Adler-Klettersteig

Anspruchsvoller Grat-Klettersteig auf den 2.469 Meter hohen Karkopf

Der durchweg alpine Klettersteig lässt Bergherzen höher schlagen - nicht nur wegen der fantastischen Aussicht, sondern auch wegen des Anspruchs und der Kraft die es braucht, diesen Steig zu bezwingen. Die Routenführung ist abenteuerlich gewählt, Langeweile kommt hier niemals auf. Über glatte Platten, durch hohe Wände und imposante Grate verläuft der Adler-Klettersteig.

 

Zahlen, Daten, Fakten:

Schwierigkeit D+

Dauer gesamt: 7 Stunden (ab Strassberghaus)

Dauer klettern: 2,5 Stunde

Dauer Zustieg: 2 Stunden (ab Strassberghaus)

Dauer Abstieg: 2,5 Stunden

Höhenmeter: 1.450m

Frisch und gut erholt starten wir in den Tag

Idylle pur, beim Anfangsaufstieg zum Klettersteig.
Idylle pur, beim Anfangsaufstieg zum Klettersteig.

Heute war Sonntag und wir erhielten unser Frühstück in der Pension nicht ganz so früh, wie wir es uns erhofft hatten. Bei dem langen, ca. 7 stündigen Adler-Klettersteig, der für heute auf dem Plan stand, wollten wir zeitig starten. Immerhin mussten wir nicht weit fahren und begannen unsere Tour in gut erholtem Zustand.

 

Sehr idyllisch verläuft der Weg erstmal im Wald bergauf. Eine kleine Lichtung tat sich auf und wir kamen zum Strassberghaus mit der kleinen Kapelle davor. Der Gasthof ist ganzjährig bewirtschaftet und wenn wir es besser gewusst hätten, wären wir mit den Autos auch bis hier hin hoch gefahren. Statt dessen steckten uns schon 1-2 Stunden mehr Wegzeit in den Knochen, was wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht für problematisch ansahen.

 

Falscher Weg, gute Aussicht

Aussicht von der Hohen Munde aus.
Aussicht von der Hohen Munde aus.

Wir zweigten Richtung Hohe Munde ab. Auf einem kleinen Pfad schlängelte sich der Weg durch Latschen steil nach oben. Irgendwie kam uns der Weg schon verdächtig lang vor. Aber gut, wir werden schon richtig sein, immerhin kam ja keine Abzweigung, dachte ich in Gedanken vor mich hin. Nach weiteren 2 Stunden kamen wir auf der Hohen Munde an. Der Blick war wunderschön, keine Frage. Nur eigentlich stand nirgendwo, dass wir bis in diese Scharte hoch laufen sollten. Wir suchten die Gegend nach Schildern und Markierungen ab - nichts.

 

Es blieb uns nichts anderes übrig, als ein Stück wieder abzusteigen und die Augen offen zu halten. Laut Beschreibung sollte der Weg links abgehen und wäre durch einen roten Adler gekennzeichnet. Sag mal, hatten wir denn alle Tomaten auf den Augen?

 

Wer suchet der findet

Ein guter Blick erleichtert die Wegfindung. Da war wirklich ein kleines Zeichen.
Ein guter Blick erleichtert die Wegfindung. Da war wirklich ein kleines Zeichen.

Tatsache, da war der rote Adler. Naja, den hatte ich mir echt größer vorgestellt. Auf diese Abzweigung muss man wirklich achten, denn der Weg ist nicht gerade offensichtlich.

 

Puhhh, dachte ich mir, ich bin jetzt schon ziemlich platt vom Aufstieg und den unnötigen Umwegen, hoffentlich pack ich den Klettersteig noch. Meine Unsicherheit wuchs. Sicherlich auch, weil ich einen Klettersteig in dieser anhaltenden Schwierigkeit und Länge noch nie gemacht hatte. Ich war beruhigt, dass Jürgen unser Guide von unserer DAV-Sektion dabei war. Bei ihm fühlte ich mich wohl und ich wusste, er bringt mich irgendwie drüber, falls ich schlapp mache. Natürlich wollte ich es unbedingt aus eigener Kraft schaffen, aber man weiß ja nie, wie es kommt.

 

Übung macht den Meister

Suchbild - erkennt ihr die zwei Personen im Bild? Zu sehen ist hier der Aufstieg zu Beginn des Klettersteigs.
Suchbild - erkennt ihr die zwei Personen im Bild? Zu sehen ist hier der Aufstieg zu Beginn des Klettersteigs.

Wir hatten endlich den richtigen Einstieg gefunden und stiegen auch gleich in die Wand ein. Der Klettersteig ist im Grunde in drei Teile aufgeteilt. Zu Beginn eine sehr steile, senkrechte Wand, welche auch die D-Stelle enthält. Danach folgt eine lange Querung mit einigen C und C/D-Stellen, bevor es am Ende nochmals ordentlich steil, in ebenfalls C/D-Schwierigkeit nach oben zum Gipfel geht.

 

Dazu kommt, dass die steilen Wände oft sehr glatt und plattig sind. Nicht gerade meine Spezialität auf Reibung zu klettern - um genau zu sein, ich hasse solche Stellen. Naja, wenn ich es nie versuche und übe, werde ich auch nie besser darin und die Unsicherheit bleibt. Also versuchte ich mich innerlich zu beruhigen und Jürgen einfach nachzusteigen.

 

Einmal tief durchatmen bitte

Ab und an sind Eisentritte im Fels. Allerdings sind diese oft sehr weit auseinander, sodass man dazwischen einen Tritt im Fels benötigt.
Ab und an sind Eisentritte im Fels. Allerdings sind diese oft sehr weit auseinander, sodass man dazwischen einen Tritt im Fels benötigt.

Geschafft, ich hatte das erste Stück hinter mir und war tatsächlich ein kleines bisschen stolz. Ich musste ordentlich zupacken, mich konzentrieren, ruhig atmen und mir innerlich gut zusprechen - so klappte es dann Stück für Stück. Genuss und Entspannung war was anderes, aber das hatten wir ja gestern schon ;-) - hier geht`s zum Artikel.

 

Wobei wir die Aussicht oben am Grat, wo wir kurz eine Pause einlegten auch wirklich genießen konnten. Von hier hatte man eine fantastische Aussicht auf die Zugspitze und bei genauem hinsehen, erkannte man sogar die Seilbahnstation oben auf dem Gipfel. Eine längere Rast konnten wir uns allerdings nicht leisten, da wir nicht so gut in der Zeit lagen. Also weiter zu nächsten Herausforderung - der langen Querung.

 

Adlerauge

Blick durch das Adlerauge.
Blick durch das Adlerauge.

In der Mitte der Querung wartete ein kleines Highlight auf uns - das Adlerauge. Ein kleines Loch im Fels, durch das man hindurch klettert. An Abwechslung hat der Steig wirklich eine Menge zu bieten, Langeweile kommt hier nie auf. 

 

Das für mich anstrengendste Stück kam jetzt. Eine wirklich lange Querung an einer glatten Wand und einem direkt anschließenden Aufschwung in der Schwierigkeit C/D. Ich glaube ein leichtes Stöhnen war mir zu entnehmen und oben ein erleichtertes, hörbares Aufatmen. Etwas euphorisch kamen wir alle am letzten Grat unterhalb des Gipfel an. Vor lauter Freude, hörten wir gar nicht sofort, dass unser hinterer Mann gestürzt war.

 

Erfahrung schadet nie

Die lange Querung kurz vor dem Aufschwung.
Die lange Querung kurz vor dem Aufschwung.

Wir ließen Jürgen nach ihm schauen, schließlich machte es wenig Sinn, wenn alle hektisch herumeiferten und den Gestürzten womöglich nur noch mehr beunruhigten. Er war zum Glück unverletzt und der Sturz war nicht sehr hoch. Professionell wurde er von Jürgen nach oben gebracht um sich dort erst mal wieder zu sammeln und zu beruhigen. Denn das war jetzt ganz wichtig, schließlich mussten wir alle noch den letzten Aufstieg zum Gipfel meistern, denn einen Notausstieg gibt es hier nicht. 

 

Der Gestürzte wurde ans Seil genommen und so Stück für Stück nachgesichert und teilweise unterstützend hoch gezogen. Wenn man dies live miterlebt, ist einem schlagartig so viel mehr bewusst, wie wichtig ein zusätzliches Seil ist. Und nicht nur das Seil, sondern auch der richtige Umgang damit.

 

Geschafft, wobei der Abstieg auch nicht zu unterschätzen ist

Diese Markierungen hätte wir uns auch beim Zustieg gewünscht ;-)
Diese Markierungen hätte wir uns auch beim Zustieg gewünscht ;-)

Natürlich benötigte die zusätzliche Sicherung einiges mehr an Zeit. Aber das Wichtigste war, wir kamen alle sicher oben am Gipfel an. So langsam merkten wir den 4 stündigen Aufstieg und das über 3 stündige Klettern in den Muskeln und Knochen. Schlapp machen durften wir allerdings noch nicht, da uns fast 3 Stunden Abstieg bevor standen. 

 

Der Weg hinunter zur Neuen Alpl Hütte ist auch gar nicht so ungefährlich. Über viel Geröll und teilweise kraxelnd geht es steil nach unten. Aber immerhin ist der Weg hier mehr als deutlich gekennzeichnet und verlaufen kann man sich nicht. Hinzu kam, dass wir irgendwann in der Ferne Musik hörten, die uns zusätzlich leitete.

 

Wie war's? Mein Fazit

Die Berge lagen schon teilweise im Schatten der langsam untergehenden Sonne, als wir auf der Neuen Alpl Hütte ankamen. Mensch hatten wir ein Glück und einen Bärenhunger. Die Hütte ist normalerweise ab 17 Uhr geschlossen - heute Abend allerdings nicht. Es fand irgendein Fest statt und mit viel Musik und Gesang wurden wir empfangen. Ich kann euch sagen, nach fast 9 Stunden auf den Beinen, schmeckte die Sachertorte mit Sahne einfach himmlisch und weckte die Lebensgeister wieder in mir. Der Weg bis nach Telfs zurück zum Auto lief dann wie am Schnürchen, dem Zuckerschock sein Dank.

 

Fazit:

Wer schwierige und lange Klettersteige mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Ich war ganz froh, dass es zwei/drei mal ganz gute Rastmöglichkeiten gab, bevor dann wieder ein langes, schwieriges Stück anstand. Armkraft ist auf jeden Fall ziemlich gefragt und auch technisch sollte man geübt sein. Die Aussicht ist wie immer top, vor allem der Blick vom Grat hinüber zur Zugspitze. Die Zeitangaben variieren stark, je nachdem von wo man startet. Ich würde den Parkplatz am Strassberghaus als Startpunkt empfehlen. 

 

Hier findet ihr die Topo und die genaue Beschreibung:

https://www.bergsteigen.com/touren/klettersteig/adler-klettersteig/

http://adler.klettersteig.org/

 

Wie hat euch der Artikel gefallen?

Wäre das vielleicht auch eine Tour für euch?

 

Schreibt mir gerne in den Kommentaren.


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