lieder aus dem Handy. Etwas außer Puste erreichen wir schließlich das Füssener Jöchle. Hier gibt's erstmal eine Vesperpause mit Ananas aus der Dose. Ja, das hast du richtig gelesen ;-). Ich kann euch sagen, die Jungs haben einen ganzen Kaufladen mit Essen in ihrem Rucksack.

Von hier oben eröffnet sich uns ein beeindruckender Blick auf die andere Bergseite. Besonders spannend ist der Ausblick auf den Gipfel der Roten Flüh, auf dem wir vor zwei Jahren bereits mit dem Projekt unterwegs waren (hier geht's zum Artikel). Die Aussicht entschädigt für jede Mühe und lässt die Gruppe stolz und glücklich die gemeinsame Leistung genießen.

 

Kurzer Abstecher auf den Gamskopf

Integrationsprojekt Wanderglück auf dem Gräner Höhenweg zum Füssener Jöchel und weiter hinab zum Haldensee.
Unerwartet einen zweiten Gipfel geschafft - der Gamskopf.

Von nun an geht es endlich nur noch bergab. Wobei nein, wir nehmen spontan noch einen weiteren Gipfel mit, der sich direkt am Wegesrand befindet. In nur wenigen Schritten stehen wir auf dem 1.890 Meter hohen Gamskopf.

 

Es ist ein schöner Moment, den Gipfel nochmals mit allen gemeinsam zu teilen. Wir stehen zusammen, bewundern die Aussicht und erleben noch einmal die Freude und Verbundenheit, die solche gemeinsamen Natur- und Bergerlebnisse mit sich bringen.

 

Die Seilbahnstation Füssener Jöchel ist nicht mehr weit von uns entfernt. Doch wer gedacht hat, das wir mit dieser runter fahren, der hat sich geirrt. Wir laufen natürlich ;-).

 

Ankunft am Haldensee

Integrationsprojekt Wanderglück auf dem Gräner Höhenweg zum Füssener Jöchel und weiter hinab zum Haldensee.
Abschlussbad im Haldensee - leider ohne Sonnenschein, dafür mit viel Geschrei ;-)

Der Abstieg von der Seilbahnstation hinunter zum Haldensee zieht sich dann doch länger als gedacht. Viele Teilnehmende spüren mittlerweile Knieschmerzen oder Fußprobleme, denn der steile Weg durch den Wald ist anspruchsvoll. Besonders auf den kleinen, rutschigen Holzbrücken ist Vorsicht geboten. Schließlich erreichen wir überglücklich und pitschnass (von innen uns außen) den Haldensee.

 

Trotz der bitterkalten Temperaturen wollen wir uns das Abschlussbad im Haldensee nicht nehmen lassen. Einige wenige wagen sich mutig in die eiskalten Fluten – ein Moment voller Freude, Erleichterung und Gemeinschaft.

 

 

Erinnerungen die bleiben und verbinden

Integrationsprojekt Wanderglück auf dem Gräner Höhenweg zum Füssener Jöchel und weiter hinab zum Haldensee.
Danke für die tollen Tage mit euch. Eure ansteckende Lebensfreude, euren Mut, euer Vertrauen und euren Teamspirit.

Drei intensive Tage voller Abenteuer, Herausforderungen und gemeinsamer Erlebnisse liegen nun hinter uns. Das Integrationsprojekt "Wanderglück" hat erneut gezeigt, wie wichtig es ist, Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft zu leben, Brücken zwischen Kulturen zu bauen und dabei jede Menge zu lachen. Die Wanderung in den Tannheimer Bergen hat unvergessliche Momente geschaffen: Wir haben Vertrauen in uns selbst und in andere gestärkt, Naturerlebnisse geteilt und eine Gruppe von Menschen noch enger zusammengebracht. 

 

Ein besonderer Dank gilt der Stadt Steinheim und der Firma Maier Sports, die erneut die Finanzierung dieser drei erlebnisreichen Tage übernommen haben. Ein extra Dank geht an Maier Sports, die uns wieder mit hochwertigen Wanderfunktionshosen und T-Shirts ausgestattet haben, in denen wir uns beim Wandern rundum wohl und bestens vorbereitet gefühlt haben. Ohne diese Unterstützung wäre das Wanderglück-Event in dieser Form nicht möglich gewesen – danke, dass ihr diese unvergesslichen Momente möglich macht!

 

 

Fotogalerie Tag 3:

GPX-Tracks zum nachwandern der einzelnen Etappen:

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