Lykischer Weg Etappe 2: von Faralya nach Alinca

Aus der Bucht gerettet, um im Sturm zu landen

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Auf dem Lykischen Weg sind wir oft an den Felsen oberhalb des Mittelmeeres unterwegs.

Die Zelttüre am Morgen zu öffnen und direkt auf das Meer zu blicken, ist schon etwas ganz besonders Schönes, das wir bereits am zweiten Tag unserer Trekking-Reise in der Türkei erleben dürfen. Doch wie kommen wir von dieser traumhaften Bucht wieder zurück auf unseren Wanderweg? Keiner will uns die steilen Felsen hinauf klettern lassen, was eine kleinere Rettungsaktion nach sich zieht.

 

Die Uhr schlägt 12 und Annika und ich sind back on track. Unsere 2. Etappe zum kleinen Dorf Alinca kann beginnen. Auf fantastischen Bergpfaden schlängelt sich unser Weg durch Pinienwälder und offenes, felsiges Gelände. Obwohl wir uns im hügeligen Hinterland befinden, haben wir das strahlend blaue Meer oft vor Augen. Zahlreiche Aussichtsplätze laden zum Verweilen und Genießen ein, bevor am Ende der steile Anstieg nach Alinca folgt. 

 

Nach über 1.200 Höhenmetern Aufstieg, bei hitzigen Temperaturen, sind wir am Abend ordentlich platt. Doch ein Orkan kümmert es nicht, wie wir uns fühlen und beraubt uns einer ruhigen Nacht.

Eine Nacht im 1.001 Sterne Hotel

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Schlafplatz im Paradies - ich kann mir keinen schöneren Ort vorstellen.

Wir hatten eine wunderbare, erste Nacht in unserem Zelt, direkt am Meer der Schmetterlingsbucht. Die Wellen rauschten angenehm und ließen uns nach der Horror-Kletter-Aktion des vergangenen Tages seelenruhig schlafen. Auch die Temperatur in der Nacht Anfang April war anders als erwartet recht warm. Die Campingplatzbesitzer waren am Abend noch sehr besorgt um unser Wohl und statteten uns zusätzlich mit warmen Decken aus, die wir dann gar nicht benötigten.

 

Es ist schon wirklich ein ganz besonderer Moment, das Zelt zu öffnen und direkt ins türkisblaue Meer zu schauen, das nur wenige Schritte von uns entfernt lag - da waren Annika und ich uns sofort einig. Irgendwie wollten wir diesen traumhaften Ort überhaupt nicht verlassen, doch wir mussten weiter.

 

Wie kommen wir hier wieder weg?

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Wir sitzen fest im Paradies der Schmetterlingsbucht.

Bereits vor dem Frühstück passte uns ein Türke ab: "wir können euch unmöglich zurück klettern lassen", sagte er in besorgtem Tonfall auf englisch zu uns. Ehrlich gesagt war mir beim Gedanken daran, den Weg den wir gestern hinab geklettert sind heute wieder hoch klettern zu müssen, überhaupt nicht wohl.

Im 1. Etappenbericht kannst du dir ein genaues Bild davon machen, wie gefährlich der Weg hinab zur Bucht war. Um hier her zu kommen, gibt es leider nur diesen einen Weg, der im Nachhinein nicht empfehlenswert ist.

 

Er ließ nicht locker: "wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir euch helfen können", sagte er weiter. "Ihr könnt eine weitere Nacht hier bleiben und wir gewähren euch einen Rabatt. Morgen oder Übermorgen kommt unser Versorgungsboot, das euch mit nach Ölüdeniz nehmen kann."

 

Wir kommen uns ein bisschen vor wie auf einem türkischen Basar

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Die Schmetterlingsbucht ist umgeben von steilen Felswänden. Entweder klettern oder Boot fahren - anders kommt man hier nicht her.

Blöderweise hatten wir für das Trekking keine Puffertage eingeplant. Wenn wir also die geplanten 8 Etappen laufen wollten, mussten wir heute auch definitiv weg. Das versuchten wir ihm verständlich zu machen, was aufgrund des teilweise brüchigen englisch gar nicht so einfach war. Er quatschte mit ein paar anderen Türken und kam dann mit einem neuen Vorschlag zu uns.

 

"Wir können ein Boot besorgen. Das kostet dann 1.600 Lira (umgerechnet ca. 94€) pro Person", bot er uns an. Ok, das war uns wirklich zu teuer und wir überlegten ernsthaft, das Klettern doch noch in Angriff zu nehmen. Er spürte unsere Unsicherheit und schwupps war ein neues Angebot unterbreitet - 1.500 Lira insgesamt. Wir beratschlagten uns weiter und waren sichtlich hin und her gerissen.

 

Die Rettungsaktion kann eingeleitet werden

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Wir hatten Glück, den Campingplatz im Schmetterlingstal ganz für uns alleine zu haben. In der Hochsaison ist hier die Hölle los.

Ein weiterer Türke kam: "was kann ich euch gutes tun?", wollte er wissen. Wow, was für eine Frage, dachte ich mir, die ich in Deutschland so aufrichtig bisher selten gestellt bekam. Anfangs dachten wir noch, wir sind auf einem türkischen Basar und jeder will uns irgendwie abzocken. Doch dann wurde uns klar: nein, sie wollen uns wirklich helfen und sind um unser Wohl sehr bemüht. Wir fühlten uns beide schlecht, so vorurteilsvoll gedacht zu haben. Eigentlich unterhielten Annika und ich mich gar nicht mehr über den Preis, sondern um unsere anfängliche Denkweise. Der Türkei fasste das wohl irgendwie anders auf und unterbreitete uns ein neues Angebot. "1.000 Lira (ca. 50€) insgesamt". Er schaute uns fragend, mit seinen großen, braunen Augen an. "Das Boot kann in ungefähr einer Stunde hier sein", setzte er noch nach.

 

"Wir sollten das machen", sagte ich zu Annika. "Die haben wirklich Angst, wenn wir da hoch klettern und das wird sicherlich seine Gründe haben". Annika nickte und wir waren uns einige. Was sind schon 50€ für die Gewissheit, sicher auf unsere 2. Etappe starten zu können.

 

Zwei Wandermädels sagen "Ahoi"

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Wir haben es ins Boot geschafft und verlassen die Schmetterlingsbucht auf dem sicheren Wasserweg.

Nach 1,5 Stunden kam dann unser privates "Rettungs"-Boot. Ein Kapitän und zwei Besatzungsmitglieder nur für uns. Etwas peinlich war mir die Sache ja schon irgendwie. Die Anderen schien es nicht zu stören, im Gegenteil - alle waren glücklich uns geholfen zu haben.

 

Wir bedankten uns bei der tollen Crew des Campingplatzes, schnappten unsere Rucksäcke, zogen unsere Schuhe aus und tappten ins kühle Wasser vor dem Boot. Über die Leiter ging es nach oben, unsere Plätze konnten wir uns aussuchen, denn Platz war genügend da. "In der Hochsaison sind hier alle Plätze komplett belegt", sagte der Kapitän in sehr gutem deutsch. Er lebte viele Jahre in Saarbrücken, wie er uns später erzählte. Das war praktisch, denn so erfuhren wir während der Fahrt zurück nach Ölüdeniz einiges über die Region hier.

 

Unfassbar, wie schnell sich das Blatt wenden kann

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Die Bootsfahrt war wunderschön, doch sie wurde leider von einer traurigen Geschichte überschattet.

"Es war richtig, den Weg den ihr gestern gekommen seid nicht zurück zu klettern", bekräftigte er unsere Entscheidung. "Vor drei Wochen ist hier ein junger, deutscher Mann tödlich verunglückt", erzählte uns der Kapitän. Oh man, wir waren zutiefst erschüttert. Wie sich herausstellte kletterte auch er die steile Felswand hinab und wurde nicht wieder gefunden. Seine Eltern reisten in der Türkei und machten sich auf die Suche nach ihm. Anhand der letzten Handyfotos konnten sie lokalisieren, dass er auf dem Weg zur Schmetterlingsbucht war. Da man unten im Campingplatz seinen Personalausweis vorzeigen muss, konnte festgestellt werden, dass er dort nie ankam. Eine Suchaktion an der Felswand fand also statt, bis er gefunden wurde. Eine sehr traurige Geschichte, die uns während der Bootsfahrt und auch danach weiter beschäftigte. 

 

Wir hatten sooooo viel Glück, dass uns beim Abstieg nichts passiert ist und dafür waren wir unglaublich dankbar.

 

Geglückte Rettungsaktion

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Ich bin wirklich happy über unsere getroffenen Entscheidung.

Am menschenleeren Strand von Ölüdeniz endete unsere Bootsfahrt. Wer hätte das gedacht, dass wir nicht nur zum Trekking hier sind ;-)

Für ein Bad im Meer fehlte uns leider die Zeit, denn es war bereits kurz vor 12 Uhr und wir mussten noch unsere komplette 2. Etappe zu Fuß zurücklegen.

 

Am Busbahnhof mussten wir nicht lange warten und bald kam der Bus, der uns zurück nach Faralya brachte. Nicht einmal einen Cent hatten wir für die Busfahrt bezahlt, irgendwie wollte keiner Geld von uns sehen. Der Tag schien heute gut zu laufen, stellten Annika und ich fröhlich fest.

Offizieller Start der 2. Etappe des Lykischen Wegs in Faralya

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Die Rucksäcke sind gepackt, jetzt kann es los gehen.

Nach der kurzweiligen Busfahrt waren wir zügig am Ausgangspunkt unserer heutigen Etappe - also im Grunde genau oberhalb der Schmetterlingsbucht, zu der wir gestern abgestiegen sind, angekommen. Endlich konnte es los geh'n.

 

Der Einstiegsweg zur 2. Etappe war durch Bagger etwas umgegraben. Wir hatten eine Weile gebraucht, den Track zu finden. Selbst mit der GPS-Navigation war es schwierig den Startpunkt zu finden. Sobald wir aber einmal auf der Route waren, war der Lykische Weg super markiert und wir fanden uns sehr gut zurecht. Tatsächlich stellte oft der Anfang und das Ende der Etappen die größte Herausforderung dar, wie wir auch Tage später immer wieder zu spüren bekamen. Hier kam man in bewohnte Gebiete, in denen oft zahlreiche Baustellen den Weg zerstörten und wir uns oftmals verliefen.

 

Trekking in der Türkei - absolut empfehlenswert

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Gut gelaunt wandern wir auf der 2. Etappe des Lykischen Weg nach Alinca.

Das erste Teilstück des Weges führt nach Kabak. Wir waren echt froh, die ersten 450 Höhenmeter im schattigen Kiefernwald zurückzulegen. Die Sonne brannte heute extrem und das im April. Im Sommer ist der Lykische Weg aufgrund der heißen Temperaturen sicherlich nicht empfehlenswert zu wandern.

 

Wir genossen die Ruhe auf dem abwechslungsreichen Weg. Nach dem Wäldchen öffnete sich die Landschaft - Bienen summten auf den Blumenwiesen, das strahlende Meer lag unter uns und im Hintergrund ragte das Bergmassiv Baba-Dagi empor, an dessen Fuß wir gestern noch liefen. Wir kamen an einer kleinen Getränkestation vorbei, die ein Türke in seinem Garten aufgebaut hatte. Der Ort wäre perfekt für eine Rast gewesen, doch wir mussten weiter. Immerhin umfasste die heutige Etappe 12 Kilometer und 1.230 Höhenmeter - wir werden also noch eine Weile unterwegs sein.

 

Strand oder Berge? Auf dem lykischen Weg gibt es mehrere Routenvarianten

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Meine blutjunge Läuferin Annika freut sich schon auf den Anstieg nach Alinca - ich eher weniger ;-)

Im kleinen Örtchen Kabak angekommen, gibt es zwei Wegalternativen. Eine Routenvariante führt 500 Höhenmeter hinunter zum Kabak-Strand. "Hier übernachten heute Nathalie und Paula", sagte ich zu Annika. Die beiden libanesischen Mädels liefen gestern die erste Etappe mit uns und waren seit heute auf anderen Wegen unterwegs. Wir entschieden uns für die Bergvariante hinauf nach Alinca. Dazu mussten wir aber erstmal um die gesamte Kabak-Schlucht laufen, bis der steile Anstieg folgte.

 

Der Weg war total schön - felsig mit wunderschönen Aussichtsplätzen hinab zum Meer. "Mit kurzen Schuhen hätte ich den Weg nicht laufen wollen", meinte Annika, die sich vor dem Trekking noch unsicher zwecks des Schuhwerks war. "Schreib in deinen Artikel auf jeden Fall rein, das Wanderstiefel erforderlich sind, da die Wege alpinen Charakter haben", meinte sie.

Gesagt getan liebe Annika ;-)

 

Viel Trinken beim Wandern ist echt wichtig

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Klappt echt gut, das erste Mal Wasser zu filtern.

Langsam gingen unsere Trinkwasservorräte zur Neige. Wir hatten pro Person 2 Liter dabei und wollten in Kabak eigentlich nochmals Wasser auffüllen. Laut Wanderführer sollte es hier ein Café sowie eine Quelle geben. Beides fanden wir nicht bzw. das Café hatte geschlossen. Zum Glück hatten wir unsere Wasserfilter dabei, die nun zum ersten Mal zum Einsatz kamen.

Auf dem ganzen Wegstück begegneten wir nur zwei englischen Männern, die uns entgegen kamen. "Habt ihr hier eine Quelle gesehen die Wasser führt?", wollten wir von ihnen wissen. "Ja, kurz vor dem Aufstieg nach Alinca gibt es eine. Allerdings sieht man das Wasser von vorne nicht. Ihr müsst seitlich in das kleine Loch schauen und mit meiner Tasse das Wasser herausschöpfen". 

 

Der Tipp war echt hilfreich, denn die anderen eingezeichneten Quellen waren alle bereits ausgetrocknet (und das bereits im April!!!) und dieses kleine Loch hätten wir niemals von alleine entdeckt.

 

Auf dem Lykischen Weg sind fantastische Aussichtspunkte garantiert

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Blick zurück von wo wir kamen.

Frisch "bewässert" machten wir uns auf unsere letzten ca. 400 Höhenmeter hinauf nach Alinca. Mit jedem Schritt bekamen wir einen besseren Überblick über die Schlucht, um die wir bereits liefen. Das Meer glitzerte in der Ferne und ließ uns immer wieder auf den Felsen inne halten - eine gigantische Landschaft. Auch Annika war mega beeindruckt: "ich hatte mir die Türkeit ganz anders vorgestellt", sagte sie immer wieder. "Viel mehr Touristen und überfüllte Strände und nicht so eine tolle Natur".

Es freut mich sehr, das sich ihre Vermutungen nicht bestätigt hatten und ihr unser Trip bisher so gut gefiel. 

 

Auf unserer digitalen Karte waren immer wieder kleine Zeltsymbole eingezeichnet - Wildzeltplätze. Das Wildzelten ist in der Türkei zwar offiziell nicht erlaubt, es sagt aber keiner was, wenn man alles wieder sauber verlässt. Wir kamen kurz vor Alinca an einigen dieser Plätze vorbei und einer war schöner als der andere. Im Wald gab es sogar eine kleine Getränkestelle. Selbst einen kleinen Teekocher gab es hier, den man gegen ein kleines Trinkgeld nutzen konnte.

 

Ankunft in Alinca - wo werden wir wohl heute übernachten?

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Die Türken verstehen es, einem die Pause zu versüßen. Mitten im Wald gibt es diese Tee-Station zur Selbstbedienung.

Um 17:45 Uhr erreichten wir endlich die ersten Häuser von Alinca - das war echt ein langer Tag für uns.

Sobald wir den Wald verließen, setzte ein starker Sturm ein. Auf den staubigen Straßen wirbelte es den Sand empor, der heftig in unsere Gesichter peitschte. Laut unserem Wanderführer sollte es hier in Alinca einen Campingplatz geben. Vermutlich ließen wir uns vom Sturm und unseren müden Beinen beeinflussen und wählten den falschen Campingplatz. Naja, falscher Campingplatz ist nicht ganz richtig, denn wir landeten im Garten einer türkischen Oma. Die terrassenmäßig angelegten Wiese hätten aber auch ein Campingplatz sein können, möchte ich zu unserer Verteidigung anbringen ;-)

 

Die Omi kam uns entgegen und wir versuchten mit Händen und Füßen zu fragen, ob wir hier unser Zelt aufschlagen durften. Sie verstand rein gar nichts und brachte uns erstmal eine große Flasche Wasser.

 

Unser Schlafplatz steht fest

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Schwarzer Tee mit viel Zucker in Omas Garten, während um uns herum der Sturm tobt.

So langsam begriffen wir, dass wir hier definitiv auf keinem Campingplatz waren. "Sollen wir weiter gehen?", fragte mich Annika. "Keine Ahnung, eigentlich ist es ja voll nett hier", antwortete ich ihr und zeigte auf die atemberaubende Aussicht in Richtung Meer. Tatsächlich hatte ich mittlerweile auch ein schlechtes Gewissen, so einfach wieder zu gehen. Die liebe Omi brachte uns bereits Tee und es war offensichtlich, dass sie sehr, sehr arm war. "Ich glaube sie kann das Geld gut gebrachen, das wir ihr für die Nacht geben", meinte ich. So beschlossen wir, hier in Omas-Garten zu bleiben.

 

Annika machte sich auf den Weg in das kleine Dörfchen, um Getränke zu kaufen. Zum Glück gab es einen kleinen Garagenladen, denn laut Wanderführer gab es hier eigentlich keine Einkaufsmöglichkeit. Ich baute in der Zeit das Zelt auf, was zu einer echte Herausforderung wurde. Zwischenzeitlich war der Wind nämlich so stark, dass ich alleine fast keine Chance hatte das Zelt aufzubauen. 

 

Essen gut, alles gut... oder?

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Auf dem Foto sieht es so idyllisch aus, doch der Schein trügt. Richtig krasse Orkanböen fegen über die Landschaft.

Irgendwie hat's dann doch funktioniert und wir konnten endlich zum Abendessen über gehen. Wir hatten nämlich echt einen meeeega Hunger.

 

"Was essen wir denn heute?", wollte Annika wissen, die ihre zahlreichen Trekkingnahrungsbeutel durchwühlte. "Ich hab Lust auf was süßes und ess ein Schokomüsli", lachte ich ihr zu. "Gute Idee, das mach ich auch".

Den Gaskocher bei echt krassen Sturmböen anzubekommen war ebenfalls etwas kompliziert. Geschützt neben zwei Steinen, die in Omas Garten lagen, bekamen wir alles zum Laufen und genossen kurze Zeit später unser mit frischen Äpfeln und Orangen gepimptes Abendessen. Die Omi gesellte sich mit einem Tablett Tee zu uns. "So süß, dass sie extra nochmals raus kommt", sagten wir gleichzeitig, denn es war nun echt ungemütlich kalt und stürmisch. Alles um uns herum schien zu fliegen - die Bäume bogen sich beängstigend, unser Zelt machte komische Laute und wir machten uns große Sorgen, dass es wegfliegen könnte.

 

Nach einem anstrengenden Trekkingtag endlich schlafen - klappt leider nicht immer

Mehrtagestrekking auf dem Lykischen Weg in der Türkei - wandern fernab der Zivilisation in einer traumhaften Landschaft umgeben von Meer, Klippen und Bergen. (hier: Etappe 2 von Faralya nach Alinca)
Abendstimmung in Omas Garten, mit Blick auf das Mittelmeer im Sonnenuntergang.

Der Himmel war in orange und lila Töne gefärbt und über dem Meer breitete sich eine Wolkendecke aus. Die Inseln von Ölüdeniz ragten wir Drachenrücken aus dem Wolkenmeer empor - eine fantastische Szenerie. Wären wir nicht so müde gewesen und das Wetter so ungemütlich, hätten wir sicherlich noch diese tolle Abendstimmung genossen. 

Nachdem wir von der Omi gelernt hatten, was Hund, Baum, Huhn, Kuh usw. auf türkisch hieß, schlüpften wir erschöpft in unsere Schlafsäcke. Zu gerne hätten wir nach dem heißen Tag noch geduscht, doch eine Dusche gab es hier natürlich keine.

 

Endlich schlafen, dachten wir - doch wir hatten uns zu früh gefreut. Die Nacht war der reinste Horror und geschlafen habe ich ungelogen keine Sekunde. Doch dazu mehr im nächsten Artikel ;-)...

 

Den Übersichtsartikel mit Tipps und weiteren Infos zum Lykischen Weg findet ihr hier.

Ihr wollt die Tour auch gehen? Hier findet ihr den GPX-Track zur 2. Etappe des Lykischen Weg:

Outfit-Tipps gefällig? Hier findest du jeweils einen Artikel zum perfekten Wandersocken und Funktionswäsche (Baselayer). 

Tipps für den perfekten Wandersocken.
Tipps für die perfekte Funktionswäsche (Baselayer).

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Puls der Freiheit Newsletter

Facebook

Instagram

Inhalte von Powr.io werden aufgrund deiner aktuellen Cookie-Einstellungen nicht angezeigt. Klicke auf die Cookie-Richtlinie (Funktionell und Marketing), um den Cookie-Richtlinien von Powr.io zuzustimmen und den Inhalt anzusehen. Mehr dazu erfährst du in der Powr.io-Datenschutzerklärung.