Wintermärchen im Schwarzwald

Auf einsamen Wegen mit den Schneeschuhen auf's Herzogenhorn

Wir setzen die Spuren in den Schnee, so alleine waren wir.
Wir setzen die Spuren in den Schnee, so alleine waren wir.

Das alte Jahr ließen wir mit einer schönen Schneeschuhtour im Schwarzwald ausklingen. Zu Zeiten von Corona sollte man sich ja nicht ins Ausland, wie beispielsweise auch Österreich, begeben. So blieben wir einfach in unserem Bundesland. Auch hier gibt es lohnenswerte Outdoor-Ziele.

 

Auf das 1.415 Meter hohe Herzogenhorn sollte es gehen, das neben dem Feldberg der zweithöchste Berg im Schwarzwald ist.

Eigentlich nicht hoch das ganze, laut Schneeschuhwanderführer zählte die Tour allerdings zu den konditionsstarken und technisch schweren Touren in der Feldbergregion. Ich war gespannt, was uns erwarten würde.

Hauptkriterium für die Planung: nicht viel los

Die Nadelbäume hängen voll mit ganz viel weißem Schnee.
Die Nadelbäume hängen voll mit ganz viel weißem Schnee.

In den Nachrichten kam bereits, dass die Feldbergregion extrem überlaufen sei. Kein Wunder, wenn keiner großartig etwas unternehmen darf, sucht man sich Ziele in der unmittelbaren Umgebung. Wir fuhren daher bereits früh am Morgen los, um vor allen anderen da zu sein. Zudem suchten wir uns eine Tour heraus, die laut Beschreibung wenig begangen wird. Nicht nur wegen Corona wollten wir wenig anderen Menschen begegnen, sondern auch, weil wir die Natur in Ruhe genießen wollten.

 

"Der Abstieg vom Herzogenhorn ins Albtal ist wohl der anspruchsvollste des ganzen Schneeschuhführers. Einsam und abgelegen, kann er - je nach Schneelage und Witterung - auch mal richtig gefährlich werden." So lautet der Anfangstext des Schneeschuhwanderführers von Rainer und Claudia Haas, aus dem wir uns die Tour aussuchten.

Klingt spannend, oder?

 

Es kann los gehn'n

Vom Herumalbern wird einem auch warm, gell Timo ;-)
Vom Herumalbern wird einem auch warm, gell Timo ;-)

Wir kamen auf dem großen, kostenpflichtigen Parkplatz in Menzenschwand an und waren tatsächlich eine der Ersten. Mit wenigen Skitourengängern schnallten wir unsere Schneeschuhe an, packten uns warm ein und liefen los in das Kunkelbachtal.

"Mir ist kalt", jammerte Timo. Unglaublich, dass es Menschen gibt, die scheinbar noch schneller frieren als ich, dachte ich etwas belustigt. 

 

Das erste Wegstück ist flach und super zum einlaufen geeignet. Okay, einziger Nachteil: es wird einem nicht unbedingt warm. Das sollte sich aber bald ändern.

 

Zu kalt - zu heiß

Hier geht's drunter und drüber - ich liebe das!!!
Hier geht's drunter und drüber - ich liebe das!!!

Der Weg zweigte in den Wald ab. Es lag so viel Schnee, dass wir um die schmale Rinne, die künstlich in den Schnee gezogen wurde, wirklich dankbar waren. Der Schnee in der Rinne war festgedrückt und erleichterte uns das Vorankommen erheblich. Wir setzten zum testen unsere Schritte ein paar mal neben die Spur und versanken trotz Schneeschuhe bis zu den Waden im Schnee. 

Vereinzelt lagen Bäume quer, die durch die Schneelast umgedrückt wurden. Unter diesen ging es hindurch, bis wir immer weiter in den dichten Wald vordrangen.

 

"Puhhh, mir ist so heiß", jammerte es wieder. "Zum Glück gibt es genug Schnee, mit dem ich mich kühlen kann", kam es von hinten, kurz bevor mir ein Schneeball entgegen flog.

Aha, wieder machten wir den Fehler, dass wir viel zu warm eingepackt starteten. Mir war es nämlich auch bereits ziemlich warm. Also hieß es erstmal eine Kleidungsschicht ausziehen, ehe es weiter ging.

 

Verdiente Vesperpause

Kleine Rast unter der Schutzhütte, die wie gerufen auftauchte.
Kleine Rast unter der Schutzhütte, die wie gerufen auftauchte.

Wir entledigten uns genau zum richtigen Zeitpunkt unserer Zwischenschicht, denn kurz darauf kam ein knackiger, steiler Anstieg. Dies war wohl die Stelle, bei der im Führer stand, dass hier die Steighilfen der Schneeschuhe aufgeklappt wurden. Wir versuchten es ohne und kamen zwar mit nasser Stirn und etwas außer Atem oben auf dem Hauptweg an.  

 

"Mir knurrt der Magen", sagte ich etwas wehleidig.

"Dann ess was", kam die Antwort.

"Ich kann im Laufen nicht essen, ich muss stehen bleiben". Siehe da, kaum sprach ich den Satz zu Ende, tauchte eine kleine Schutzhütte vor uns auf. Perfekt dachte ich, denn es fing gerade ordentlich zu schneien an. Wir legten eine kurze Rast in der Hütte ein, tranken Tee und mampften unsere mitgebrachten Weckle (für die Nicht-Schwaben: das sind Brötchen).

 

Die Orientierung ist gar nicht so einfach

Menschenmassen suchten wir vergebens. In der Ferne erkannten wir zwei Skitourengeher, weiter nichts.
Menschenmassen suchten wir vergebens. In der Ferne erkannten wir zwei Skitourengeher, weiter nichts.

Frisch gestärkt verließen wir bald darauf den Wald und eine große Lichtung öffnete sich vor uns. Gut das wir ein GPS-Gerät dabei hatten, denn Wege und Schilder erkannten wir hier keine mehr.

 

"Geht es da zum Horzogenhorn hoch?", fragten uns zwei Jungs, die mit nassen Jeanshosen zu Fuß unterwegs waren. "Ja, da geht es rauf, wir wollen auch dort hin".

Teilweise oberschenkeltief steckten sie im Schnee fest und kamen nur schwer voran. Mit den Schneeschuhen waren wir klar im Vorteil und ließen die Jungs bald hinter uns. 

Zwei Skitourengänger schleppten sich vor uns den Hang hinauf, sonst war weit und breit niemand zu sehen.

 

Endspurt auf den Gipfel

Raureiffahnen an jedem Wegpfosten - der Wind pfiff hier oben ordentlich.
Raureiffahnen an jedem Wegpfosten - der Wind pfiff hier oben ordentlich.

Kurz unterhalb des Herzogenhorns angekommen, zog dichter Nebel auf. Wir erkannten gerade noch den vereisten Wegweiser, bevor die Sicht vollends weg war. Zum Glück trafen wir hier auf deutlich mehr Menschen, unter anderem auf zwei Herren mit Hund.

"Der weiß wie es zum Gipfel geht", sagte der eine. Ja super, dann folgen wir dem Hund, dachten wir und machten uns auf Richtung Gipfel. Im Führer steht hier der wichtige Hinweis, dass man dem Sommerpfad nicht folgen soll, da er direkt durch die gefährliche Lawinenschneise führt. Wir hielten uns dicht am linken Waldrand und stiegen zusammen mit unserem vierbeinigen Guide weiter auf.

 

Oben angekommen, tummelten sich hier dann doch zahlreiche Menschen. Vermutlich waren es noch einige mehr, die wir durch den Nebel nur nicht alle erkannten.

 

Vorsicht ist auch am Gipfel geboten: Stichwort "Schneewechte"

Die Schilder erkennt man noch ganz gut, andere Wegmarkierungen aber, erkannten wir nicht mehr.
Die Schilder erkennt man noch ganz gut, andere Wegmarkierungen aber, erkannten wir nicht mehr.

Wir blieben nicht lange am Gipfel, denn es blies ein heftiger Wind. Auch die Aussicht war leider gleich Null. Nur kurz erkannten wir das imposante Gipfelkreuz, bevor es wieder im Nebel verschwand. Bei guter Fernsicht kann man vom Herzogenhorn aus die komplette Alpenkette überblicken. Uns war diese Aussicht heute nicht vergönnt.

 

Auch auf dem Gipfel ist im Winter Vorsicht geboten. 2014/2015 gab es hier einen tragischen Unfall beim Schneeschuhwandern. Ein ausreichender Abstand zur Schneewechte auf der Ostseite ist unbedingt einzuhalten.

 

Einkehr aufgrund Corona nicht möglich

Auch wenn die Sicht ziemlich neblig war, erkannten wir die imposanten Tannen des Schwarzwaldes gut.
Auch wenn die Sicht ziemlich neblig war, erkannten wir die imposanten Tannen des Schwarzwaldes gut.

Nachdem wir etwas orientierungslos um uns blickten, entschieden wir uns, unserem Aufstiegsweg ein Stück bergab zu folgen. Diesen erkannte man gut, da rechts und links Holzpflöcke als Markierungen steckten. Kurze Zeit später verließen wir den Weg und bogen auf den gewalzten Winterwanderweg ab.

 

Auf direktem Weg kamen wir an das Leistungszentrum bzw. den Olympiastützpunkt Herzogenhorn, bei dem man zu Nicht-Corona-Zeiten einkehren kann. Eine heiße Schokolade hätte ich mir dort sehr gerne gegönnt. Statt dessen tranken wir einen Schluck Tee aus unserer Thermoskanne und machten uns auf den Weiterweg - wir hatten noch ein ordentliches Stück vor uns. 

 

Tiefschneefeeling

Im Tiefschnee geht es die einsame Piste hinunter.
Im Tiefschnee geht es die einsame Piste hinunter.

Der Weg bis zum Zellerlift war super zu gehen, da er gewalzt war. Man musste nur acht geben, dass man nicht in die Loipenspur trat. Obwohl der Weg hier präpariert war, war immer noch recht wenig los. Von den angekündigten Menschenmassen im Radio bekamen wir bisher nichts mit.

 

Wir kamen am Lift an. Timo blickte abwechselnd auf seine GPS-Uhr und den Berghang und meinte etwas ungläubig: "müssen wir da echt runter?" 

"Was sagt denn der Track?", wollte ich wissen. "Das wir da runter sollen", meinte er. "Na dann, worauf warten wir noch", sagte ich freudig. 

 

Es machte riesig Spaß, im tiefen Schnee den steilen Hang hinunter zu stapfen. Zugegeben, Schneerutschen konnte man nicht, da der Schnee echt ziemlich tief war und so kamen wir recht langsam voran.

 

Mit dem Schnee auf Tuchfühlung

Im Schnee scheint es schön zu sein ;-)
Im Schnee scheint es schön zu sein ;-)

Hinter mir tat es einen lauten Platscher, gefolgt von einem lauten Lachen. Ich drehte mich um und Timo lag kopfüber im Schnee. Ich mag es, wenn man über sich selber lachen kann und stimmte gleich mit einem jaulenden Lachen mit ein.

 

Es dauerte eine Weile, bis er sich aus dem Schnee kämpfte. Daran erkannte man wie tief der Schnee hier am Hang wirklich war. Der eine Stock steckte bis auf wenige Zentimeter komplett im Schnee. Und zum ersten mal, seit ich Timo kenne, hatte er kalte Hände. Tja, so ist es halt, wenn man sich weigert Handschuhe anzuziehen ;-)

 

Natur pur

Auf unberührten Wegen ging es durch den zauberhaften Schwarzwald.
Auf unberührten Wegen ging es durch den zauberhaften Schwarzwald.

Der nun folgende Weg war durchweg anstrengend, dafür aber auch wunderschön. Unberührte Natur durch und durch - wir waren die Ersten im Schnee und bahnten unseren Weg durch den Tiefschnee. Wir kamen uns wie Schneepflüge vor, die den auftürmenden Schnee vor uns herschoben. Ordentlich ins Schwitzen kamen wir und ich dachte mir, dass so manche Touren in den Alpen zwar technisch schwieriger sind, dafür aber konditionell einfacher (zumindest war das bisher so).

 

Wirkliche Wege erkannten wir nicht, als es teilweise ziemlich durch's Dickicht ging. Um den GPX-Track auf der Uhr waren wir wirklich sehr froh. Jedem der diese Tour nachläuft, würde ich auf jeden Fall auch empfehlen, ein Navi mitzunehmen.

 

Der schwierige Abstieg folgt

Erkennt ihr die Gams in der Bildmitte?
Erkennt ihr die Gams in der Bildmitte?

Der sehr steile und anspruchsvolle Abstieg durch den Osthang hinunter ins Albtal folgte. Der Pfad war so schmal, das wir uns zeitweise sehr unsicher waren, ob wir uns überhaupt noch auf einem Weg befanden.

 

"Sei mal still, da vorne ist ein Tier", flüsterte ich.

"Ein Reh oder ein Wildschwein?", fragte es hinter mir.

"Hast du etwa Angst?", fragte ich etwas belustigt.

Das Wildschwein hätte ich sehen wollen, das sich in über

35 Grad steilem Gelände aufhält ;-)

 

Es war eine Gams, die uns anfangs überhaupt nicht bemerkte. Als sie uns erspähte, sprang sie den steilen Hang hinunter. Auf diesem Weg sahen wir später noch zwei weitere Exemplare. 

Die Gams schien den richtigen Weg zu kennen, zumindest folgten wir ihren Spuren im Schnee und kamen so sicher den steilen Hang hinunter.

 

Fazit der Tour: definitiv empfehlenswert

Ein bisschen Spaß muss sein, dann ist die Welt voll Sonnenschein...
Ein bisschen Spaß muss sein, dann ist die Welt voll Sonnenschein...

Das letzte Stück zurück zum Auto war dann ein gechilltes Auslaufen. Pünktlich zum Sonnenuntergang kamen wir am Parkplatz an. Entweder hatten wir Glück oder waren spät genug dran - Menschenmassen suchten wir auch am Spätnachmittag vergebens. Ich glaube mit unserer Tourenwahl hatten wir auf jeden Fall eine gute Wahl getroffen. 

 

Mir hat die kleine Auszeit vom Alltag sehr gut getan. Solltet ihr eine Tour zu Corona-Zeiten planen, informiert euch vorher über Hotspots und die aktuellsten Regelungen. Aber ich denke das wisst ihr bereits und niemand hat Freude daran, in einem Haufen von Menschen die Natur zu genießen. Denn Ruhe sucht man da sicher vergebens. 

In diesem Sinne - bleibt gesund :-)

 

Du möchtest die Tour auch gehen? Hier findest du den GPX-Track dazu:

Wie hat euch der Artikel gefallen?

Wart ihr auch schon mal auf Schneeschuhtour?

 

Schreibt mir gerne in den Kommentaren.


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Kommentare: 2
  • #1

    Michael Roth (Freitag, 29 Januar 2021 14:08)

    Ich liebe das Herzogenhorn. Bei weitem nicht so überlaufen wie der große Bruder Feldberg. Dein Bericht macht Lust darauf die Schneeschuhe zu schnappen und ab in den Schnee

  • #2

    Myriam (Dienstag, 02 Februar 2021 17:41)

    Vielen Dank Michael. Freut mich sehr, dass meine Schneeschuh-Lust auf dich übergesprungen ist ;-).

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