Nepal Everest-Trekking Tag 9 - von Gorak Shep (5.140 m) auf den Kala Patthar (5.643 m) und nach Pheriche (4.371 m)

5.643 Meter!!! So hoch war ich bisher noch nie. Schaffe ich das?

Blick auf den Mount Everest. Der Berggipfel im Hintergrund ist es, der höchste Berg der Welt.
Blick auf den Mount Everest. Der Berggipfel im Hintergrund ist es, der höchste Berg der Welt.

In der Dunkelheit geht es los - langsam bergauf, einen Schritt nach dem anderen. Der Weg ist nicht schwierig, dafür aber hoch. Ich bin alleine unterwegs, kann mein eigenes Tempo laufen, was sehr angenehm ist. Werde ich es bis zum Gipfel des 5.643 Meter hohen Kala Patthar schaffen?

 

Was sicher ist, heute werde ich endlich wieder Micha treffen, der einen Tag und eine Nacht getrennt von mir war. In Pheriche werden wir wieder vereint sein -  ich bin gespannt auf seine Geschichte.

 

Nichts für Morgenmuffel

Stimmung um 4 Uhr morgens - so friedlich und ruhig ist da alles noch
Stimmung um 4 Uhr morgens - so friedlich und ruhig ist da alles noch

Um 03:30 Uhr klingelte der Wecker und die Nacht war für mich vorbei. Obwohl ich überhaupt kein Frühaufsteher bin, fühlte ich mich erstaunlich fit. Lag bestimmt an der Euphorie und Aufregung den Kala Patthar zu erklimmen.

 

Die Nacht war durchwachsen. Einschlafen war total schwierig, da die Wände der Lodge mehr als hellhörig waren. Lediglich dünne Pressspanplatten trennten die Zimmer voneinander ab. Wir hatten das Pech, dass unsere italienischen Zimmernachbarn sich nicht gerade in einer normalen Lautstärke miteinander unterhielten. Nach einem Schrei (ich nahm allen Mut zusammen, denn sowas trau ich mich normal nicht), war dann endlich Ruhe. 

 

Meine größten Bedenken hatte ich vor der eisigen Kälte in der Nacht. Daniel lieh mir netterweise noch zusätzlich seine Trinkflasche, die ich als Wärmflasche, mit meinen anderen beiden Flaschen, umfunktionierte. Außerdem war ich froh, dass sich das Zimmer nicht alleine hatte. Zwei Personen strahlen doch mehr Wärme aus, als eine. 

 

Ich geh doch lieber schlafen

Ich liebe diese Lila- und Blautöne, wenn der Morgen so langsam erwacht.
Ich liebe diese Lila- und Blautöne, wenn der Morgen so langsam erwacht.

Nachdem ich den lätschigen Käse-Toast vom Vortag runter würgte, traten wir in die dunkle Nacht hinaus. Es war bitterkalt, ruhig und total friedlich. Wir waren die ersten, die vor der Lodge standen. Daniel, der in voller Montur neben mir stand, sagte plötzlich: "ich geh doch nicht mit und schlafe lieber nochmal ein bisschen". Mhm, schade dachte ich mir, machte aber keine Anstalten ihn zu überreden. Ich finde das muss jeder für sich entscheiden, ob er es wagen möchte oder nicht. Er ließ mir noch seine Daunenjacke da und machte sich dann wieder auf den Weg Richtung Bett.

 

Währenddessen kam Günther, unser ältester Mitreisender. Er ist schon über 60 und noch total fit - Langstreckenläufe sind sein Hobby. So fit möchte ich in diesem Alter auch noch sein, dachte ich mir die letzten Tage oft. Günther war tags zuvor (als ich beim Everest Base Camp war) bereits auf dem Kala Patthar. Er wollte heute die Stimmung während des Sonnenaufgangs aber gerne miterleben und entschied sich daher, noch einmal hoch zu stapfen.

 

Dann gehen wir halt nur zu zweit los

Auf dem Gipfel des Kala Patthar. Man sieht, dass es mir kalt war ;-)
Auf dem Gipfel des Kala Patthar. Man sieht, dass es mir kalt war ;-)

Wo war Dil, unser Guide? Um 4 Uhr wollten wir eigentlich starten, aber er war nicht da. Wir hielten es beide, wartend in der Kälte, nicht mehr länger aus und machten uns ohne ihn auf den Weg. Verfehlen konnte man das Ziel eh nicht. Es gab nur einen Weg und vermutlich würden zig andere Personen uns ebenfalls folgen.

 

Im Schein unserer Stirnlampen liefen wir los. Bald trennten sich unsere Wege und jeder lief sein eigenes Tempo. Ich genoss die Ruhe und war nur bei mir selbst. Vor mir sah ich in der Ferne zwei Lampen leuchten, sehr viele waren also nicht vor uns. Der Weg nach oben war technisch nicht schwierig. Die Steigung an sich war auch nicht mega steil, aber die Höhe merkte ich schon. Über 5.000 Meter Höhe zu sein, ist doch nochmal ne andere Nummer, als sich auf 4.000 Metern zu bewegen.

 

Langsam geht es voran

Der Berggipfel im Hintergrund ist tatsächlich der Mount Everest - wer hätte das gedacht?
Der Berggipfel im Hintergrund ist tatsächlich der Mount Everest - wer hätte das gedacht?

Die Höhe zwang mich wesentlich langsamer zu laufen, als mein eigentliches Wandertempo ist. Das machte aber überhaupt nichts, ich hatte es nicht eilig und wollte mich auch nicht verausgaben. Überreizt man seine Grenzen, büßt man das oft den ganzen Tag ein, selbst nach einigen eingelegten Pausen, dass ist mir mittlerweile klar. Daher wollte ich langsam, stetig und ohne Pause auf den Kala Patthar.

 

Ich überholte einige Trekker, die meiner Meinung nach für ihre Verhältnisse ein viel zu schnelles Tempo hatten. Alle paar Meter blieben sie stehen und keuchten. Ich war froh, alleine unterwegs zu sein. So konnte ich auf meinen Körper hören und auf ihn eingehen.

 

Die Wunderwaffe

Wunderschön werden die Gipfel von der aufgehenden Sonne angestrahlt.
Wunderschön werden die Gipfel von der aufgehenden Sonne angestrahlt.

Kurz wurde mir leicht schwindelig. Vielleicht von der Höhe, vielleicht auch vom nicht großartigen Frühstück. Ich brauche morgens immer eine ordentliche Portion Essen, sonst kommt mein Kreislauf überhaupt nicht in Schwung. Das komische Toastbrot war definitiv zu wenig. Ich hatte aber meine Superwaffe im Rucksack - Freche Freunde von Erdbär. Das soll an dieser Stelle jetzt keine Schleichwerbung sein. Ich steh wirklich total auf diese Dinger und habe sie bei jeder Tour dabei. Pürierte Früchte wie Apfel, Birne, Beeren und Bananen, die man aus einem Beutel heraus nuckeln kann. Normal ist das ganze Babynahrung, aber mir schmeckt es sehr und es hat mich tatsächlich auch wieder fit gemacht.

 

Nach der 5 minütigen Pause, ging es dann ohne weitere Stopps weiter.

 

Nepalesisches Tempo = nicht mein Tempo

Dil ist happy, ebenfalls mit uns auf dem Kala Patthar zu stehen. Zur Feier des Tages, setzte er extra die traditionelle nepalesische Kopfbedeckung auf.
Dil ist happy, ebenfalls mit uns auf dem Kala Patthar zu stehen. Zur Feier des Tages, setzte er extra die traditionelle nepalesische Kopfbedeckung auf.

Plötzlich rief es hinter mir: "Myri!"

Dil, unser Guide war auf einmal da. Er hatte unsere ausgemachte Start-Uhrzeit falsch im Kopf und lief erst um 04:30 Uhr los. Krass, wie schnell er hochgestapft ist. Er meinte, dass Günter umgedreht sei, da er ihn nicht gesehen hatte. Ach man, schade, dachte ich.

 

Ich freute mich, dass er hier war. Das Gipfelerlebnis zu teilen (vorausgesetzt ich komm oben an), ist doch schöner, als alleine. Allerdings quatschte er mich permanent voll, was mich total anstrengte. Laufen und reden war noch nie meine Stärke. Sein nepalesisches Speed-Tempo war mir ebenfalls viel zu schnell. Wir tauschten die Plätze - ich lief von nun ab vorne und machte ihm klar, dass er mir gerne etwas erzählen darf, ich ihm aber nicht antworten werde ;-) 

 

Geschafft - wir stehen auf dem Kala Patthar

Dil und ich auf dem Kala Patthar. Im Hintergrund die Spitze des Mount Everest.
Dil und ich auf dem Kala Patthar. Im Hintergrund die Spitze des Mount Everest.

Der Weg kurz unterhalb des Gipfels, wurde dann etwas schwieriger. Über große Steinblöcke mussten wir steigen. So kurz vor dem Gipfel bekomme ich aber jedes mal neue Energie und nach 1,5 Stunden standen wir dann überglücklich auf dem 5.643 Meter hohen Kala Patthar. Krass, so hoch oben war ich bisher noch nicht und mir geht es total gut, dachte ich glücklich. 

 

Wir machten einige Fotos und Dil erklärte mir die umliegenden Berggipfel. Den Mount Everest sahen wir natürlich auch (wobei es nur die Spitze war). An meinen Liebling, die Ama Dablam kam er aber bei weitem nicht ran ;-)

 

Einige Bergsteiger kamen mittlerweile auf dem Gipfel an. So wirklich gut sahen wenige aus. Die meisten stützten sich hängend auf ihre Trekkingstöcke und keuchten ganz gewaltig. 

 

Gipfelglück tatsächlich zu Dritt

Dick eingepackt auf dem Gipfel. Unter mir befindet sich der gewaltige Khumbu-Gletscher, mit Mount Everest und der Lhotse-Nuptse Flanke.
Dick eingepackt auf dem Gipfel. Unter mir befindet sich der gewaltige Khumbu-Gletscher, mit Mount Everest und der Lhotse-Nuptse Flanke.

Die innerliche Wärme der Euphorie, ließ schnell nach und mir wurde bitterkalt. Laut Wetterbericht hatte es in dieser Nacht an die -18 Grad. Der ständig anhaltende, kalte Wind, machte die Sache nicht besser. Ich dankte innerlich Daniel für seine Daunenjacke, die er mir überließ. Mit drei Jacken übereinander, ließ es sich aushalten. Wir wollten den Sonnenaufgang sehen und das dauerte noch ziemlich lange.

 

Ich glaub`s ja nicht, da ist Günter!!! Ich wedelte freudig mit den Armen und zeigte Dil, dass Günter gerade unter uns die letzten Meter zum Gipfel bewältigte. Ach ist das schön - ich freute mich total :-). Dil sagte: "very strong man", und er hatte Recht.

 

Sieht man die Höhe eines Berges?

Wunderschöne Stimmung. Der markante Berg ist die Ama Dablam - mein Lieblingsberg.
Wunderschöne Stimmung. Der markante Berg ist die Ama Dablam - mein Lieblingsberg.

Nachdem Günter eintraf, warteten wir nochmals eine halbe Stunde. Der Everest wollte einfach nicht von der Sonne angestrahlt werden. Die Warterei in der Kälte, die insgesamt eine Stunde dauerte, strengte mich ziemlich an. Die Getränke waren komplett eingefroren und selbst der Stoff des Rucksacks, war auf einmal total hart. Wir entschieden zu dritt, dass wir wieder abstiegen. 

 

Letztlich sahen die Berge auch nicht anders aus, als in den Alpen, dachte ich mir. Ich dachte mir sogar, dass ich schon spektakulärere Sonnenaufgänge und Bergkulissen gesehen hatte (darf man das überhaupt laut sagen?). Klar war es unglaublich cool, auf dieser Höhe zu stehen und es geschafft zu haben. Das freute mich echt, zumal es mir auch wirklich gut ging. Und natürlich ist es irgendwie cool zu sagen, ich war am Fuße des Mount Everest. Aber ganz ehrlich, sieht man die Höhe eines Berges? Ist nur der höchste Berg der Welt besonders? Ist es wichtig, auf welcher Höhe ich stehe? Nein, ist es nicht. Ganz andere Dinge machen eine Tour besonders. Das sind für mich in erster Linie die Menschen, mit denen ich unterwegs bin, die schönen und schwierigen Momente, die man miteinander teilt, natürlich die Natur und die kleinen Dinge, die man entdeckt.

 

 

Ein 5.643 Meter hoher Hügel

Der kleine, braun-gelbe Hügel ist der Kala Patthar. Ziemlich unspektakulär, gell. Der Pumo Ri im Hintergrund sieht da viel spannender aus.
Der kleine, braun-gelbe Hügel ist der Kala Patthar. Ziemlich unspektakulär, gell. Der Pumo Ri im Hintergrund sieht da viel spannender aus.

Nach einer Stunde Abstieg kamen wir um 07:30 Uhr wieder in der Lodge in Gorak Shep an - ich hatte einen Bärenhunger.

 

Zum Frühstück gönnte ich mir eine große Portion Spaghetti mit Tomatensauce. Ich freute mich, die Tour geschafft zu haben, aber noch mehr freute ich mich, endlich wieder Micha zu sehen. Der musste ja am Tag zuvor, aufgrund gesundheitlicher Probleme absteigen und wir waren einen Tag und eine Nacht getrennt von einander.

Traffic am Himmel

Die Helikopter kreisten im Minuten-Takt über Gorak Shep.
Die Helikopter kreisten im Minuten-Takt über Gorak Shep.

Mittlerweile wurden drei andere aus unserer Gruppe mit dem Heli abgeholt und zurück nach Lukla gebracht. Die Höhenkrankheit war bei einer Person sehr massiv und er musste schleunigst ins Krankenhaus nach Lukla gebracht werden.

 

So viele Helis wie hier, habe ich noch nicht am Himmel gesehen. Wirklich alle paar Minuten landet hier einer und holt Leute ab oder bringt sie her. Dann gibt es natürlich noch die Mountain-View Flüge, wo man die Berge ausschließlich vom Helikopter aus bestaunen kann.

 

Nach der großen Portion Frühstück, machten wir uns auf den Weg nach Pheriche. Der Weg zu unserer Mittagspausen-Station, am Thokla Pass, war der gleiche wie am Vortag. Dafür ging es aber die ganze Zeit bergab.

 

Ankunft in Pheriche

Traumhaft schön, dass Tal in dem Pheriche liegt. Im Hintergrund wieder die Ama Dablam.
Traumhaft schön, dass Tal in dem Pheriche liegt. Im Hintergrund wieder die Ama Dablam.

Das Tal, in dem der Ort Pheriche liegt, ist traumhaft schön. Genau am Talende, erhebt sich majestätisch die 6.814 Meter hohe Ama Dablam. Idyllisch fließt ein kleines Bächlein direkt in der Mitte hindurch. Ab und zu überquerten wie dieses auf den weißen Steinen. Links und rechts säumten die typisch nepalesischen Steinmauern den Weg ein. Ein tolles Fotomotiv gaben mal wieder die Yaks ab, die an uns vorbei zogen. Ich liebte diesen Ort, wenn er nur nicht so kalt wäre. 

 

Um 15:45 Uhr kamen wir dann an unserer Lodge in Pheriche an. Die ganze Zeit über, lag der Ort in der Sonne. Kaum kamen wir an, verschwand die Sonne hinter den Hügeln und hüllte den Ort in Schatten.

 

Wiedersehen :-)

Immer wieder schön anzuschauen - die gewaltigen Yaks.
Immer wieder schön anzuschauen - die gewaltigen Yaks.

Ich freute mich so sehr, Micha endlich wieder in die Arme schließen zu können. Er erzählte mir von seinem Ritt mit dem Pferd und wie er Margarete aus unserer Gruppe traf. Alles lief glatt und ihm ging es wieder richtig gut. Es war also absolut die richtige Entscheidung, abzusteigen bzw. tiefer zu reiten.

 

Nach 6 Tagen gönnte ich mir endlich wieder eine heiße Dusche, die gab es hier nämlich tatsächlich. Es tat mega gut, dass heiße Wasser auf meinen völlig verspannten Nacken plätschern zu lassen. Der Körpergeruch war vermutlich auch wesentlich besser. Da wir aber fast alle Schnupfen hatten, rochen wir uns eh nicht mehr gegenseitig - der einzige Vorteil des Schnupfens ;-)

 

Anstrengend aber glücklich

Gebetsfahnen am Thokla-Pass
Gebetsfahnen am Thokla-Pass

Der Tag heute war ziemlich anstrengend für mich. Konditionell weniger, die Konzentration ließ einfach irgendwann mal nach. Immerhin war ich aber auch schon seit 3:30 Uhr auf den Beinen, daher vielleicht ganz normal.

 

Ich freute mich, mich frischgeduscht in den Schlafsack zu kuscheln, Micha neben mir zu haben und zu wissen, dass es ihm gut ging.

 

Den GPX-Track findet ihr hier:

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