Silvester mal anders Teil 1

Mit Zelt und Schneeschuhen durch den Schwarzwald

Eine fantastische Etappen-Schneeschuhtour im Schwarzwald. Abwechslungsreiche Wege, eine wunderschöne Landschaft, drei kleine Gipfel, super Einkehrmöglichkeiten und (für den der mag) eine abenteuerliche Nacht im Freien.

 

Was glaubt ihr für was haben wir uns entschieden?

Richtig, für die Nacht im Freien und das an Silvester. Absolut empfehlenswert, für alle die dem Trubel entfliehen wollen.

Schnee oder doch kein Schnee? Das ist hier die Frage

Der Blick in die Webcam - schneereich ist anders
Der Blick in die Webcam - schneereich ist anders

Am 31.12.2017 machten wir uns auf den Weg in den Schwarzwald. Ging ja schon mal gut los - kein Stau auf der Autobahn, juhuuu. Ich zückte nochmals kurz mein Handy um zu schauen, was die Webcams um Baiersbronn so zeigten. Hups, der ganze Schnee war binnen einer Nacht verschwunden. Wir ließen uns davon nicht entmutigen. Dann wird`s halt ne Wanderung und keine Schneeschuhtour, dachten wir. Wir freuten uns beide so sehr, endlich mal wieder zwei Tage draußen zu verbringen.

 

Als wir von den tieferen Lagen im Schwarzwald ein paar Meter höher fuhren, war schlagartig alles weiß. Was so ein paar Höhenmeter doch ausmachen. Um 11:30 Uhr ging es dann mit Schneeschuhen bewaffnet los ;-)

Hinauf zum Schliffkopf

"Bitte lächeln" - Fotostop am Gipfelkreuz des Schliffkopf
"Bitte lächeln" - Fotostop am Gipfelkreuz des Schliffkopf

Der Weg hinauf zum Schliffkopf ist unproblematisch und super zum eingehen. Pinkfarbene Schneeschuh-Schilder weisen einem den Weg. Nach kurzer Zeit standen wir an einem Stein-Denkmal, etwas weiter kam dann tatsächlich auch ein Gipfelkreuz. Kurzer Schnappschuss und weiter ging`s Richtung Ruhestein.

 

Abwechslungsreich gehen wir durch den Wald - über freie Flächen, auf breiten Wegen mit Langlaufloipe (Achtung, nicht auf die Spur treten) und kleinen Pfaden. Im dichten Wald war der Schnee stellenweise doch nicht mehr vorhanden. Diese Flecken konnten wir aber gut umlaufen.

 

 

Kleiner Mittagssnack

Noch haben wir gut lachen ;-)
Noch haben wir gut lachen ;-)

Wir kamen gut und beschwingt voran (das sollte sich gegen Abend noch ändern). An der Skisprungschanze oberhalb des Ruhesteins legten wir unsere Mittagspause ein. Keine zehn Pferde würden mich über diese Schanze nach unten bringen, dachte ich mir. Ein starker Wind begleitete uns von Anfang an. Wir waren froh, unter der Schanze ein kleines, windstilles Plätzchen gefunden zu haben.

 

Nach unseren Mittagsbroten ging es etwas steiler bergab durch den Wald. Irgendwann trafen wir auf den Rodelhang und liefen am Rande der Piste weiter.

 

 

Am Ruhestein ist nichts mehr mit Ruhe

Blick von der Skisprungschanze auf den Ruhestein und dessen Skipiste
Blick von der Skisprungschanze auf den Ruhestein und dessen Skipiste

Am Ruhestein angekommen, war es erstmal nichts mehr mit der Stille und Einsamkeit. Viele Menschen zog es an Silvester tatsächlich noch auf die Ski- und Rodelpisten. Find ich prinzipiell auch gut, wenn man sich sportlich betätigt.

 

Hier am Ruhestein könnte man auch noch speisen und etwas trinken. Das kleine Lokal war gut besucht. Wir waren nicht mehr hungrig und gingen weiter Richtung Darmstädter-Hütte

Die Darmstädter-Hütte

Dick eingepackt lässt sich der eisige Wind ertragen
Dick eingepackt lässt sich der eisige Wind ertragen

Der Weg verläuft ab und zu direkt neben der Langlaufloipe. Manchmal gibt es für Schneeschuhgänger einen speziellen Abschnitt. Dieser ist dann gut gekennzeichnet und meiner Meinung nach auch schöner, da der Weg verschlungener und schmäler ist. 

 

Die Darmstädter-Hütte liegt ein paar Meter abseits unserer Route. Wer hier einkehren möchte, ist in weniger als fünf Minuten dort. Auch Übernachtungsmöglichkeiten hat die Hütte zu bieten. Was sehe ich da gerade zufällig auf deren Homepage? Eine Webcam. Hätte ich das mal früher gewusst, hätte ich nicht die Webcams im Tal und von den Pisten angeschaut, die mir nicht wirklich weiter halfen. Also meine Lieben, bevor ihr die Tour nachlauft, klickt hier ;-).

Dienstags hat die Hütte übrigens immer Ruhetag. 

Glücklich und zufrieden

Die Sonne kommt raus und Myri lacht
Die Sonne kommt raus und Myri lacht

Nach einem kurzen Stück zweigt unser Weg rechts ab und das Gelände wird etwas unwegsamer. Über einige umgestürzte Bäume ging es nach oben. Ganz schön anstrengend auf einmal, vor allem wenn man in Löcher einbricht und sich in den umgestürzten Bäumen verhakt. 

 

Die Sonne kam raus und ich genoss es. Wie schön es hier draußen doch ist. Da brauch man absolut nichts mehr um glücklich zu sein.

Hinauf zum Schwarzkopf

Traumhafte Aussicht vom Schwarzkopf
Traumhafte Aussicht vom Schwarzkopf

Den Schwarzkopf hätten wir auch umlaufen können, aber hey, was soll`s, auf diese paar Höhenmeter kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an. Keuchend stapften wir die paar Meter mit Gegenwind (fast schon ein Sturm) hoch zum Gipfel. Ein Gipfelkreuz gab es keins, dafür einen wärmenden Tee.

 

Von nun ab waren wir wieder völlig allein unterwegs. Die Stille war wunderschön und ich dachte mir, daheim hätte mich das vorzeitige geböllere der Silvesterkracher schon wieder genervt

 

Wir sahen die Hornisgrinde in der Ferne - unserem nächsten Ziel nach dem Mummelsee.

Spuren im Schnee

So locker und beschwingt sah mein Laufstil nicht immer aus ;-)
So locker und beschwingt sah mein Laufstil nicht immer aus ;-)

Ein Pärchen kam uns plötzlich entgegen. Sie fragten, ob wir wüssten wie es zur Darmstädter-Hütte ging. Sie wären Spuren in den Wald gefolgt, diese hätten dann aber abrupt im Nichts geendet und sie wüssten nicht wie es weiter ging. Wir sagten ihnen, dass sie unseren Spuren folgen sollten und diese dann wieder auf den Hauptweg führen würden. Sie bedankten sich sehr dafür und gingen auf unseren Spuren weiter.

 

So langsam wurden unsere Beine auch etwas müde und der Rücken tat vom schweren Gepäck weh.

Der Mummelsee

Sonne, bitte warte noch kurz bevor du unter gehst
Sonne, bitte warte noch kurz bevor du unter gehst

Auf einmal färbte sich der Himmel blutrot, die Sonne ging langsam unter. Micha meinte, der Mummelsee ist nicht mehr weit. Ich war voll euphorisch und malte mir schon tolle Fotos mit See und untergehender Sonne aus. Mit neuem Schwung liefen wir in schnellem Tempo weiter, und weiter... und weeeeiter....

 

"Wann kommt denn der doofe See endlich?", fragte ich Micha. "Weiß auch nicht, dachte der kommt da gleich", sagte Micha. Es dauerte leider noch eine ganze Weile und wir kamen völlig fertig, aufgrund unseres viel zu schnellen Tempos, am See an. Die Sonne war weg und der See auch ziemlich unspektakulär :-(

Der Wahnsinn

Ohne Worte, einfach nur genießen
Ohne Worte, einfach nur genießen

Dann erkannte ich aber, dass hinter dem Mummelseehotel auf der Anhöhe, der Sonnenuntergang trotzdem noch zu sehen war. Ich rannte hinauf und sah einen der atemberaubendsten Sonnenuntergänge die ich bisher erlebt hatte. Das war besser als jedes Feuerwerk!!!

 

Im Hotel durften wir netterweise noch unsere Flaschen mit heißem Wasser auffüllen. Da es langsam dunkel und kalt wurde und unsere Schmerzen immer weiter zu nahmen, ließen wir die Hornisgrinde ausfallen. Auf direktem Weg liefern wir weiter in die Dunkelheit.

Gefährliche Querung am Dreifürstenstein

Ein tolles Erlebnis, mit Schneeschuhen durch die Nacht
Ein tolles Erlebnis, mit Schneeschuhen durch die Nacht

Durch den Vollmond und den weißen Schnee erkannten wir gut unseren Weg. Lange Zeit war der Horizont noch glühend rot gefärbt. Es war sooooo schön, nur zu zweit in der Nacht zu laufen.

 

Die Querung am Dreifürstenstein war dann etwas gefährlich. Das Gelände war bis zu 35 Grad steil und somit lawinengefährdet. Der Schnee war durch das Tauwetter alles andere als optimal. Der Weg war sehr schmal, die Schneeschuhe hatten nur hintereinander Platz und die Dunkelheit machte es auch nicht einfacher. Micha bekam meine Stirnlampe, weil wir seine nicht fanden und lief mit etwas Abstand hinter mir.

Ungutes Gefühl

Bald hatten wir es geschafft
Bald hatten wir es geschafft

Trotz Kälte und Abstieg wurde mir heiß. Ein falscher Schritt und du rutschst den steilen Hang ab. Einmal hinplumpsen und es geht eine Lawine los. Oder einfach nur Pech haben und der Schnee kommt ins rutschen. Immer wieder gingen mir diese Dinge durch den Kopf.

Zum Glück ging alles gut. Mein Puls normalisierte sich, als wir vom Hang unten waren.

 

Das letzte Stück war unschwierig, aber es zog sich extrem. Immer wieder mussten wir stehen bleiben, um den Rücken halbwegs zu entspannen. Was das zelten angeht, sind wir einfach nicht super leicht ausgestattet und wir spürten jedes Kilo.

Ankunft am Ziel

Unser Zelt im Trockenen. Im Hintergrund futtere ich unser Silvester-Menü
Unser Zelt im Trockenen. Im Hintergrund futtere ich unser Silvester-Menü

Innerlich beteten wir, dass die Hütte, die wir über google-Maps sahen, noch stand und auch offen war - könnte ja auch eine geschlossene Hütte von Forstarbeitern sein. Um 18:30 Uhr, nach 16 Kilometern Schneeschuhgestapfe, kamen wir endlich am Ziel, der Brandhütte an. 

 

Die Hütte war perfekt - zu zwei Seiten offen und an den windigen Seiten zu. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was es für eine Erleichterung war, den übelst schweren Rucksack abzusetzen.

 

Micha sammelte Holz und ich kochte - klassische Arbeitsteilung ;-).

Ne Spaß, Micha kann auch kochen. Aber es musste schnell gehen und da musstes ich mir doch eingestehen, dass Männer grundsätzlich besser bzw. schneller im Holzsammeln sind.

Zelt in der Hütte

Am wärmenden Feuer
Am wärmenden Feuer

Unser Zelt schlugen wir dann in der Schutzhütte auf. Da war es etwas wärmer, windstiller und trockener.

 

Unser Silvester-Menü war Gemüsereis und es schmeckte köstlich :-)

 

In der Hütte gab es leider keine Feuerstelle. Mit unserem kleinen Hobo machten wir ein kleines Feuerchen, um Michas nasse Klamotten etwas zu trocknen und meine Füße zu wärmen. Später räumten wir natürlich alles wieder weg.

Silvester in der Tat komplett anders

Ich und meine Bettflasche = ♥
Ich und meine Bettflasche = ♥

Um 22 Uhr wurde ich dann müde, konnte nicht mehr sitzen und zu frösteln fing ich auch an. "Von mir aus können wir jetzt auch ins Zelt liegen. Ich leg kein Wert drauf um 0 Uhr nochmals aufzustehen, was meinst du?", fragte ich Micha. Er dann so: "ich auch nicht".

 

Gesagt getan. Ich füllte noch schnell mein Bettfläschchen mit heißem Wasser und wir mummelten uns in die Schlafsäcke ein. Silvester verpennten wir - ich hätte es mir nicht schöner vorstellen können :-)

Den GPX-Track findet ihr hier:

Tag 2 inklusive Fazit folgt in Kürze, seid gespannt...

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