Mallorca Etappe 3 des GR 221 - von Ses Fontanelles nach Estellencs

Auf einsamen Pfaden durch die wilde Serra de Tramuntana

Mehrtagestrekking auf dem GR 221 auf Mallorca - Etappe 3 der Wanderung von Ses Fontanelles nach Estellencs
Wir blicken hinab nach Ses Fontanelles, von wo aus wir am Morgen gestartet sind.

Die fast 700 Höhenmeter Anstieg, gleich zum Beginn der 3. Etappe lohnen sich gewaltig. Oben angekommen, stehen wir auf einer tollen Gebirgsfläche, am Fuße des fast 1.000 Meter hohen Mola de S'Esclop. Der Weg bis hier hin ist wild, so wie ich es gerne mag - umgestürzte Bäume, ausgesetzte Stellen, wegloses, felsiges Gelände. Wieder sind wir Anfang Oktober so gut wie alleine unterwegs - wir trafen definitiv mehr Schafe als Menschen ;-)

 

Hinab geht es nach Estellencs, einem kleinen, ursprünglichen Bergdorf mit schönen, mittelalterlichen Gebäuden. Wunderschön bettet sich das Örtchen zwischen dem Gebirge der Serra de Tramuntana und dem Mittelmeer ein. Wir nahmen noch einen kleinen Abstecher zur Bucht auf uns. Ob wir dort auch wirklich baden konnten?

Ein guter Start in den Tag, dank Erholung im Refugio Ses Fontanelles

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Noch etwas verschlafen ging es zum Frühstück.

Ich hatte sehr gut in meinem Stockbett, in der Wanderherberge Ses Fontanelles geschlafen. Obwohl noch ein paar weitere Wanderer hier schliefen, war es im Schlafraum ruhig und keiner schnarchte. Nach dem Frühstück packten wir unsere Rucksäcke und machten uns zusammen mit vier weiteren Wanderern auf zur 3. Etappe des GR-221. 

 

Gleich zu Beginn ging es bergauf, was die nächsten ca. 700 Höhenmeter auch so bleiben sollte. Das Höhenprofil dieser heutigen Etappe ist ganz einfach - hoch und wieder runter, dazwischen gibt es nichts ;-)

Vermutlich von einem Sturm und teils durch einen Brand, lagen viele Bäume quer. Wir kamen an ein kleines Wiesenplateau, von dem wir einen wunderbaren Ausblick hinunter zum Refugio hatten. Die Berge und Hügel, die Richtung Meer lagen, schimmerten teilweise bereits in der Morgensonne. Auf der Wiesenfläche entdeckten wir auch einen Wanderer vom Vorabend, der hier nächtigte. Einen besseren Platz hätte man sich wirklich nicht aussuchen können.

 

Teilweise weglos verläuft der GR-221 bergauf

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Ziemlich wild ist hier die Landschaft, kurz oberhalb von Ses Fontanelles.

Der Weg wurde felsiger und teilweise ging es weglos weiter. Verlaufen konnte man sich nicht wirklich, man musste einfach irgendwie nach oben kommen. Es machte Spaß, sich den Weg hinauf zu bahnen. Ein frischer Wind strich uns um Arme und Waden. Als wir die nächste, offenen Fläche erreichten, zeigten sich uns dunkle Wolken. Es wird doch wohl nicht zu regnen oder schlimmer noch zu gewittern anfangen? Wir blieben optimistisch.

 

Kurz darauf kamen wir in eine dichte Nebelfront. Obwohl die Sicht am heutigen Tag nicht perfekt war, erfreuten wir uns an der mystischen Nebelstimmung. An manchen Stellen zog der Nebel mit einem beeindruckenden Tempo an uns vorbei und ließ uns leicht frösteln.

 

Wild geht es oberhalb des Meeres weiter

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Schwindelfrei sollte man hier an diesem Wegstück schon sein.

Immer wieder begegneten wir einer älteren, allein reisenden Deutschen und einem geselligen Dänen, der sich ihr anschloss. Legten wir einen längeren Fotostop ein, holten die Beiden wieder auf. Bevor wir sie sahen, nahmen wir sie bereits von Weitem wahr - der Däne hatte eine sehr redselige Art und quasselte lautstark am laufenden Band. Es war interessant, ihm eine Weile zuzuhören. Er war 3 Jahre lang auf Weltreise, was ich sehr faszinierend fand und aus deren Erinnerung er vermutlich immer noch viel Energie zieht.

 

An einer felsigen Stelle, die sich direkt oberhalb des Meeres befand, mussten wir acht geben. Der Weg war hier etwas abgerutscht. Wieder lagen einige verbrannte Bäume quer, über die wir steigen oder darunter hindurch schlüpfen mussten.

 

Die Serra de Tramuntana zeigt sich von ihrer abwechslungsreichen Seite

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Vor uns liegt der markante Felsklotz "Es Castellet" - der Aufstieg für die heutige Etappe ist geschafft.

Eine weite Fläche tat sich vor uns auf - es schien so, als hätten wir den Aufstieg des heutigen Tages geschafft. Das Wetter spielte mittlerweile verrückt. Wir erfassten gerade erst die tolle Landschaft, mit ihrem markanten, alleinstehenden Felsen. Sekunden später, waren wir eingehüllt von einer grauen Nebelsuppe.

 

Alleine waren wir hier draußen nicht. Einige Schafe leisteten uns Gesellschaft. Puhhh, die sahen manchmal ganz schön verwildert aus. Eins tat mir besonders Leid - die Wolle hing total verfilzt von ihm herab und erschwerte ihm sichtbar das Laufen. 

 

Unterwegs gibt es auf der heutigen Etappe keine Einkehrmöglichkeit

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Essen gibt es hier in der Fina Coma d'en Vidal leider nicht - gut gelaunt geht es trotzdem weiter.

Mit dem Abstieg wurde auch das Wetter wieder besser. Der Himmel wurde blau, die Pinien leuchteten saftig grün und die Sonne wärmte meinen Nacken. Der Weg war ab hier gut ausgeschildert. Wir kamen an der Finca Coma d'en Vidal vorbei, die eine Wanderherberge ist. Allerdings kann man diese nur als Ganzes mieten. Leider ist sie auch nicht bewirtschaftet, was wir traurigerweise feststellen mussten. So ein kleiner, landestypischer Snack, wäre jetzt schon ganz nett gewesen.

 

Statt dessen ging es teilweise auf Asphalt stetig und steil bergab. Wir kamen hier zwar gut voran, trotzdem fühlte sich der Asphalt für die Kniegelenke nicht so toll an.

 

Eine wunderbare Aussicht auf die Steilklippen, sind auf dem GR-221 keine Seltenheit

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Unten in der Ferne können wir bereits unser Etappenziel "Estellencs" erkennen.

Die Aussicht von hier oben hinab nach Estellencs war traumhaft schön. Etwas von den Steilklippen ins Landesinnere versetzt, liegt dieses kleine Bergdorf. Vom Massentourismus ist dieses Örtchen noch weitestgehend verschont und bietet so einen tollen, mallorquinischen Flair. Doch ich möchte nicht zu viel verraten, denn noch sind wir nicht da.

 

Wir stießen auf die Landestraße Ma-10, an der es ein paar Meter entlang ging, bevor der Pfad wieder abbog. In Serpentinen geht es nun weiter abwärts, bis man direkt in das beschauliche Örtchen kommt.

 

Siesta in Estellencs - dem 3. Etappenziel des Fernwanderwegs auf Mallorca

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Im kleinen Dorf Estellencs gibt es einige Bauten die aus dem Mittelalter stammen.

Estellencs steht für Ruhe und Tradition und dies wollten wir auch erstmal zelebrieren. Wie gelingt dies besser, als mit einem spanischen Vorspeiseteller bestehend aus leckeren Oliven, Käse und Schinken. Um die Siesta auch voll auszukosten, gab es natürlich noch einen Cappuccino und besonders leckere Ensaimadas zum Nachtisch. Nachteil dieser Genusspause - man will nicht mehr aufstehen ;-)

 

Vor allem wenn man an so einem tollen Plätzchen sitzt. Von der Terrasse des Restaurants konnten wir auf der einen Seite das blaue Meer und auf der anderen Seite das raue Tramuntana Gebirge bewundern - ein wirklich herrlicher Platz für eine Siesta.

 

Hinab zur beschaulichen Cala d'Estellencs

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Einfach nur traumhaft, der Blick hinab zur kleinen Cala d'Estellencs,

Die Aussicht auf ein erfrischendes Bad im Meer, konnte uns losreißen. In ca. 45 Minuten ging es vom Ort bergab zur Bucht. Bevor wir die Bucht erblickten, hörten wir bereits das laute Tosen der Wellen. Ok, da gehen wir heute besser nicht ins Wasser - das wäre lebensgefährlich und dumm. Schade, denn ich hatte mich echt sehr darauf gefreut.

 

Der Fernwanderweg GR-221 führt leider nicht oft direkt am Strand entlang. Das Meer hat man zwar fast immer im Blick, doch meistens nur von oben. Naja, für uns war es jetzt nicht weiter schlimm, denn wir hatten nach unserer Trekkingtour noch ein paar Tage zum Chillen am Strand geplant (ok, wir waren da dann auch nochmals Wandern, weil's einfach so schön war...).

 

Das Baden in der Bucht von Estellencs entfiel, dafür gab es spektakuläre Bilder

Die Wellen schlugen mit einer bombastischen Kraft gegen die Steilküste. Die Kieselsteine vom Strand wurden hin und her gespült und rasselten lautstark über den Grund - ein tolles Geräusch fand ich, das die Kraft des Wasser, zusammen mit der Brandung hörbar machte.

 

Ich wollte noch unbedingt ein Foto von mir haben, auf dem auch die Gischt zu sehen war. Schritt für Schritt ging ich auf dem Steg weiter nach vorne. Ok, die nächste Welle wird bestimmt gut werden, dachte ich mir. Oh ja, sie war gut - so gut, dass ich komplett durchnässt wurde und das Wasser in meinen Wanderstiefeln stand. Das Bad hatte ich zwar nicht bekommen, dafür aber eine gratis Dusche ;-)

 

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Zu Gast im ältesten Gebäude des Dorfes

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Etwas abseits des Örtchens Estellencs, gibt es einige tolle Fincas, inmitten von grüner Natur.

Wir brachen wieder auf und liefen auf dem gleichen Weg hinauf nach Estellencs. Meine Schuhe schmatzten vom Wasser - zum Glück war es noch ziemlich warm und die Kleidung trocknete schnell.

 

Ein älterer Mallorquiner werkelte in einer Höhle herum. Interessiert schauten wir zu ihm. Er schien das zu spüren und lud uns ein, seine Wohnhöhle zu besichtigen. Sein Garten grenzte an eine Felswand, in der sich eine Türe befand. "Diese Wohnhöhle ist über 200 Jahre alt", erklärte er uns auf englisch. "Es ist das älteste Gebäude dieser Stadt". Wir freuten uns sehr, dass wir diese Höhle anschauen durften. Hinter der Türe tat sich ein großer Raum auf, der in einen Weiteren über ging. Ein Kanonenofen stand bereits drinnen. "Ich richte diese Höhle wieder her, mit Badezimmer, Küche und allem was dazu gehört", erzählte er uns stolz. Wow, von außen hätte wir diese Größe überhaupt nicht erwartet. 

 

Genuss pur, am Ende der 3. Etappe unserer Trekkingtour auf Mallorca

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Sobald die Sonne unter geht, wird es im Oktober auf Mallorca doch etwas frisch. Gut, dass wir noch Jacken eingepackt hatten.

Wir verabschiedeten uns von dem netten Herren und liefen noch ein Stück der nächsten Etappe weiter. Bevor wir Estellencs verließen, kauften wir im kleinen Supermarkt des Dorfes noch das Nötigste ein. Obwohl der Laden total klein ist, gibt es wirklich alles was man braucht.

 

Die Sonne ging bereits langsam unter und tauchte die Umgebung in ein goldenes Licht. "Hier ist doch ein toller Platz, um den Sonnenuntergang zu genießen", sagte ich. Wir waren beide der gleichen Meinung und blieben. In absoluter Ruhe genossen wir unser vorhin gekauftes Baguette, die Oliven, den Käse und Schinken. Draußen und nach getaner Arbeit, schmeckt es doch am Besten.

 

Reiserinnerungen festhalten

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Die beste Gutenachtgeschichte - einen Sonnenuntergang live zu erleben :-)

Wie jeden Abend hielt ich das Erlebte in meinem Reisetagebuch fest, das später dem Verfassen meiner Blogartikel dient. Er ist etwas tolles, den Tag am Abend nochmals Revue passieren zu lassen. Viel zu oft sind wir von Eindrücken regelrecht erschlagen und erinnern uns nicht mehr an die vielen kleinen Momente - das Schreiben hilft mir dabei.

 

Lila und orange - in Kombination einer der schönsten Sonnenuntergänge, die wir auf Mallorca erleben durften. Noch dazu die tollen Silhouetten der Bäume und später der Mond, der uns ins Gesicht schien. Ein fantastischer Tag ging zu Ende.

 

Ihr wollt die Tour auch gehen? Hier findet ihr den GPX-Track zur 3. Etappe:

Den Übersichtsartikel mit Tipps und weiteren Infos zum GR 221 findet ihr hier.

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