Gletscherweg Innergschlöss/ Schlatenkees

Dem ewigen Eis so nahe, ohne kalte Füße zu bekommen

An der Gletscherzunge - einfach nur atemberaubend schön, oder?
An der Gletscherzunge - einfach nur atemberaubend schön, oder?

Ein absolutes Highlight in der Region Osttirol stellt der Gletscherweg Innergschlöss dar. Vom Matreier Tauernhaus starten wir in eine atemberaubende Naturlandschaft.

 

Fast minütlich ändert sich die Landschaft. Anfänglich durch ein fast schon tropisch wirkendes Pflanzenmeer, sitzen wir später an einem wunderschönen Bergsee. Kurz darauf laufen wir über glatt geschliffene Felsen und stehen in einer kargen Landschaft. Ein kühler Wind weht uns um die Ohren und signalisiert uns, dass wir fast am Gletscher angekommen sind.

 

Ich bin schon viele Wege in den Bergen gelaufen, aber dieser hier, war wirklich ganz besonders für mich. Warum? Seht selbst...

 

Schönster Talabschluss der Ostalpen

Ein toller Ort, um die Seele baumeln zu lassen.
Ein toller Ort, um die Seele baumeln zu lassen.

Auch dieses mal waren wir wieder mit den Wanderdörfern Österreichs auf Tour. Drei Tage waren wir in der Region Osttirol, genauer gesagt in Matrei unterwegs, und haben die Bergwelt erkundet. Tags zuvor hatten wir einen beeindruckenden Gipfel erklommen - die Bretterwandspitze (hier geht's zum Artikel).

 

Heute war leider bereits unser Abreisetag, den wir trotzdem nochmals ausgiebig nutzen wollten. Eine mittelschwere Bergtour im schönsten Talabschluss der Ostalpen - ich würde sagen eine perfekte Genusstour für unseren Ausklang des Wandersommers.

 

Mit dem Panoramazug ein paar Kilometer sparen

Mit dem Gschlösser-Panoramazug spart man sich einige Meter und hat trotzdem alles im Blick.
Mit dem Gschlösser-Panoramazug spart man sich einige Meter und hat trotzdem alles im Blick.

Mit dem Bus ging es zum Matreier Tauernhaus, bei dem es auch einen kostenpflichtigen, öffentlichen Parkplatz gibt. Wir ließen es heute ruhig angehen und gönnten uns eine ca. 20 minütige Fahrt mit dem Gschlösser-Panoramazug, bis zu dem Almendorf Innergschlöss. Der Name täuscht, denn es handelt sich nicht um einen klassischen Zug, sondern um einen Traktor mit einem großen Panorama-Anhänger. So kommen vor allem auch kleine Kinder und Senioren, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, in den Genuss den schönsten Talabschluss live zu erleben.  

 

Hin und zurück kostete die Fahrt 12€, wobei man auch nur eine Strecken buchen kann. Zu Fuß würde der Weg ca. 1,5 bis 2 Stunden dauern. Größtmögliche Flexibilität hat man hier also.

 

Zurück in alte Zeiten - Almendorf Innergschlöss

Direkt am Gschlössbach liegen die romantischen Almhütten von Innergschlöss.
Direkt am Gschlössbach liegen die romantischen Almhütten von Innergschlöss.

Bereits die Almhütten von Innergschlöss sind wunderschön und einen Besuch wert. Teilweise können diese sogar gemietet werden. In manchen befinden sich kleine Läden, die nette Souvenirs verkaufen. Sehr gerne hätte ich in den urigen Häusern umhergestöbert. Doch unsere Zeit war heute aufgrund der Heimfahrt begrenzt und so machten wir uns auf, zu unserer geplanten Tour.

 

Die ersten paar Meter legten wir auf einer schönen Schotterstraße zurück. Einige Spaziergänger kamen uns entgegen. Bereits vom Weg aus ist der beeindruckende Gletscher, sozusagen für jedermann zu erkennen. Man muss kein Bergsteiger sein, um von weitem diese Traumkulisse zu erleben.

 

Üppiges Grün umgibt uns

Hier wächst es wie im Urwald und das mitten in den Bergen.
Hier wächst es wie im Urwald und das mitten in den Bergen.

Bald darauf zweigt der Weg links ab - wir hatten den Einstieg zum Gletscherweg gefunden und befanden uns schlagartig in einer anderen Welt. Überall wuchsen Farne, Sträucher und Blumen. Wasser plätscherte sachte über Moose und Steine an den Hängen hinunter. Ein feucht-warmes Klima herrschte. "Das ist ja wie im Jurrasic Park", staunte Timo und ja, er hatte irgendwie recht. Fehlten nur noch die Dinos ;-)

 

Nach der nächsten Kehre standen wir in einem blau-lila Meer aus Blumen. "Oh wooow", musste ich mit offenem Mund gefühlt minütlich gesagt haben, denn Timo war schon jedes mal am Lachen.

 

Was für ein schöner Weg

Bei so einer traumhaften Landschaft, gehören Pausen definitiv dazu. Was meint ihr?
Bei so einer traumhaften Landschaft, gehören Pausen definitiv dazu. Was meint ihr?

Der Weg war bereits zu Beginn wunderschön angelegt - Platte an Platte, Steintreppe an Steintreppe. Bestimmt war das eine anstrengende Arbeit, den Weg so zu gestalten. Doch sie hat sich gelohnt - definitiv einer der schönsten angelegten Wege, die ich bisher gelaufen bin.

 

Wir hatten den Anfangsaufstieg geschafft und so langsam zeigte sich auch der Gletscher wieder, der zuvor noch durch die vielen Kehren verborgen blieb. Wisst ihr welcher Berg in der Venedigergruppe, die wir hier vor uns sehen, der höchste ist?

 

Ich verrate es euch:

es ist mit 3.657 Metern Höhe der Großvenediger. Es ist der zweite Schneerücken von rechts im Bild. Kaum zu glauben, oder? So kann ein Foto von der Perspektive täuschen.

 

Einfach abschalten und genießen

Die Wolken spiegeln sich im Salzbodensee.
Die Wolken spiegeln sich im Salzbodensee.

Schweren Herzens erhoben wir uns wieder von unserem Bänkchen - zu gerne hätte ich noch eine Weile die Kulisse genossen. Doch das nächste Highlight lies nicht lange auf sich warten.

 

Eingebettet von saftig grünen Wiesen, tauchte der Salzbodensee vor uns auf. "Hier am Ufer könnte ich gleich wieder eine Pause einlegen", seufzte ich verträumt. Der Weg ist wirklich absolut etwas für Genießer. Einige Wanderer denen wir begegneten, erzählten mir, dass sie jedes Jahr einmal hier her kommen um abzuschalten. Das konnte ich jetzt absolut nachvollziehen. Ich hätte auch sehr gerne mehr Zeit gehabt, um diese wundervollen Orte noch länger in mich aufzusaugen.

 

Ein Highlight jagt das nächste

Das "Auge Gottes", wie man zu diesem Grasteppich mitten im See sagt.
Das "Auge Gottes", wie man zu diesem Grasteppich mitten im See sagt.

Ein paar Schritte weiter legten wir gleich wieder eine Pause ein. "So kommen wir nie ans Ziel", scherzte Timo. Daher mein Tipp an euch: nehmt euch definitiv viel Zeit um diesen besonderen Weg ausgiebig und in aller Ruhe zu genießen. 

 

Ein weiterer, außergewöhnlicher Platz ist das "Auge Gottes", wie es hier genannt wird. Ein kleiner Teich in der Senke, in dessen Mitte ein runder Kreis aus grünem Gras wächst. Ein wunderschönes Naturschauspiel und so viele Möglichkeiten, auf den Wiesenhängen zu sitzen und dieses Bild auf sich wirken zu lassen. Wir hatten so wahnsinnig Glück mit dem Wetter und hatten dazu noch einen tollen Blick auf die weißen Gletscher im Hintergrund. Für mich war es der perfekte Tag :-)

 

Buntes Blüten-Meer

Was für ein Kontrast - bunte Blumen im Vordergrund und karge Gletscher im Hintergrund
Was für ein Kontrast - bunte Blumen im Vordergrund und karge Gletscher im Hintergrund

Die Gletscher ab sofort immer im Blick, schlängelte sich der Weg sanft ansteigend nach oben. Hinter jeder Kehre wartete eine neue Überraschung auf uns.

 

Gelb, lila, weiß, blau, rot... ein Teppich voller bunter Blumen leuchtete uns entgegen. Wow, was für eine zauberhafte Blumenwiese das war. Wir waren damals Anfang August hier unterwegs und schon allein wegen der Farbenpracht der Blumen, würde ich diese Jahreszeit wieder wählen. 

 

Kaum vorstellbar, dass wir Minuten später eine komplett andere Landschaft vorfanden - wir näherten uns dem Gletscher immer weiter.

 

Zeugen der Zeit - der Gletscherschliff

Wegfindung auf dem Gletscherschliff
Wegfindung auf dem Gletscherschliff

Über Tonnen von glatt geschliffenen Felsen ging unser Weg weiter. Die Markierungen waren gut zu erkennen und so kamen wir zügig voran. Es machte total viel Spaß, über die langgezogenen, glatten Felsen zu springen, an ihnen hoch und runter zu laufen und das ein oder andere mal etwas zu kraxeln. 

 

Wie entsteht so ein Gletscherschliff überhaupt? 

Aufgrund der Hangneigung, der Struktur des Eises und der Veränderung der Temperatur bewegen sich die Gletscher - sie fließen sozusagen. Mit dem bloßen Auge ist das natürlich nicht zu erkennen, hier würde man Langzeitaufnahmen benötigen. Jedoch sind diese geschliffenen Felsen Zeugen dieser Bewegung. Das im Gletscher mitgeführte Gestein, schabt die Felsen über die der Gletscher drüber fließt regelrecht glatt. Ein Zeichen dafür, dass hier an dieser Stelle früher der Gletscher einmal verlief und leider auch ein Zeichen dafür, dass die Gletscher immer weiter zurückgehen und kleiner werden.

 

Gletscherzunge, -mehl und -milch

Am Fuße des Gletschers - was für ein Wunder der Natur.
Am Fuße des Gletschers - was für ein Wunder der Natur.

Am Gletscherfluss angekommen, legten wir noch einen kleinen Stopp ein. Wie kalt wohl das Wasser ist, fragte ich mich. Kurz darauf stand ich barfuß im Fluss. Keine Minute hielt ich es aus, so kalt war das Wasser. Schön war es trotzdem, vor allem über den feinen Sand zu laufen, der am Rande des Flusses lag.

 

Warum ist das Wasser so milchig, fragt ihr euch vielleicht. Durch die vorhin beschriebene Gletscherbewegung, werden Steine regelrecht gemahlen - es entsteht Gletschermehl. Dieses Gletschermehl wird durch das Schmelzwasser des Gletschers mitgetragen und verleiht dem Wasser die typische, milchige Färbung - auch Gletschermilch genannt.

 

Es freute mich sehr, Timo einen Gletscher aus der Nähe zu zeigen. An einer Gletscherzunge, wie man sie hier im Bilde sieht, stand es bisher noch nie.

 

Zurück ins Tal

Blick ins Tal von wo wir kamen
Blick ins Tal von wo wir kamen

Nachdem wir den Gletscher ausgiebig bestaunt hatten, ging es über den Gletscherschliff wieder zurück. Die Temperatur wurde spürbar wärmer, je weiter wir uns von den Eismassen entfernten. 

 

Von nun an ging es steil bergab. Der Blick ins Tal zeigte uns, von wo wir kamen und auch wieder hin wollten - Innergschlöss. Da es ein Rundwanderweg ist, liefen wir dieses mal links herum nach unten. Einzelne Bergsteiger kamen uns mit Eispickel auf dem Rucksack entgegen. Sie machten sich auf den Weg zur Neuen Prager Hütte, von wo aus sie den Großvenediger besteigen wollten. Im Jahr 2016 stand ich auch schon mal auf diesem Berg und genoss das tolle Panorama - hier geht's zum Artikel.

 

Nach ungefähr 4,5 Stunden kamen wir wieder in Innergschlöss an und gönnten uns ein leckeres Bergessen im Venedigerhaus.

 

Fazit und Tipps:

Ich war absolut begeistert von dieser Rundtour. In kurzer Zeit so viel Abwechslung in der Landschaft zu erleben, ist etwas wirklich besonderes. Der Weg an sich ist wunderschön angelegt und man läuft jeden Meter total gerne. Plant auf jeden Fall genügend Zeit ein, um die tollen Naturschauspiele in Ruhe zu genießen.

 

Zum Gletscherweg gibt es außerdem noch einen speziellen Führer. Auf 18 Hinweistafeln die am Wegesrand angebracht sind, findet man im Führer interessante Informationen. Der Führer ist im DAV Onlineshop oder im Nationalparkzentrum Matrei erhältlich.

 

Außerdem bietet der Nationalpark Hohe Tauern je nach Jahreszeit Naturkundliche Führungen mit einem Ranger an. Infos findet ihr hier.

 

Du möchtest die Tour auch gehen? Hier findest du den GPX-Track dazu:

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* Im Artikel sind einige Links gesetzt. Für diese werde ich nicht bezahlt. Ich habe diese lediglich als Info für euch gesetzt. 

Wie oben beschrieben machten wir die Tour in Kooperation mit den Wanderdörfern Österreichs. Zum Event "Wandersommer deines Lebens", konnte man sich bewerben und wir wurden zusammen mit weiteren Teilnehmern ausgewählt. Hotel und Spesen wurden in der Woche für uns von der Organisation bezahlt. Die Tour hatten wir uns selbst ausgesucht und geplant.

Wie hat euch der Artikel gefallen?

Wart ihr einem Gletscher auch schon so nahe?

 

Schreibt mir gerne in den Kommentaren.


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