Auf abwechslungsreichen Wegen hinauf auf die Sulzfluh

Klettersteig Sulzfluh von der Lindauer Hütte

Armkraft ist beim Sulzfluh Klettersteig gefragt.
Armkraft ist beim Sulzfluh Klettersteig gefragt.

Mit über 9 Stunden Gesamtzeit ist diese Tour konditionell ganz schön fordernd. Belohnt werden wir jedoch mit grandiosen Ausblicken und einem abwechslungsreichen Klettersteig der Spitzenklasse. Bestens gesichert, mit luftigen Querungen und einigen Steilaufschwüngen gelangen wir über die mächtige Südwand auf die Sulzfluh (2.818m).

 

Auf der einen Seite Blicken wir auf die schweizerische Seite hinab in das Prättigau, während wir auf der österreichischen Seite von der Lindauer Hütte starteten. Auch landschaftlich hat die Tour einige Highlights zu bieten. Nahezu stündlich ändert sich die Umgebung beim Zu- und Abstieg des Klettersteigs. Ich war sehr beeindruckt von dieser tollen Gegend. Aber seht selbst...

Neuer Tag, neues Glück

Die markanten Drusentürme sieht man wirklich fast von überall.
Die markanten Drusentürme sieht man wirklich fast von überall.

Nach einer ruhigen Nacht auf der Lindauer Hütte, starteten wir nach einem super Frühstück erwartungsvoll in den Tag. Auf dem Programm stand heute der Sulzfluh Klettersteig - mit fast 10 Stunden schon eine recht anstrengende Tagestour. Einerseits freute ich mich total darauf, andererseits war ich aufgrund der Dauer der Tour und Schwierigkeit des Klettersteigs (D) etwas unsicher. Mein Fitnesszustand war aufgrund der ausgefallenen Sportstunden wegen Corona und verschiedenen privaten Umständen nicht gerade der beste. Da wir bis zum Einstieg des Klettersteigs noch über 3 Stunden unterwegs waren, hatte ich noch reichlich Zeit mir zu überlegen, ob ich ihn angehe oder nicht.

 

Die Sonne lacht

Da leuchten die Farben ;-)
Da leuchten die Farben ;-)

Der Himmel zeigte sich bereits in einem klaren blau - bestes Bergwetter hatten wir bestellt und es auch bekommen. Mir war es fast schon wieder zu warm - hahaha. Mein T-Shirt war im nu ausgezogen und das bereits ein paar Minuten, nachdem wir starteten. Ok, das wird definitiv ein heißer Tag, dachte ich mir.

 

Sanft ansteigend ging es bergauf, auf einem Weg, der es erlaubte auch mal nach rechts und links zu blicken. Die Gegend hier ist einfach mega schön, das denke ich immer wieder, wenn ich hier bin. Enzian blühte überall auf den Wiesen um uns herum und setzte blaue Tupfen in die saftig grüne Wiese.

 

Schnee im Juli - keine Seltenheit

Eine kleine Schnee-Abkühlung gefällig?
Eine kleine Schnee-Abkühlung gefällig?

Das Grün machte dem Grau platz und wir standen plötzlich in einer kargen, felsigen Mondlandschaft, was nicht weniger schön war. Ich liebe diese Abwechslung in den Bergen - vom einen auf den anderen Moment steht man auf einmal in einer völlig anderen Naturszene und ist jedes mal begeistert.

 

Ich freute mich total über die Schneefelder, die im Juli hier noch zu Hauf anzutreffen waren. Lust auf eine kleine Schneeballschlacht? Klar, die darf definitiv nicht fehlen. Ich muss gestehen, treffsicher bin ich überhaupt nicht und die meisten Bälle fliegen in hohem Bogen am Ziel vorbei. Egal, Hauptsache es macht Spaß ;-)

Im Anschluss noch ein kleines Schneehäufchen auf meinen Kopf und schon ist das von der Sonne gebrutzelte Gehirn wieder abgekühlt.

 

Abwechslung pur

Der Blick vom Drusentor hinüber auf die österreichische Seite, von der wir auch kamen.
Der Blick vom Drusentor hinüber auf die österreichische Seite, von der wir auch kamen.

Der Weg durch das Geröll wurde steiler. Dafür hatten wir aber unser erstes Etappenziel im Blick - das Drusator. Mit Ziel im Blick laufen meine Beine immer gleich viel leichter. Ist das bei euch auch so?

 

Wir erreichten den Pass auf einer Höhe von 2.341 Metern und standen somit genau zwischen Österreich und der Schweiz. Nach einem ausgiebigen Fotostop ging es jetzt erstmal bergab.

 

Vor uns breitete sich eine große, grüne Wiesenfläche aus, durch die ein schmaler Pfad führte. Wieder eine ganz andere Szenerie, als wir noch vor ein paar Minuten hatten. Ich blickte nach hinten und auch die markanten Drusentürme wirkten von hier überhaupt nicht mehr mächtig und groß. Schon beeindruckend, wie alles wirkt und sich verändert, wenn man die Perspektive wechselt.

 

Eine kleine Einkehr in der Schweiz

Sehr urig, die Carschina Hütte in Graubünden.
Sehr urig, die Carschina Hütte in Graubünden.

Auf dem kleinen Wiesenpfad kamen wir 30 Minuten später zur wunderschön gelegenen Carschina Hütte. Diese liegt direkt unterhalb der gewaltigen Südwand der Sulzfluh und zählt mit 80 Lagerplätzen zu den kleineren Alpenhütten.

 

Wirklich total schnuckelig die Hütte, dachte ich gleich. Wir wurden freudig vom Hüttenteam auf der kleinen Sonnenterasse mit schweizer Dialekt begrüßt. Aus dem kleinen, frisch gebauten Ausschank im Freien, gab es leckeren Kuchen, Kaffee und sogar selbstgemachte Limos. Eine kleine Pause im Schatten konnte nicht schaden, dachten wir. Immerhin liefen wir die komplette Zeit in der Sonne und genauso sollte es auch weiter gehen.

 

Während wir unsere Getränke schlürften, schweifte unser Blick immer wieder zur Sulzfluh ab. Die Südwand sieht auf den ersten Blick wirklich unüberwindbar aus. Ich war sehr gespannt, wie sich der Klettersteig wohl die Wand hinauf hangeln würde.

 

Was erwartet mich wohl?

Sieht schon nicht ganz ohne aus, wenn man sich die Wand der Sulzfluh aus der Ferne anschaut.
Sieht schon nicht ganz ohne aus, wenn man sich die Wand der Sulzfluh aus der Ferne anschaut.

Gut erholt starteten wir Richtung Klettersteig. Über die Geröllmassen am Fuße des Berges ging es in Kehren steil bergauf. Nach gut 

30 Minuten Zustieg standen wir dann vor dem Fels, legten unsere Ausrüstung an, ich atmete obligatorisch nochmals 3x tief durch und setzte zum ersten Schritt nach oben an.

 

Ich freute mich total auf diesen Klettersteig, auch wenn ich Anfangs immer extrem unsicher bin. Von woher diese Unsicherheit herrührt?

Mhhh, gute Frage - ich vermute daher, weil nie zu 100% klar ist, was mich erwartet. Natürlich gibt es ausführliche Beschreibungen, topografische Karten und die offizielle Einteilung der Schwierigkeitsgrade, an denen man sich orientieren kann. Letztlich sind das aber immer subjektive Einschätzungen und diese können sich für mich komplett anders anfühlen. Jeder hat woanders seine Stärken und Schwächen. Kommt der eine beispielsweise mit langen und ausgesetzten Querungen überhaupt nicht klar, liebt das der andere vielleicht total. Hinzu kommt die momentane körperliche und auch psychische Verfassung. Ich spüre immer wieder, dass wenn ich eine stressige Woche vor einer Tour hatte, ich einfach viel unsicherer und ängstlicher unterwegs bin.

 

Querungen, Stahlbügel, Brücken - und das alles sehr ausgesetzt

Technisch sind diese Stellen nicht schwierig. Aufgrund ihrer länge, kosten sie allerdings Armkraft.
Technisch sind diese Stellen nicht schwierig. Aufgrund ihrer länge, kosten sie allerdings Armkraft.

Ich kam am heutigen Tag zum Glück gut ins Klettern rein. Bald stellte sich ein Flow ein und genau dann kann ich am besten genießen.

 

In einem eher langsamen aber kontinuierlichen Tempo kletterten wir immer weiter die steile Wand hinauf. Der Klettersteig ist durch einige lange Passagen geprägt, die aus Stahlbügeln bestehen und wie eine Leiter senkrecht nach oben gehen. Der Vorteil, man kommt relativ schnell nach oben. Nachteil ist eventuell für den ein oder anderen, dass es ziemlich armlastig werden kann. Diese Art von Passagen haben maximal die Schwierigkeit D, da eine Stelle leicht überhängend ist. Schaut man sich die Topo im Vorfeld an, erkennt man diese Stellen sehr gut und kann nochmals bewusst kurz die Arme entspannen, bevor man einsteigt.

 

Jeder ist verschieden - große Unterschiede bei der Kletterdauer

Die Querungen sind oftmals sehr gut zu gehen. Wir nutzten diese Stellen oft um Fotos zu machen.
Die Querungen sind oftmals sehr gut zu gehen. Wir nutzten diese Stellen oft um Fotos zu machen.

Die immer wieder vorkommenden Querungen kann man sehr schön zum Entspannen und Aussicht genießen nutzen. Diese Stellen sind meist mit der Schwierigkeit A/B einfach zu gehen.

 

Zwei kleinere Brücken hat der Klettersteig auch zu bieten - eine Leiter sowie eine Seilbrücke, die ebenfalls einfach überwunden werden können.

 

Da der Klettersteig keinen Notausstieg hat, sollte man sich seines Könnens und den passenden Bedingungen bewusst sein. Die Zeit für die man am Klettern ist, darf ebenfalls nicht außer acht gelassen werden. Als wir uns im Vorfeld über die Dauer informiert hatten, fanden wir Zeitangaben von 2 bis 4 Stunden. Die Wirtin der Carschinahütte sagte uns sogar, dass Kletterer teilweise sogar 5 Stunden am Steig beschäftigt seien. Auch hier spielen sicherlich die oben genannten Faktoren, wie eigene Verfassung und aktuelle Bedingungen eine große Rolle.

 

Der Sulzfluh Gipfel ist erreicht

Gleich geschafft - das Gipfelkreuz ist schon in Sicht.
Gleich geschafft - das Gipfelkreuz ist schon in Sicht.

Wir hatten an diesem Tag richtig Glück - vor und hinter uns waren zwar Kletterer unterwegs, diese hatten aber einen relativ großen Abstand zu uns. So mag ich es am liebsten, wenn ich einfach mein Tempo gehen kann, mich keiner von hinten drängelt oder vorne ausbremst.

 

Nach knapp 2,5 Stunden hatten wir die letzte C Stelle geschafft und liefen im lockeren A/B Gelände die letzten Meter bis zum Gipfel. Es war ein toller Blick von hier oben auf der Sulzfluh. Auf der anderen Seite, die wir nun zu Gesicht bekamen, breitete sich die riesige Karstfläche aus, die teilweise noch mit Schnee bedeckt war. Da wir noch fast 3,5 Stunden Abstieg zur Lindauer Hütte vor uns hatten, hielten wir uns nicht lange am Gipfel auf und traten zügig den Abstieg an.

 

Abstieg über den "Rachen"

Im Schnee geht es abwärts. Von dieser Seite wirkt der Sulzfluhgipfel weniger mächtig.
Im Schnee geht es abwärts. Von dieser Seite wirkt der Sulzfluhgipfel weniger mächtig.

Anfang Juli, als wir hier unterwegs waren, lag tatsächlich noch relativ viel Schnee. Es kam sogar vor, dass wir knietief in einem Schneeloch steckten. Mir machte es echt Spaß, im Sommer so durch den Schnee zu stapfen, vor allem im Abstieg, wo man es rutschen lassen kann.

 

Unseren weiteren Abstiegsweg durch den sogenannten "Rachen" kannten wir bereits vom Vortag, als wir den Klettersteig Gauablickhöhle gemacht hatten (hier geht's zum Artikel). Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich mich auf den Rachen überhaupt nicht freute und bereits im Vorfeld nach möglichen Alternativen gesucht hatte. Dieses mega steile Geröllfeld machte mir Angst und ich hatte gestern bereits schon keine Freude damit. Leider gab es nicht wirkliche Ausweichmöglichkeiten. Der Abstieg zur Lindauer Hütte über den Bilkengrat sah auf der Karte ein gutes Stück länger aus. Naja, so rutschten wir dann auf's Zweite mal das Geröllfeld hinunter und siehe da, es machte mir gleich viel weniger aus, weil ich genau wusste, was mich erwartete.

 

Gemütlicher Ausklang auf der Lindauer Hütte

Blick vom botanischen Garten hinüber zur Lindauer Hütte.
Blick vom botanischen Garten hinüber zur Lindauer Hütte.

Den Spätnachmittag ließen wir dann mit Köstlichkeiten auf der Lindauer Hütte ausklingen. Zum Abendessen gab es dann die am Vortag vorbestellten Kässpätzle und die waren soooooo lecker.

 

Direkt an der Hütte gibt es übrigens auch einen botanischen Alpengarten. Wirklich total schön ist dieser angelegt, mit viel Liebe zum Detail. Es finden sogar regelmäßig Führungen statt. Dazu könnt ihr euch einfach bei der Hütte erkundigen.

 

 

Fazit:

Toller Klettersteig, der durchweg super gesichert und gewartet ist. Von Anfang bis Ende hat man eine wunderschöne Aussicht, die man an der ein oder anderen Stelle auch wirklich genießen kann. Vor bzw. nach schwierigen Stellen kommen immer wieder einfachere Passagen, an denen man kurz die Arme entspannen kann, was ich sehr angenehm empfand. Landschaftlich finde ich die Gegend hier als eine der schönsten in den Alpen. Ich würde in jedem Fall eine Nacht auf der Lindauer Hütte verbringen. Am Vortag kann man super den Klettersteig Gauablickhöhle noch mitnehmen (hier geht's zum Artikel).

 

Offizielle Tourenangaben von und zur Lindauer Hütte:

Zustieg: 3:15 Stunden

Klettersteig: 2:45 Stunden, Schwierigkeit D

Abstieg: 3:30 Stunden (über Rachen)

 

Du möchtest die Tour auch gehen? Hier findest du den GPX-Track:

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