Nepal Everest-Trekking Tag 2 - von Phakding (2.610m) nach Namche Bazar (3.440m)

Hängebrücken, heiliger Berg und wie übe ich mich in Geduld

Geduld ist wohl das zusammenfassende Wort der heutigen Etappe. Sehr viele Menschen waren unterwegs und ich musste mich oft in Geduld üben, nicht fluchend an ihnen vorbei zu laufen. Es nutzte alles nichts, ein paar Meter später würde ich wieder im Stau stehen, also reihte ich mich ein und trottete der Menschenhorde hinterher.

 

Landschaftlich war die Stecke ein wahrer Genuss. Die Berge Thamserku und Khumbila waren unsere Begleiter und ragten majestätisch in den Himmel. Über 5 Hängebrücken bewegten wir uns schwankend, unter anderem über die berühmte Hillary-Bridge, die über dem tosenden Dudhkoshi Fluss verläuft.

Nach einem guten Frühstück ging es los

Die Yaks haben auf der Brücke Vorrang
Die Yaks haben auf der Brücke Vorrang

In der Nacht war es schon ziemlich kalt, mit Mütze und einer zusätzlichen Decke hab ich aber gut geschlafen. Der Apple Porride zum Frühstück gab mir Energie für die heutige, ca. 7 stündige Etappe nach Namche Bazar. Knapp 2.000 Höhenmeter mussten wir aufsteigen. Um 08:00 Uhr ging es los, mit einer Horde anderer Menschen.

 

An der ersten Hängebrücke kurz nach Phakding kam es zum ersten Stau. Einige Yaks waren gerade auf der Brücke und diese mussten wir erst passieren lassen. Als dann die Brücke wieder frei war, drückte sich die Menschenmasse durch. Ich muss sagen, die Tiere liefen wesentlich geordneter und gesitteter. Im Laufe der heutigen Route kam es immer wieder zu Staus oder zu Menschenschlangen, die im langsamen Tempo den Berg hinauf stapften und die man nicht überholen konnte. 

Unser Begleiter Thamserku

Der mächtige Thamserku
Der mächtige Thamserku

Durch das teilweise sehr langsame Tempo, zu dem man gezwungen war, konnte man allerdings viele Fotos machen und die traumhafte Landschaft bewundern.

 

An vielen Stellen ragte der Berg "Thamserku" mit einer Höhe von 6.608 Metern in den Himmel. Auf vielen meiner Fotos ist er immer wieder zu sehen. Er hob sich durch den strahlend blauen Himmel, mit seiner mächtigen weißen Flanke super ab. 

 

Leider mussten wir bei der heutigen Etappe schon einen Teilnehmer aus unserer Gruppe zurück lassen. Ihm ging es nicht gut und er fühlte sich nicht fit genug um weiter zu laufen. Der Plan war, dass er am nächsten Tag wieder zu uns stieß. 

Ein Auge auf die Rucksäcke

Micha und Guide Jiten mit den Keks-Verliebten Hunden
Micha und Guide Jiten mit den Keks-Verliebten Hunden

Wir hatten konditionell ganz unterschiedliche Teilnehmer in der Gruppe. Das machte aber überhaupt nichts. An manchen Stellen warteten wir auf den Rest und liefen dann gemeinsam wieder weiter.

 

Eine witzige Warterei hatten wir in einem kleinen Dorf, in dem es sehr viele Hunde und Katzen gab. Wir futterten genüsslich unsere Kekse (die nepalesischen Ingwerkekse kann ich sehr empfehlen). Die Hunde strolchten um uns herum und bekamen auch den ein oder anderen Krumen ab. Auf einmal hob einer sein Beinchen und pinkelte den Rucksack unserer Mitreisenden an. Wir kringelten uns alle vor lachen. Zum Glück nahm sie es auch mit Humor. Seit diesem Tag hatten wir immer ein ganz besonderes Auge auf unsere Rucksäcke, sobald Hunde in der Nähe waren.

Der heilige Berg Khumbila

Der heilige Berg Khumbila
Der heilige Berg Khumbila

Ab hier hatten wir immer mal wieder einen Blick auf den Berg "Khumbila". Dieser steht mit seinen 5.761 Meter ganze alleine da und sticht sofort ins Auge. Eigentlich zählen Berge erst ab einer Höhe von 6.000 Metern in Nepal zu den "richtigen" Bergen. Alles darunter ist eher ein Hügel ;-)

 

Der Khumbila, auf deutsch "Gott des Khumbu", ist jedoch ein ganz besonderer Felsbrocken und darf sich deshalb offiziell Berg nennen. Noch nie wurde dieser heilige Berg erfolgreich bestiegen. Ein Versuch in den 80er Jahren endete tödlich. Wenn man die Sherpas fragt, dann war dies die Rache des Berges.

Was ist ein Nak?

Schöne Mani-Steine schmücken den Weg. Im Hintergrund wieder der Berg Thamserku
Schöne Mani-Steine schmücken den Weg. Im Hintergrund wieder der Berg Thamserku

Weiter ging es bis zum Check-Point, an dem wie uns eintragen und unsere Permits vorzeigen mussten. Hier ist der offizielle Eingang in den Nationalpark "Sagarmatha". Da war sie wieder, die Menschen-Horde. Wir entschieden uns, unseren Organisator mit einem Guide am Check-Point Schlange stehen zu lassen und liefen mit dem Rest der Gruppe weiter. Das wurde zum Glück gestattet.

 

Jetzt ging es erstmal steil die vielen Treppenstufen hinab. Die Felswände und Steine waren wieder wunderschön mit weißen Schriftzeichen auf schwarzem Hintergrund geschmückt. Viele Yak- und Nak-Herden liefen heute bepackt an uns vorbei. Die weiblichen Tiere werden als Nak bezeichnet. Außerdem gibt es viele Kreuzungen zwischen Yak/Nak  und Kühen/Bullen. Diese werden Lang (m) und Khirkoo (w) genannt. Ein ausgewachsenen Tier kann bis zu 30 Kilo pro Seite, also 60 Kilo insgesamt tragen.

Mittagspause in Jorsalle

Toller Ausblick während unserer Mittagspause auf die Hängebrücke
Toller Ausblick während unserer Mittagspause auf die Hängebrücke

Trotz der vielen Menschen war die Etappe landschaftlich wunderschön. Oft schlängelte sich der Weg am rauschenden Fluss entlang, wir kamen durch kleine, verträumte Dörfer mit netten Gemüsegärten und unser Gleichgewichtssinn wurde durch die insgesamt 5 Hängebrücken auf die Probe gestellt.

 

In Jorsalle legten wir eine Mittagspause ein. Wir saßen im Garten einer schönen Lodge und ich genoss mein Tibeten Bread mit Omlett. Währenddessen hatten wir einen super Ausblick auf die Hängebrücke und konnten gespannt das Treiben von Menschen, Yaks und Mulis auf der Brücke beobachten.

Das Highlight der heutigen Etappe - die Hillary-Bridge

Unterhalb der Hillary-Bridge. Über die obere Brücke ging es dann auf die andere Seite
Unterhalb der Hillary-Bridge. Über die obere Brücke ging es dann auf die andere Seite

Nach der kleinen Stärkung zum Mittag ging es stetig bergauf. Das Highlight war die "Hillary-Bidge", die über einem Canyon im Wind schaukelt.

 

Sehr imposant sahen wir die Brücke schon von weitem und ich freute mich total, endlich über sie drüber laufen zu können. Eine zweite Brücke geht unterhalb entlang. Unser Guide Jiten meinte, dass diese aber nicht mehr intakt sei und daher die Brücke darüber errichtet wurde. 

 

Auf der Brücke angekommen, hatten wir einen phänomenalen Blick hinunter zum Dudhkoshi, das "Milch-Khosi-Fluss" bedeutet. Aufgrund des mitgeführten Sediments sieht der Fluss ganz milchig aus, daher der Name.

Die Brücke schwankte ordentlich im Wind. Immer wieder musste ich mich an den seitlichen Seilen festhalten. Hunderte von Gebetsfahnen flatterten im Wind und boten ein tolles Fotomotiv.

Warten in der Kälte

Kurz vor Namche Bazar - wo bleiben denn die anderen?
Kurz vor Namche Bazar - wo bleiben denn die anderen?

Der Weg ging immer weiter bergauf. Zum Glück wurde der Pfad breiter und man konnte gut überholen. Irgendwann erblickten wir die ersten Häuser vor Namche Bazar. Auf einem Stadtplan erkannten wir, dass es unzählige Lodges gab. Wir wussten allerdings nicht, in welcher wir heute untergebracht waren. Also warteten wir auf den Rest unserer Gruppe und die beiden Guides.

 

Der Himmel zog zu und es wurde gleich bitter kalt. Nach 45 Minuten warten in der Kälte, beschlossen wir in ein kleines Restaurant zu gehen und Tee zu trinken. Das Restaurant war sehr einfach aber total nett. Wir unterhielten uns gut mit den Besitzer, die nebenher Saak (ein Spinat ähnliches Gemüse) putzten. Wir verteilten unsere Kekse, was für die Besitzer eine willkommene Abwechslung war. Nach und nach kamen auch die anderen aus unserer Gruppe dazu und wir liefen weiter.

Ankunft in Namche Bazar

Ankunft in Namche Bazar
Ankunft in Namche Bazar

Sozusagen um die Kurve herum, erblickten wir um ca. 14:30 Uhr Namche Bazar. Ich war erstaunt, wie es hier aussah - riesige Häuser, viele Geschäfte und Restaurants, sogar einen Springbrunnen gab es. Über die steilen Treppen erreichten wir unsere Lodge.

 

Wir bezogen unsere Zimmer und versammelten uns im Aufenthaltsraum, um unsere Essensbestellung vorzunehmen. In der Regeln kümmern sich immer die Guides um die Bestellung.

 

Teilweise fehlte unser Gepäck noch, mein Rucksack ebenso. Was wirklich los war wusste keiner. Ich fragte Jiten, unseren Guide. Er erzählte mir, dass ein Porter wohl unterwegs krank wurde und nicht mehr weiter laufen konnte. Sie hätten allerdings kein Handykontakt zu ihm und wussten nicht, wo er war. Wir sollten jetzt zu Abend essen und sie würden sich um alles kümmern.

Sorgen um den Porter

Der Chicken Sizzler brutzelt noch in der Pfanne auf dem Tisch
Der Chicken Sizzler brutzelt noch in der Pfanne auf dem Tisch

Vor dem Abendessen bekamen wir heiße Feuchttücher, mit denen wir unser Gesicht und die Hände wuschen. Anschließend aß ich hungrig mein Chicken Sizzler, dass ich mir bestellt hatte. Mhhhhh, war das lecker.

 

Trotzdem machte ich mir immer wieder Sorgen wegen des Porters. Manche machten sich Sorgen um ihr Gepäck, dass noch nicht da war. Ich war mir allerdings sicher, dass das Gepäck schon irgendwie nach Namche Bazar finden würde. Läuft ein Porter allerdings nicht mehr weiter, ist schon etwas schlimmeres passiert. 

Irgendwann später, ging ich nochmals kurz vor die Tür um die Dunkelheit und die Sterne zu genießen. Da kam plötzlich Jiten und Dil (unsere beiden Guides) völlig außer Atem um die Ecke. 

 

Völlig außer Atem

Blick auf Namche Bazar am Abend aus unserem Zimmerfenster
Blick auf Namche Bazar am Abend aus unserem Zimmerfenster

Sie bekamen keinen Ton raus, als ich sie fragte was los sei. Ich erkannte meinen Rucksack auf den Schultern von Jiten. Oh je, die beiden waren in der Dunkelheit zurückgelaufen um unser Gepäck zu holen. Es stellte sich heraus, dass der Porter in einem Dorf zurück blieb, dass relativ am Anfang unserer Etappe lag. Wir brauchten 6 Stunden hier her und Jiten und Dil liefen fast den ganzen Weg zurück und wieder her. Ich besorgte ihnen gleich etwas zu trinken und sagte ihnen, dass sie Platz nehmen sollen. Der Lodge-Besitzer kam gleich und wollte sie wieder rauswerfen. Es ist wohl nicht gern gesehen, wenn sich die Guides zu den Gästen setzen. Ich stand auf und erklärte ihm, dass die beiden heute unsere Gäste seien und sagte ihm, was sie gerade getan hatten. Wiederwillig erlaubte er ihnen zu bleiben. 

 

Der Porter hätte sich wohl mehrfach übergeben und würde morgen zurück nach Lukla in ein Krankenhaus gehen. Ich hoffte für ihn das Beste.

 

Den GPX-Track findet ihr hier:

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