Wenn das Klettersteigen in den Schnee fällt

Schneewandern im Rätikon

Im Hintergrund die markanten drei Drusentürme
Im Hintergrund die markanten drei Drusentürme

Den ersten Schnee in diesem Winter erlebte ich tatsächlich schon im September. Eigentlich wollten wir zum Klettersteigen ins Rätikon gehen. Der Wetterbericht kündigte "leichten Schneefall" an. Was uns dann erwartete, war etwas mehr als nur "leicht".

 

Aus dem Klettersteig-Wochenende wurde eine traumhaft schöne Schneewanderung. Landschaftlich habe ich selten solch tollen Bergformationen gesehen wie hier. Ich kann die Gegend absolut weiterempfehlen.

Wenig überlaufen - das Rätikon

Startpunkt, der Parkplatz in Latschau am Stausee
Startpunkt, der Parkplatz in Latschau am Stausee

Organisiert wurde die Tour vom DAV-Ludwigsburg. Leider sprangen kurzfristig einige Teilnehmer ab und so waren wir nur zu dritt unterwegs.

 

Das Rätikon ist von meinem Wohnort aus gesehen nur ein kleines Stück weiter entfernt als das Allgäu. Die halbe Stunde längere Fahrt lohnt sich aber total - denn das Rätikon ist im Gegensatz zum Allgäu weniger touristisch geprägt. Es ist einfach nicht ganz so voll und das merkt man auch auf Tour in den Bergen.

 

Wir waren im österreichischen Teil des Rätikons unterwegs. Ausgangspunkt war der Wanderparkplatz in Latschau.

Sicherheits-Check

Ich liebe die Kontraste von grünem Gras, blauem Himmel und weißem Schnee
Ich liebe die Kontraste von grünem Gras, blauem Himmel und weißem Schnee

Am Parkplatz kontrollierte Fachübungsleiter Jürgen nochmals unsere Klettersteigsets (wie gesagt, Klettersteigen war eigentlich unser Plan). Für die, die es noch nicht wissen:

ab diesem Jahr gibt es eine neue DIN Norm für Klettersteigsets. Die sollte auf jeden Fall beachtet werden, da es sicherheitsrelevant ist. Mehr dazu findet ihr hier.

 

Das Wetter war prima und noch sahen die Berge in der Ferne nur leicht vom Schnee gepudert aus. Zur Lindauer Hütte gibt es einige Wege. Anfangs über einen Fahrweg, zweigten wir später auf einen kleinen Pfad ab und liefen über den ersten Schnee.

Karstgestein

Die Drusentürme waren mein beliebtestes Fotomotiv
Die Drusentürme waren mein beliebtestes Fotomotiv

Immer im Blick hatten wir die Drusentürme, die wirklich sehr besonders sind. Sie heben sich fantastisch von der Landschaft ab und ich fand sie von ihrer Form ganz besonders schön. 

 

Überhaupt fand ich das Gestein und die Felsformationen in diesem Gebiet sehr speziell. Jürgen erklärte uns, dass das Gestein hier sehr karstig sei und es auch viele Höhlen gäbe. Der Klettersteig "Gauablick-Höhle" den wir begehen wollten, führt auch mitten drin durch eine Höhle im Fels. Karst entsteht übrigens, wenn kohlensäurehaltiges Wasser auf Kalkstein trifft. 

Die Lindauer Hütte

Die Lindauer Hütte ist in Sicht
Die Lindauer Hütte ist in Sicht

Nach ca. 2 Stunden kamen wir auf der Lindauer Hütte (1.744m) an. Vor dieser lag schon einiges an Schnee und es sollte noch mehr werden.

 

Wunderschön liegt die Hütte eingerahmt von Bergen wie Drusentürme und Sulzfluh. Die Hütte ist schon etwas besonderes, nicht nur wegen ihrer tollen Lage. Wirklich jeder kann hier her kommen und das Bergpanorama genießen - es gibt sogar einen Fahrweg zur Hütte. Die Hütte hat im Sommer und Winter ganzjährig geöffnet und ist ein super Ausgangspunkt für zahlreiche Erlebnisse:

  • Klettersteige (Gauablickhöhle, Sulzfluh und Blodigrinne)
  • Klettergarten
  • Skitouren
  • Rodeln
  • Bergsteigen/ Wandern

 

Alternativ-Plan

Klettersteigen bei dem Schnee - keine gute Idee
Klettersteigen bei dem Schnee - keine gute Idee

Nach einem kurzen Vesper liefen wir gemütlich bis zum Einstieg des Blodigrinnen Klettersteigs. Aus diesem wird wohl nichts, das war uns allen ziemlich schnell klar. Der Schnee lag viel zu hoch und wir erkannten, dass die Drahtseile schon unter der Schneedecke lagen. Bei den anderen beiden Klettersteigen würde es sicher ähnlich aussehen. Also mussten wir uns eine Alternative überlegen.

 

Der Plan für morgen war, zur Tilisuna Hütte über den Bilkengrat zu wandern. Der Wirt meinte, dass müsste gehen, es seien aber in dem Schnee heute noch keine den Weg gegangen. Wir sollten zeitig los gehen, damit der Schnee noch gefroren und die Lawinengefahr geringer ist.

Was ist das?

In der Senke, dort wo Sonne auf Schatten trifft, liegt die Lindauer Hütte
In der Senke, dort wo Sonne auf Schatten trifft, liegt die Lindauer Hütte

Wir hörten auf den Wirt und brachen am nächsten Tag früh auf. Ein kurzes Stück ging es durch ein Wäldchen und auf einmal hörten wir etwas richtig laut brüllen. Wir schauten uns verdutzt an und wussten erstmal gar nicht, was das gerade war. Langsam liefen wir weiter, dem röhren entgegen. Auf einmal stand ein riesen Koloss von Hirsch vor uns, röhrte uns noch einmal an und rann dann fort. Leider waren wir viel zu erschrocken und der Hirsch zu schnell weg - ein Foto hatten wir keins gemacht.

 

Der Weg ging gleich ziemlich steil bergauf. Das tat aber ganz gut, denn so wurde es mir zumindest warm.

Bei jedem Schritt lernt man was dazu

Teilweise waren die Passagen nicht ganz ungefährlich
Teilweise waren die Passagen nicht ganz ungefährlich

So langsam wurde der Schnee immer mehr und ich stapfte bald, bis kurz unterm Knie, den beiden Männern hinterher. An manchen Stellen konnte man schon abgegangene Lawinen sehen. Mir wurde etwas mulmig. Aber ich dachte, wir habe ja einen erfahrenen Fachübungsleiter dabei und der wird schon wissen, was gut bzw. machbar ist.

 

Und so war es dann auch - wir wurden gut instruiert und kamen ohne Zwischenfälle ans Ziel. An manchen Stellen sollten wir mit großem Abstand zueinander gehen, um keine Schneebretter los zu treten. Ich lernte während dieser Bergtour wirklich viel und das freut mich jedes mal. Das ist ein Grund, warum ich so gerne mit dem DAV unterwegs bin.

Was ist ab sofort immer in meinem Rucksack?

Die Stahlseilpassage mussten wir mit großem Abstand zueinander gehen
Die Stahlseilpassage mussten wir mit großem Abstand zueinander gehen

Wir hatten den Bilkengrat geschafft und kamen an eine Passage mit Stahlseilen. Teilweise waren diese auch im Schnee vergraben. Es war aber ganz gut machbar, auch wenn meine Hände vor Kälte schmerzten. Handschuhe hatte ich natürlich daheim liegen lassen, die hätte ich jetzt gut gebrauchen können. Naja, ab sofort sind sie immer im Rucksack ;-)

 

Wir hatten die Stelle geschafft und standen endlich in der wärmenden Sonne. Auch hatten wir einen wunderschönen Blick auf die Tisisuna Hütte und den Tilisuna See.

Ankunft auf der Tilisuna Hütte

Wunderschön gelegen - die Tilisuna Hütte
Wunderschön gelegen - die Tilisuna Hütte

Ich glaube nach ca. 5-6 Stunden kamen wir auf der 2.211 Meter hoch gelegenen Tilisuna Hütte an. Ohne Schnee wäre es natürlich deutlich schneller gegangen.

 

Nach einer heißen Schoki für mich, liefen wir noch bis zur Schweizer Grenze. Dort suchten wir uns ein sonniges Plätzchen um noch ein paar Übungen zu machen. Jürgen war erst kürzlich auf einer Fachübungsleiter-Ausbildung und erklärte uns das Gelernte. Es war sehr interessant und toll, dass alles ausprobieren zu können.

 

 

Tolle Gegend, viel gelernt und super viel Spaß gehabt

Glücklich, über das gelungene Wochenende :-)
Glücklich, über das gelungene Wochenende :-)

Am nächsten Tag ging es dann über den Tobelsee zurück nach Latschau. Wir kamen vom Schnee in den Regen, was unserer guten Stimmung aber keinen Abbruch tat. Viele Schneehühner bekamen wir zu Gesicht, die aber auch viel zu schnell für unsere Kameras waren. 

 

Es war ein wirklich gelungenes Wochenende, auch wenn alles anders kam, als geplant. Ich werde auf jeden Fall wieder hier her kommen und die drei geplanten Klettersteige machen. Die Gegend hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen - natürlich im positiven Sinne.

 

 

GPX-Track Tilisunahütte zur Lindauerhütte. Wir sind den Weg andersrum gelaufen.

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