Kanu-Guide Ausbildung in Frankreich

Wasser findet immer seinen Weg, folge ihm und du findest deinen eigenen

Noch mal alles gegen die Strömung geben, am Pont d'Arc auf der Ardéche
Noch mal alles gegen die Strömung geben, am Pont d'Arc auf der Ardéche

Was soll ich sagen, ich war mega aufgeregt vor dieser Herausforderung, machte mir doch die Gewalt des Wassers ziemlich Angst. Noch dazu eine Prüfung abzulegen - oh je, das ließ meinen Puls in die Höhe schnellen.

 

Rückblickend war es eine mega coole Woche am Chassezac und der Ardéche. Ich hab unglaublich viel gelernt, hatte witzige Leute um mich rum und sehr viel Spaß. Der Respekt vor dem Wasser ist geblieben, aber die Angst wurde definitiv weniger. Jetzt heißt es immer schön weiter üben, üben, üben und damit immer sicherer werden.

 

Lernen in einer wundervollen Umgebung

Beeindruckende Felsformationen um Ufer des Chassezac.
Beeindruckende Felsformationen um Ufer des Chassezac.

Im April diesen Jahres war es soweit. Zusammen mit sechs anderen Teilnehmern stellte ich mich der vier tätigen Ausbildung zum Kanuguide des Bundesverband Kanu e.V.

 

Warum sollte man Lernen nicht mit etwas Schönem verbinden? So entschied ich mich die Ausbildung in Frankreich, auf dem Fluss Chassezac durchzuführen. Natürlich bot der BV-Kanu auch Ausbildungen hier in der Nähe an. Aber ich kann euch sagen, das Lernen und vor allem das Zurechtkommen mit meiner Prüfungsangst, fiel mir hier in dieser tollen Gegend in Frankreich viel leichter. Ein großer Teil trug natürlich auch unsere harmonische Gruppe und unsere beiden geduldigen Ausbilder Klaus und Michel bei.

 

Vor der Vorfreunde kommt erst mal die Unsicherheit

Gespannt lauschen wir den Erklärungen unseres Trainers Klaus.
Gespannt lauschen wir den Erklärungen unseres Trainers Klaus.

Puhhhh, erst mal stand die über acht stündige Fahrt nach Frankreich an. Zum Glück war ich überwiegend nur Beifahrerin und Micha saß am Steuer. Die anderen Teilnehmer reisten schon einen Tag früher an.

 

Ich erinnere mich noch genau, als wir am Campingplatz Le Vieux Moulin ankamen und die anderen in voller Montur gerade vom Kanu fahren zurückkamen. "Die können das bestimmt alle schon und sehen total professionell aus", flüsterte ich damals unsicher Micha zu. Eine meiner Eigenschaften, die ich bisher nicht ablegen konnte, die Unsicherheit und Selbstzweifel vor neuen Situationen.

 

Natürlich waren alle super nett und schnell fühlte ich mich in der Gruppe wohl. Die Vorfreunde auf die kommenden Tage stieg.

 

Es geht nichts über eine gute Versorgung

Erst mal sollten wir die Theorie an Land verstehen, bevor es auf das Wasser ging.
Erst mal sollten wir die Theorie an Land verstehen, bevor es auf das Wasser ging.

Morgens bereiteten wir gemeinsam unser Frühstück im großen Küchenzelt zu. Ich kann euch sagen, die Schokocroissants in Frankreich sind wirklich ein Gedicht. Genauso wie der Käse, die Oliven, die getrockneten Tomaten, der Schinken, die Salami....ok, ich hör jetzt besser auf. Allein schon bei dem Gedanken an das Essen von damals, lässt mir das Wasser im Munde zusammen laufen. Ihr könnt euch auf jeden Fall sicher sein, verhungern mussten wir nicht ;-)

 

Gut gestärkt (teilweise etwas überfressen), konnten wir in den lehrreichen Tag starten. Eine gute Mischung aus Praxis und Theorie stand uns bevor.

 

Geballtes Wissen

Eigentlich sollte man Michel mit dem roten Eimer treffen. Naja, ich schoss Uli ab ;-)
Eigentlich sollte man Michel mit dem roten Eimer treffen. Naja, ich schoss Uli ab ;-)

Unser sehr erfahrener Dozent Klaus erklärte uns mit viel Begeisterung und einem unglaublichen Wissen alles rund ums Wasser, Material, Paddeltechnik, Sicherheit und vieles mehr. Kleine Spielchen lockerten die Theorie auf. Sehr anschaulich war die Strömungslehre, bei denen wir Teilnehmer die Wassermoleküle bildeten und uns unseren Weg durch das Flussbett suchten.

 

Ein bisschen Praxis gab es auch an Land - das Seilsackwerfen stand auf dem Programm. Wie man dem Bild entnehmen kann, definitiv noch etwas, dass ich üben muss. Werfen war noch nie meine Stärke.

 

Noch kein Meister ist vom Himmel gefallen

Bei der T-Bergung schiebt man das gekenterte Kanu über sein eigenen Boot, leert somit das Wasser aus und schiebt es dann wieder in das Wasser zurück. Anstrengend auf jeden Fall, aber es funktioniert.
Bei der T-Bergung schiebt man das gekenterte Kanu über sein eigenen Boot, leert somit das Wasser aus und schiebt es dann wieder in das Wasser zurück. Anstrengend auf jeden Fall, aber es funktioniert.

Mit Neoprenanzug, Helm und Rettungsweste ausgestattet, ging es auf den Chassezac. Die verschiedenen Paddelschläge, die bei Klaus und Michel wie gespielt aussahen, kosteten uns einiges an Kraft - gedanklich als auch körperlich. Wir nahmen uns viel Zeit zum Üben und Klaus war wirklich sehr penibel mit uns. Jeder Paddelschlag musste akkurat ausgeführt werden. Die Körperhaltung, das Paddelblatt, die Bewegung, er hatte auf alles seine Adleraugen gerichtet - ich mag solche Trainer :-)

Und auch wenn es so langsam immer besser funktionierte, so war mein Gesichtsausdruck nach wie vor sehr angespannt und konzentriert. Puhhhh, auf jeden Fall auch etwas, dass ich bis zur Prüfung ablegen musste.

 

Natürlich gehörte auch die Boot-über-Boot Bergung (oder auch T-Bergung genannt) zum Pflichtprogramm. Trotz des kalten April-Wassers, machte es mega viel Spaß, sich in die Fluten zu stürzen. Und beim "bergen" wurde einem dann eh wieder ziemlich schnell warm.

 

Der Abend vor der Prüfung

Das meinte ich mit angespanntem Gesichtsausdruck ;-)
Das meinte ich mit angespanntem Gesichtsausdruck ;-)

Unsere Abende auf dem Campingplatz waren immer sehr lustig, harmonisch und laut. Haha, ja laut, weil wir oft am Lagerfeuer saßen, Michel Gitarre spielte und wir mehr oder weniger gut dazu sangen. Eigentlich etwas, das man viel öfter tun sollte, dachte ich an den Abenden oft. 

 

Am heutigen Abend saß ich allerdings ziemlich aufgeregt mit Micha und Uli in unserem Mobilehome und büffelte. Zig mal bin ich die Gruppen-Einweisung durchgegangen und hab Paddelschläge in der Luft ausgeführt. Selbst wenn ich heute an den Abend zurückdenken, bin ich schon wieder aufgeregt. Prüfungsangst - oh ja, ich hab sie definitiv.

 

Der große Tag

Eine der kniffeligsten Stellen, auch wenn es auf dem Foto jetzt ziemlich unspektakulär aussieht.
Eine der kniffeligsten Stellen, auch wenn es auf dem Foto jetzt ziemlich unspektakulär aussieht.

Am nächsten Morgen ging es los. Unsere Gruppe wurde geteilt - Jungs und Mädels. Wir Mädels waren die ersten, die geprüft wurden. Darüber war ich echt froh, denn jede Stunde die ich hätte warten müssen, hätte mich innerlich nur noch mehr aufgewirbelt. Ich musste trotzdem warten, da ich innerhalb unserer Gruppe die Letzte war.

 

Wir fuhren den Flussabschnitt, auf dem die Prüfung stattfand, bereits an einem anderen Tag komplett ab. Alle kniffligen Stellen schauten wir uns genau an und besprachen diese. Also theoretisch hatten wir das alles schon mal gemacht. Wäre da nicht der Wasserstand, der sich hier auf dem Chassezac sogar stündlich ändern kann und wäre da nicht die Prüfungssituation, die der einer richtigen Gruppenführung nachempfunden war.

 

Aufregung pur

Immer wieder tun sich fantastische Felswände am Ufer des Flusses auf.
Immer wieder tun sich fantastische Felswände am Ufer des Flusses auf.

Von der richtigen Linie zum fahren, über die korrekte Ansprache an die Gruppe, das sichere Auftreten, ein bisschen Small-Talk hier und da, all das gehörte natürlich dazu. Die beiden Mädels machten ihre Sache gut und bestanden. Jetzt war ich an der Reihe.

 

Ich schickte in Gedanken ein kleines Stoßgebet zum Himmel und wünschte mir, das kein Wind aufkam. Tags zuvor ging an dieser Stelle ein so heftiger Wind, dass ich das Kanu nicht mehr im Griff hatte und total abgetrieben wurde. An einer anderen Stelle verlor eine Teilnehmerin ihr Paddel und ich dachte nur "oh shit". Aber irgendwie hatte ich es im Griff und bestand ebenfalls die Prüfung - mir fiel ein ganzer Fels vom Herzen.

 

 

Wir reiten vor Glück auf den Wellen

Das ungefähr ist Wellenreiten und da lach ich sogar mal :-)
Das ungefähr ist Wellenreiten und da lach ich sogar mal :-)

Zur Feier des Tages gingen wir am nächsten Tag alle zusammen entspannt auf der Ardéche auspaddeln. Es war ein wunderschöner, sonniger Tag und eine absolut fantastische Strecke.

 

Zwischendurch hatten wir mit allerlei Spielereien viel zu lachen und lernten nebenbei noch Wellenreiten. Dabei fährt man mit dem Kanu gegen die Strömung auf die Welle auf und hält an einer bestimmten Stelle an. Wenn man es richtig angestellt hat, hält einen die Welle auf der Stelle.

Unzählige Spielplätze


Wir verbrachten bis zum Pont d'Arc Stunden auf dem Wasser. So mega lang war die Strecke eigentlich gar nicht, aber wir fanden wirklich überall unsere Spielplätze. Kurz bevor der stark verblockte Abschnitt vor dem berühmten Pont a'Arc anstand, meinte unsere Wildwasserfahrerin Marion voller Euphorie: " ihr müsst auf diesem Abschnitt mindestens fünf Kehrwässer anfahren, sonst bin ich beleidigt. Schafft ihr es nicht, müsst ihr euer Boot wieder nach oben tragen und es nochmals versuchen."

Das schaff ich nie im Leben, kam es mir gleich. "Probier es", sagte Marion und hatte die ganze Zeit einen Blick auf mich. Komm hier her, fahr dort hin und dann nochmals in das hier - und schwupps, auf einmal hatte ich sogar mehr Kehrwässer angefahren als gewünscht war und ich war happy.

 

Richtig spaßig wurde es dann noch am Ende, als ich mit Michel im Boot saß und wir so richtig Speed auf's Boot brachten. Ich gab wirklich alles, als wir gegen die Strömung ankämpften, was man den Bildern deutlich ansieht :-P.

 

Empfehlung von Herzen

Happy End am Pont d'Arc
Happy End am Pont d'Arc

Insgesamt waren wir eine Woche hier. Ich habe unglaublich viel gelernt, viel Sicherheit bekommen und hatte jede Menge Spaß. Die Ausbildung beim BV-Kanu* kann ich zu 100% empfehlen. Die Trainer Klaus und Michel haben absolut super Arbeit geleistet, brennen beide für das Kanu fahren, das Vermitteln von Wissen und zeichnen sich durch ihre liebe Art einfach aus. Kurse gibt es natürlich auch in Deutschland.

 

Wollt ihr auch mal mit dem Kanu auf dem Wasser unterwegs sein? Ich verlinke euch hier mal die Seite von Michel. Er bietet mit Out-Active* neben verschiedenen Erlebnispädagogischen Aktivitäten unter anderem Kanu fahren an. Von einzelnen Tagen beispielsweise auf der Donau, findet ihr bei ihm auch mehrtägige Ausfahrten auf der Moldau, dem Allier und der Loire. Mit ihm habt ihr garantiert immer jede Menge Spaß und lernt nebenbei noch einiges dazu.

 

*unbezahlte Werbung, die von Herzen und Überzeugung kommt.

 

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