Vier auf einen Streich

Klettersteig-Wochenende im und ums Ötztal

Im Hintergrund der Lehner-Wasserfall, über den auch eine Seilbrücke verläuft
Im Hintergrund der Lehner-Wasserfall, über den auch eine Seilbrücke verläuft

Vier wunderschöne Klettersteige, von mittel bis schwer standen an diesem Wochenende an. Es ging ins Ötztal bzw. nach Imst, um

den Leite-Klettersteig,

den Geierwand-Klettersteig,

den Jubiläumsklettersteig Lehner-Wasserfall und

den Reinhard-Schiestl-Klettersteig

zu bezwingen.

 

Letzterer war auch eine echte Herausforderung für mich. Dank netter, motivierender Menschen, war es aber überhaupt kein Problem.

 

Es ging spektakulär über einen tosenden Wasserfall, kräfteraubend über nasse Platten senkrecht nach oben, ausgesetzt und luftig über die ein oder andere Querung und zwischendurch genossen wir einfach nur die traumhafte Aussicht.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Abhängen am Geierwand-Klettersteig
Abhängen am Geierwand-Klettersteig

Der Wecker klingelte um 5 Uhr. Unter normalen Umständen würde ich mich jetzt aus dem Bett quälen. Wenn es allerdings auf Tour geht, bin ich sofort hellwach und freue mich, dass es endlich los geht.

 

Das Klettersteigwochenende war vom Deutschen Alpenverein Ludwigsburg ausgeschrieben, der gleich bei uns ums Eck ist und in dem wir auch Mitglieder sind. Mein Mann Micha und ich trafen uns mit Wulf, dem Organisator der Tour und seiner Frau Anja, um gemeinsam nach Nassereith zu fahren. Mit Butterbrezeln und Kaffee wurden wir empfangen. Fängt schon mal perfekt an, dachte ich mir :-)

#Nr1 - Leite Klettersteig

Der Leite-Klettersteig von unten. Erstmal geht es senkrecht hoch, nachdem dann die Querung nach rechts folgt
Der Leite-Klettersteig von unten. Erstmal geht es senkrecht hoch, nachdem dann die Querung nach rechts folgt

In Nassereith parkten wir unterhalb des Leite-Klettersteigs und trafen dort auf die weiteren Teilnehmer Heike und Wolfgang.

 

Etwas ängstlich schaute ich nach oben, um den Klettersteig zu begutachten. Der Fels war noch recht nass und die Wand ging steil nach oben. Einen Klettersteig mit der Kategorie C/D hatte ich bisher erst einmal gemacht, auch Micha war eher ein Klettersteiganfänger.

Eine Stufe schwieriger

Zwischen den Felsplatten konnte man wenigstens ab und zu eine kleine Pause einlegen
Zwischen den Felsplatten konnte man wenigstens ab und zu eine kleine Pause einlegen

Nach einem kurzen Zustieg waren wir an der Einstiegsstelle und legten los. Ein paar Minuten später setzte der Regen ein und der Fels wurde ziemlich rutschig. Die Schwierigkeit nahm dadurch deutlich zu. Über glatte Platten ging es kräfteraubend immer weiter nach oben.

 

Die ein oder andere Stelle war für mich echt nicht ohne, aber die aufmunternden Worte der anderen spornten mich an. Wulf warf an kritischen Stellen immer einen Blick auf uns, um im Bedarfsfall schnell eingreifen zu könne. Der Abschluss stellte eine Seilbrücke dar, die jeder auf seine Art bewältigte.

 

 

Was für ein Service

Es wurde sich prima um uns gekümmert :-)
Es wurde sich prima um uns gekümmert :-)

Der Abstieg durch die Geröllrinne war sehr steil. In vielen Kehren schlängelte sich der Weg bergab. Viele verschiedenen Wege sind hier zu sehen, die aber alle zum Start bzw. Zielpunkt führen.

  

Am Auto angekommen wurden wir mit frisch gebrühtem Latte Macchiato von Wulf verwöhnt. Die Sonne kam auch wieder raus – so lässt sich`s aushalten. 

#Nr2 - Geierwand Klettersteig

Der Geierwand-Klettersteig ist super versichert und ich fühlte mich zu jeder Zeit wohl
Der Geierwand-Klettersteig ist super versichert und ich fühlte mich zu jeder Zeit wohl

Frisch gestärkt ging es nach Heiming zum Geierwand-Klettersteig. Die Sonne blieb draußen und der Fels war trocken – so machte es gleich viel mehr Spaß. Mit der Schwierigkeit C war es ein toller Genuss-Klettersteig.

 

Da wir hier an der Südwand klettern, wird es schnell ziemlich heiß. An warmen Tagen also unbedingt genügend zu trinken mitnehmen. Was mir auffiel, waren die vielen Kunststoffhütchen, die am Stahlseil vor dem Anker angebracht waren. Die Hütchen verhinderten das verkeilen der Karabiner, was das Vorankommen sehr angenehm machte. Außerdem ist es sicherheitstechnisch ein Pluspunkt - im Falle eines Sturzes, verhindern diese eine ungünstige Belastung der Karabiner.

 

Wir hatten wunderschöne Ausblicke auf das Inntal, viel Spaß und Freude an diesem Steig. 

 

Genug für heute

Pausenbänkchen in luftiger Höhe am Geierwand-Klettersteig
Pausenbänkchen in luftiger Höhe am Geierwand-Klettersteig

Nach zwei Klettersteigen war für heute genug.Wir fuhren auf den Campingplatz und bauten dort unsere Zelte auf. Nach einem leckeren Abendessen fühlten wir uns gestärkt für den nächsten Tag. Naja, ich fühlte mich eher total vollgefressen und viel zu schwer und träge.

#Nr3 - Jubiläumsklettersteig Lehner-Wasserfall

Tolle Tiefblicke am Jubiläumsklettersteig Lehner-Wasserfall
Tolle Tiefblicke am Jubiläumsklettersteig Lehner-Wasserfall

Am nächsten Tag stand dann in Längenfeld der Jubiläumsklettersteig Lehner-Wasserfall auf dem Programm. Dieser hat die Schwierigkeit C. Es gibt aber auch noch zwei schwierigere Varianten, die problemlos umgangen werden können.

 

Ich hatte diesen Steig schon mal gemacht, traute mich aber damals nicht über die D/E Stelle. Diese nahm ich mir für dieses mal vor. Nach vielen Mut-Zusprüchen von Anja und Micha, sowie einem Sicherungsseil für meine Psyche, schaffte ich es dann auch. Ich war erleichtert und glücklich, es probiert zu haben. Was vertrauensvolle Menschen um einen herum bewirken können ;-)

Spektakuläres Ende auf der Seilbrücke

Die Seilbrücke über den tosenden Lehner-Wasserfall kann auch umgangen werden
Die Seilbrücke über den tosenden Lehner-Wasserfall kann auch umgangen werden

Heike, Wulf und Wolfgang entschieden sich für die extrem Variante des Klettersteigs, mit einer langen, überhängenden Felswand der Kategorie D/E. Von der Ferne beobachteten wir die drei und bewunderten, wie schnell sie die Wand hinauf krabbelten. 

 

Auf der Seilbrücke, die spektakulär über dem reißenden Wasserfall verläuft, musste dann noch jeder für ein Foto posen.

 

 

#Nr4 - Reinhard Schiestl Klettersteig

Der Reinhard-Schiestl-Klettersteig. Dicht hinter mir, mein Aufpasser Wulf ;-)
Der Reinhard-Schiestl-Klettersteig. Dicht hinter mir, mein Aufpasser Wulf ;-)

Der Reinhard-Schiestl-Klettersteig mit der Kategorie D, liegt fast gegenüber und bot sich daher als nächstes an. Der Steig zeichnet sich durch extrem ausgesetzte und luftige Passagen aus und ist ziemlich armlastig.

 

Ich war mir lange Zeit unsicher, ob ich ihn machen sollte oder nicht. „Das packst du auf jeden Fall, der Leite-Klettersteig war bei dem Regen viel schwerer“, sagten die anderen. Normalerweise verlasse ich mich ungern auf andere, die vier hatten aber so viel Erfahrung und ich vertraute ihnen. Wulf blieb immer dicht hinter mir und gab mir ein Gefühl von Sicherheit. 

 

Etwas verkrampft

Luftige Querungen gibt es hier einige
Luftige Querungen gibt es hier einige

Ich schaute mir im Vorfeld die Topo genau an. Es waren drei Rastplätze eingezeichnet, bei denen ich auch immer eine kurze Pause einlegte. Das war zwar akut nicht immer notwendig, aber ich wusste ja nicht, was mich im nächsten Stück erwartet. Bevor meine Arme schlapp machen, dachte ich, lieber mal vorsorglich kräftig ausschütteln.

 

So ganz wohl war es mir an der ein oder anderen Stelle nicht. Das sieht man auch auf den Fotos, wenn man genauer in mein Gesicht schaut. Erleichtert kam ich oben an. Trotzdem war ich im Nachhinein total froh, es gemacht und geschafft zu haben.

 

 

Gelungenes Wochenende

Unsere coole Gruppe - im Notfall sichern wir uns einfach alle an Guide Wulf ;-)
Unsere coole Gruppe - im Notfall sichern wir uns einfach alle an Guide Wulf ;-)

Das waren also unsere Vier auf einen Streich.

 

Auf der Heimfahrt gab es dann noch eine leckere Pizza im Auto. Es war ein wunderschönes und lehrreiches Wochenende für mich, mit tollen Menschen. Vielen Dank an alle für die Unterstützung, euer Wissen und eure Zusprüche. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr wieder mit euch.

Fazit:

Die vier Klettersteige waren wirklich alle mega cool und absolut empfehlenswert. Gerade diese vier eignen sich in der Kombination super für ein Wochenende. Natürlich sollte man auch wissen, dass die Klettersteige am Wochenende recht voll sind, vor allem der Lehner-Wasserfall. Bei diesem sind wir daher recht früh gestartet.

 

Bei Nässe würde ich den Leite-Klettersteig nicht mehr machen - da hat man sonst echt keine Freude dran. Beim Reinhard-Schiestl-Klettersteig sollte es auch auf jeden Fall trocken sein. Außerdem sollte man bei diesen schon erfahren sein. Klettersteige für den Anfänger sind das (ohne Guide) auf jeden Fall nicht.

 

Der Lehner-Wasserfall eignet sich auch toll für klettersteigerfahrene Kinder. Die schwierigen Varianten sind gut gekennzeichnet und können alle umgangen werden. Auch der Geierwand-Klettersteig ist für Anfänger geeignet. Man sollte allerdings beachten, dass dieser um einiges länger geht, als der Lehner-Wasserfall und viel mehr ausgesetzte Stellen hat.

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Kommentare: 2
  • #1

    Frank (Dienstag, 10 Juli 2018 13:16)

    Hallo Myriam,

    dein Bild "#Nr1 - Leite Klettersteig" zeigt NICHT die Wand, durch die der "Leite Klettersteig" führt, sondern statt dessen die Geierwand bei Haiming im Inntal (nicht: Ötztal, übrigens), durch die der "Geierwand Klettersteig" führt.

    Der so genannten "Platteneinstieg" zum Geierwand KS liegt auf diesem Bild dort, wo der von unten kommende Wald zum Wandfuß führt und dort aus die markanten besonnten Plattenwände zu sehen sind.

    Die Wand, durch die der Leite Klettersteig führt - der liegt ebenfalls NICHT im Ötztal - hast du auf der Übersichtskarte vom Klettergebiet Nassereith als erstes Bild eingestellt.

    Bei den vielen Touren, die du an dem Wochenende gemacht hast, kann man schon mal was durcheinander bringen.

    Beste Grüße aus Garmisch-Partenkirchen,
    Frank

  • #2

    Myriam (Mittwoch, 11 Juli 2018 21:35)

    Hallo Frank,

    vielen Dank für dein Feedback.

    Nassereith (wo sich der Leite-Klettersteig befindet) liegt nicht im Ötztal sondern in Imst - da hast du Recht. Hab es gleich korrigiert. Muss gestehen, Erdkunde war nicht gerade mein bestes Fach in der Schule ;-)

    Was das Bild "#Nr1 - Leite Klettersteig" angeht, kann ich dir leider nicht Recht geben. Das Foto wurde definitiv vor dem Leite Klettersteig von mir aufgenommen. Ich habe gerade extra die Meta-Daten des Fotos angeschaut und sie stammen genau von dem Tag und Uhrzeit, wo wir diesen Klettersteig gemacht hatten. Auch habe ich mir andere Fotos des Leite Klettersteigs im Internet angeschaut (zum Beispiel bei Bergsteigen.com) und da erkenne ich es auch wieder.

    Und ja, auch ich komm mal durcheinander und bin über deine Rückmeldung dankbar :-)

    Liebe Grüße
    Myriam

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