Nepal Everest-Trekking Tag 11/12 - von Phortse (3.810m) nach Namche Bazar und Lukla

Des einen Freud, des anderen Leid

Mein Lieblingsberg - die Ama Dablam
Mein Lieblingsberg - die Ama Dablam

Die beiden letzten Tage unseres Trekking-Abenteuers im Himalaya stehen uns bevor. Obwohl wir Teile der heutigen Etappen schon kennen, ergeben sich trotzdem nochmals neue Blickwinkel. So unglaublich schön wir diese Gegend finden, so bitter erleben es manche Einheimische. 

 

Fünf unserer Gruppe treffen wir endlich wieder, sichtbar erfreut über unser Eintreffen. Doch dann heißt es auch Abschied nehmen, von der überwältigenden Natur, unseren hilfsbereiten Trägern und unseren liebenswerten Guides, die wir sehr ins Herz geschlossen haben.

Wer runter geht, muss wieder rauf

Gute Gespräche mit dem 19-jährigen Guide Jiten
Gute Gespräche mit dem 19-jährigen Guide Jiten

Mit einem leckeren Zimt-Pfannenkuchen im Bauch, starteten wir um 08:45 Uhr Richtung Namche Bazar. Langsam entspannte sich mein Körper wieder von der teilweise bitteren Kälte der vergangenen Tage. Heute hatte es in der Nacht nur knapp unter 0 Grad - fast schon warm also ;-)

 

Es ging steil bergab durch einen schattigen Rhododenren-Wald. Leider war jetzt keine Blütezeit, der ansonsten knall-pinken Blüten. Wir überquerten den Fluss Dudh Koshi Nadi und mussten typischerweise alles wieder aufsteigen, was wir runter gelaufen sind.

 

Ein Ort zum träumen - der Mong La Pass

Das Dorf "Phortse" liegt wunderschön auf einem Felsplateau
Das Dorf "Phortse" liegt wunderschön auf einem Felsplateau

Nach ca. 2 Stunden erreichten wir den Mong-La Pass auf knapp 4.000 Metern Höhe. In der Ferne erblickten wir den Ort Phortse, der auf einem Felsplateau wunderschön gelegen vor uns lag. Etwas deprimierend war es schon, dass wir uns jetzt auf nahezu der gleichen Höhe wieder befanden, wie heute Morgen in Phortse. 

 

Der Blick hier oben auf dem Mong-La Pass war fantastisch und die zurückgelegten Höhenmeter waren schnell vergessen. 

 

Wie wird man Guide in Nepal?

Da lässt es sich aushalten :-)
Da lässt es sich aushalten :-)

Wir tranken einen wärmenden Tee und genossen die unglaubliche Aussicht auf die weißen Himalaya Riesen, die uns regelrecht einrahmten.

 

Unser Guide Jiten erklärte uns einiges über die offiziellen Guides in Nepal. Seine Familie kratzte alles Geld zusammen, um ihm die 1,5 monatige Guide-Ausbildung zu ermöglichen. Dafür musste er aber erstmal nach Kathmandu kommen, dort irgendwie hausen und sich versorgen, was natürlich zusätzlich Geld kostete. Seine Familie ist sehr arm und als dann vor kurzem die Mutter verstarb, sahen sie die einzige Lösung, die Familie weiter zu ernähren darin, ihren Sohn als Guide auszubilden. Nebenher ist er auch noch als Träger tätig (schon seit Kindheitstagen), da es schwer ist, als neuer Guide an Kundschaft zu kommen.

 

Wie kann man Geld verdienen?

Das ist wohl die Zimmerausstattung der nächsten Lodge
Das ist wohl die Zimmerausstattung der nächsten Lodge

Jitens Dorf ist von der klassischen Everest-Trekkingrunde

3 Tagesmärsche entfernt (für unser Tempo wären es sicherlich 5-6 Tagesmärsche). Die Dörfer welche nicht unmittelbar an der Trekking Route liegen, profitieren vom Tourismus so gut wie gar nicht. In diese entlegenen Dörfer kommt in der Regel kein Tourist. Es lohnt sich daher nicht, eine Lodge oder ein Restaurant dort zu betreiben. Die Menschen in diesen Dörfern verpflegen sich mit Viehhaltung und Landwirtschaft weitgehend selbst. Bestimmte Dinge wie Decken, Kleidung, Baumaterial usw. müssen aber auch gekauft werden. Von welchem Geld aber? Es gibt keine Firmen oder Geschäfte in diesen Gegenden. 

 

Aus diesem Grund suchen sich viele die Arbeit als Träger oder Guide, um so zumindest ein bisschen Geld zu verdienen, das bitter benötigt wird. 

 

Es tut sich was

Wunderschön schlängeln sich die kleinen Pfade am Berg entlang
Wunderschön schlängeln sich die kleinen Pfade am Berg entlang

Läuft das Trekking über eine offizielle Trekkingorganisation, sind die Guides und Porter (Träger) während der Tour Kranken- und Unfallversichert. Im Todesfall erhält die Familie eine gewisse Entschädigung. Früher gab es das nicht, wurde uns erzählt. 

 

Wir kamen auf die Strecken, die wir vor ein paar Tagen schon mal gelaufen sind. Über staubige Pfade schlängelte sich der Weg weiter nach Namche Bazar. 

 

Ankunft in Namche Bazar

Namche Bazar - hier gibt es zahlreiche Lodgen
Namche Bazar - hier gibt es zahlreiche Lodgen

Der Weg wurde voller, umso näher wir nach Namche Bazar kamen. Viele andere Trekker kamen uns entgegen. Für sie startete das Abenteuer erst so richtig, während unseres nun bald zu Ende war.

 

Vor unserer Lodge erblickten wir einen Mann mit nacktem Oberkörper, der wohl gerade vom Duschen kam. Er erblickte uns und grinste breit: "Endlich seid ihr da!" tönte er uns entgegen. Es war Micha, den wir vom zweiten Tag an zurück lassen mussten, da es ihm gesundheitlich nicht gut ging. Er verbrachte 5 Nächste hier in Namche und war sichtlich froh, uns endlich wieder zu treffen.

 

Leckereien

Mhhhhhh, Genuss pur
Mhhhhhh, Genuss pur

Er erzählte uns, was er so die ganze Zeit in Namche Bazar getrieben hat. Mit dem kleinen Jungen des Lodge Besitzers freundete er sich an und entdeckte, dass das San Miguel Bier hier wohl doch am besten schmeckte ;-)

 

Unsere beiden Guides Jiten und Dil luden wir zum Essen ein. Sie freuten sich sehr, mal etwas anderes essen zu können außer immer nur Dal Bhat. Als Nachtisch gab es dann noch eine leckere heiße Schokolade - man war die gut.

 

Der letzte Trekkingtag steht bevor - auf geht`s nach Lukla

Die Hillary Bridge kurz nach Namche Bazar
Die Hillary Bridge kurz nach Namche Bazar

Am nächsten Tag, unserem letzten Trekkingtag, wollten wir früh los. Es stand uns eine lange Etappe nach Lukla bevor. Die Frühstücksbestellung erteilten wir schon am Vorabend, in der Hoffnung, dass alles schnell lief. Naja, wir starteten trotzdem wie immer um 08:45 Uhr - Organisationstalente gibt es in dieser Lodge nicht viele.

 

Vor ein paar Tagen legten wir die Strecke auf dem Hinweg in zwei Etappen zurück. Heute liefen wir sie durch. Unser Tempo war langsam und ich befürchtete Lukla erst in der Dunkelheit zu erreichen.

 

Lebensumstände, mit denen ich nicht tauschen mag

In einer kleinen, urigen Lodge, legten wir eine Teepause ein. Ich setzte mich mit unseren beiden Guides in die Küche. Da war es viel wärmer und ich erfuhr nochmals interessante Geschichten von Jiten. 

 

Von 7-14 Jahre ging er in die Schule. Diese war 3 Tage von seinem Elternhaus entfernt. Infrastruktur gab es keine und man musste alles zu Fuß zurücklegen. 10 Monate ging jeweils die Schule und danach hatte man 2 Monate Ferien. Er hatte in der Schule ein kleines Zimmer, welches die Eltern bezahlen mussten. Finanziell war dies wohl auch nicht einfach. Echt hart, in dem jungen Alter schon so lange von der Familie weg zu sein, dachte ich mir traurig und war wieder einmal froh, in solch guten Verhältnissen aufgewachsen zu sein. Wie lange man in die Schule geht, hängt wohl auch damit zusammen, wie lange es sich die Eltern finanziell leisten können.

 

Bereits im Alter von 14 Jahren hat er angefangen als Träger zu arbeiten. Was die schweren Lasten mit einem nicht ausgewachsenen Menschen machen, brauche ich wohl nicht erklären. Auf der heutigen Etappe sahen wir einige Kinder, die teilweise noch jünger waren. Mit tat es unendlich Leid zu sehen, wie sie sich mit voll beladenem Rücken den Berg hoch quälten. Mir fiel nicht auf, dass diese Kinder Gepäck von Touristen oder Organisationen trugen (ich hoffe das würde auch keiner zulassen). Es waren eher Dinge für andere Einheimische oder sich selbst.

 

Traurige Gedanken

Tolle Abendstimmung in Lukla
Tolle Abendstimmung in Lukla

Der lange Weg nach Lukla war trotzdem recht kurzweilig. Wir lernten ein nepalesisches Lied und sangen dieses freudig, auch wenn die Stimmung innerlich etwas betrübt war. Abschied nehmen war noch nie eine große Stärke von mir. Außerdem kamen an diesem Tag viele Gedanken von Jiten ans Licht. Er hasste Nepal, das sagte er mir oft an diesem Tag. Das Leben sei so hart und ungerecht hier und er sieht keine Chance auf Besserung. 

 

Tatsächlich kamen wir erst in der Abenddämmerung in Lukla an. Ein Mitreisender war ziemlich krank und quälte sich die letzten Meter bis zum Ziel. Wir alle warteten am Tor und zogen dann gemeinsam in unsere letzte Lodge. Dort warteten schon drei weitere Mitreisende, die zuvor in Gorak Shep aufgrund der Höhenkrankheit mit dem Helikopter abgeholt wurden. Wir waren sehr erleichtert, dass es ihnen allen gut ging und sie sich mittlerweile gut erholt hatten.

Bald geht es zurück nach Kathmandu

Durch mehrere kleine Dörfer ging es nach Lukla
Durch mehrere kleine Dörfer ging es nach Lukla

In der Lodge kamen nochmals alle Träger und Guides zusammen und wir überreichten ihnen ein zusätzliches Trinkgeld von uns allen. Wir verabschiedeten uns und wünschten ihnen alles Gute. Auch Jiten und Dil machten sich auf den Weg, um mit den Trägern noch einen kleinen Abschied zu feiern.

 

Am nächsten Tag mussten Micha und ich bereits um 05:15 Uhr aufstehen. Unser Flug nach Kathmandu ging früher, als der der anderen. Ich hoffte sehr, dass Jiten und Dil meine Nachricht per Handy gestern noch erhalten hatten, da sie eigentlich von einer späteren Uhrzeit ausgingen. Ich wollte unbedingt noch Tschüss sagen.

 

Diese Hektik kann ich nicht gebrauchen

Abendrot in Lukla
Abendrot in Lukla

Es hatte geklappt - beide kamen um 6 Uhr in die Lodge und begleiteten uns zum Flughafen. Dort war bereits die Hölle los. Viele Menschen auf kleinstem Raum, alle waren hektisch, laut, drängeln und schupsen sich aneinander vorbei - wie ich das hasse und Panik bekomme. Flugzeuge kamen und gingen, keiner wusste so richtig, wann er an der Reihe war. Dann ging es für uns los, aber wo war Jiten?

 

Er bekam wohl einen Anruf unserer restlichen Gruppe und musste diese abholen. So ein Mist aber auch, jetzt konnte ich in dem ganzen Trubel erst recht nicht Tschüss sagen, was mich sehr traurig machte :-(

Der Abschied fällt schwer

Mit gerade mal 14 Personen saßen wir in der kleinen Propeller Maschine zurück nach Kathmandu
Mit gerade mal 14 Personen saßen wir in der kleinen Propeller Maschine zurück nach Kathmandu

Wir verabschiedeten uns von Dil, unserem zweiten Guide und passierten die Sicherheitskontrolle. Dann hieß es warten, warten und warten. Im Aufenthaltsraum hatte es sicherlich keine plus Grade und ich klapperte nur so mit den Zähnen - es war arschkalt. Die Minuten vergingen, bis zwei Stunden erreicht waren und wir immer noch in kein Flugzeug steigen durften. 

 

Durch den Vorhang der Sicherheitskontrolle erkannte ich Jiten. Kurzerhand entschloss ich, mein Glück zu versuchen und bequatsche den Sicherheitskontrolleur, ob ich noch einmal zurück durfte, um mich von meinem Guide zu verabschieden. Zu meiner Verwunderung stimmte er zu. Jiten freute sich sichtlich, mich noch einmal zu sehen. Wir umarmten uns und Tränen kullerten mir über die Backe. Es ist schwer, jemanden ins Herz zu schließen und vermutlich nie mehr wieder zu sehen. 

 

Dann musste ich zurück. Entweder ich erweckte so viel Vertrauen, oder Sicherheit wird hier nicht besonders groß geschrieben - durch die Sicherheitskontrolle musste ich kein zweites Mal. Nach 4,5 Stunden warten, kam dann endlich unser Flieger und entriss uns von der traumhaften Landschaft des Himalaya.

 

Die GPX-Tracks findet ihr hier:

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