Drei Tage die Menschen und Kulturen verbinden
Vier Gipfel, beeindruckende Ausblicke auf die Allgäuer Alpen, herausfordernde Wege über die Nagelfluhkette und unzählige gemeinsame Momente. Unser diesjähriges Wanderglück-Wochenende hatte alles, was das Herz von Bergbegeisterten höherschlagen lässt.
Doch es waren nicht nur die Wanderungen, die diese Tage so besonders machten. Es waren die Begegnungen unterwegs, die Gespräche am Lagerfeuer, das gemeinsame Kochen in unserer Berghütte und die vielen kleinen Augenblicke, in denen aus Fremden ein echtes Team wurde.
Mit 16 Teilnehmenden aus Afghanistan, dem Irak, Syrien, Rumänien, Moldawien und Deutschland verbrachten wir drei Tage im Allgäu. Gemeinsam überschritten wir Grenzen – nicht nur auf den Bergpfaden zwischen Mittag, Bärenkopf, Steineberg und Stuiben, sondern auch zwischen Kulturen, Sprachen und Lebensgeschichten.
Gemeinsame Erlebnisse schaffen Erinnerungen, Vertrauen und Verbundenheit – ganz unabhängig davon, woher wir kommen. Genau dafür steht "Wanderglück". In diesem Artikel nehmen wir dich mit auf unser diesjähriges Bergevent.
Neun Jahre Wanderglück – Begegnungen in der Natur
Seit mittlerweile neun Jahren ist "Wanderglück" mein absolutes Herzensprojekt. Rund um Steinheim an der Murr wandern wir gemeinsam durch Wälder, über Wiesen und Felder. Mit dabei sind Menschen mit Migrationsgeschichte und Einheimische, langjährige Weggefährten ebenso wie neue Teilnehmende.
Als ich Wanderglück gründete, wünschte ich mir, dass zwischen geflüchteten und einheimischen Menschen echte Begegnungen und vielleicht sogar Freundschaften entstehen. Dafür braucht es zunächst einen Raum, in dem man sich ungezwungen kennenlernen kann.
Was könnte dafür besser geeignet sein als die Natur?
Beim Wandern kommt man ganz selbstverständlich ins Gespräch. Man läuft ein Stück nebeneinander, erzählt aus seinem Alltag, lacht miteinander oder genießt auch einmal gemeinsam die Stille. Die sonst oft vorhandenen Hemmschwellen verlieren unterwegs schnell an Bedeutung. Weil das Wandern zugleich meine große Leidenschaft ist, lag es für mich nahe, beides miteinander zu verbinden.
Einmal im Jahr verlassen wir unsere heimatnahen Wege und brechen zu einem besonderen dreitägigen Bergabenteuer auf. In diesem Jahr reisten wir mit 16 Teilnehmenden aus Afghanistan, dem Irak, Syrien, Rumänien, Moldawien und Deutschland in die Allgäuer Alpen.
Unsere Berghütte oberhalb von Sonthofen
Sehr früh am Morgen starteten wir in Fahrgemeinschaften von Steinheim in Richtung Allgäu. Nach dem gemeinsamen Einkauf bezogen wir unsere Unterkunft für die kommenden drei Tage: eine wunderschön gelegene Selbstversorgerhütte der Skifreunde Stuttgart e. V. oberhalb von Sonthofen.
Schon die Lage war etwas ganz Besonderes. Rund um die Hütte erstreckten sich grüne Wiesen, dahinter erhoben sich die Berge. Sobald wir vor die Tür traten, konnten wir den Blick über die Allgäuer Landschaft schweifen lassen. Die Hütte war gemütlich, ruhig gelegen und ein perfekter Ausgangspunkt für unsere Unternehmungen.
Da es sich um eine Selbstversorgerhütte handelte, gehörten Kochen, Spülen und Aufräumen genauso zu unserem Wochenende wie Wandern und Bergabenteuer. Wir teilten Küchenteams ein und überlegten gemeinsam, wer welche Aufgabe übernehmen konnte.
Was bringen wir mit – und was lassen wir zu Hause?
Bevor unser erstes Abenteuer begann, nahmen wir uns Zeit für das Kennenlernen. Auf der Wiese vor der Hütte überlegten die Teilnehmenden in kleinen Gruppen, welche persönlichen Eigenschaften sie in das Wochenende einbringen konnten – und was sie für drei Tage bewusst zu Hause lassen möchten.
Die Übereinstimmungen waren erstaunlich groß. Hilfsbereitschaft, Teamgeist, Motivation, Freude und Spaß standen auf vielen Listen. Alltagssorgen und beruflichen Stress hingegen wollten nahezu alle zurücklassen.
Schon während dieser ersten gemeinsamen Runde wurde viel gesprochen und gelacht. Obwohl sich nicht alle Teilnehmenden vorher gekannt hatten, war die anfängliche Zurückhaltung schnell verschwunden.
Mich macht es jedes Mal glücklich zu sehen, wie ungezwungen alle miteinander lachen und wie viel Vorfreude auf die kommenden Tage zu spüren ist. Oft reichen schon wenige Stunden in der Natur, damit die Menschen entspannter werden und sich füreinander öffnen.
Erst steil bergauf zur Alpsee Bergwelt
Unser erstes Ziel war die Alpsee Bergwelt. Bevor wir uns jedoch auf die rasante Abfahrt mit der Rodelbahn freuen konnten, mussten wir uns diese erst einmal verdienen.
Rund anderthalb Stunden ging es einen wirklich steilen Berghang hinauf. Die hohen Temperaturen machten den Aufstieg zusätzlich anstrengend.
Wir schwitzten, legten kleine Pausen ein und motivierten uns gegenseitig. Oben angekommen, war die Erleichterung entsprechend groß – und die Vorfreude auf die Abfahrt kaum zu übersehen.
Rasante Abfahrt ins Tal mit dem Alpsee Coaster
Mit dem Alpsee Coaster ging es anschließend über 2,8 Kilometer, mehr als 100 Kurven, Wellen und Sprünge hinunter ins Tal. Mit bis zu 40 Kilometern pro Stunde ist er laut Betreiber Deutschlands längste Ganzjahres-Rodelbahn.
Der Fahrtwind war nach unserem heißen Aufstieg eine mehr als willkommene Abkühlung.
Als ein Schlitten nach dem anderen unten ankam, strahlten alle über beide Ohren. Freidun, der bereits mehrfach bei Wanderglück dabei war, brachte die Begeisterung auf den Punkt:
„Das war richtig, richtig schön. So etwas wollte ich schon immer einmal erleben.“
Badespaß im Großen Alpsee
Nach so viel Bewegung und Adrenalin sehnten wir uns nach Wasser. Deshalb ging es weiter zum Großen Alpsee.
Das türkisblau schimmernde Wasser wirkte an diesem heißen Tag besonders einladend.
Einige sprangen sofort hinein, andere tasteten sich etwas vorsichtiger vor. Es wurde geplanscht, geschwommen und auf der Wiese entspannt. Alltag und Stress waren zu diesem Zeitpunkt längst weit weg.
Gemeinsamer Grillabend mit Blick auf die Alpen
Am Abend kehrten wir zu unserer Hütte zurück und bereiteten gemeinsam das Grillen vor. Die Küchenteams schnippelten, deckten den Tisch und sorgten dafür, dass alle satt wurden.
Dabei entstand einer dieser kleinen, wunderbaren Momente. Während der Essensvorbereitung stellte Freidun amüsiert fest:
„Heute habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Paprika geschnitten.“
Natürlich wurde viel gelacht. Doch hinter dieser kleinen Aussage steckt auch etwas, das unser Projekt ausmacht: Neues ausprobieren, voneinander lernen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Beim Kochen zeigt sich schnell, wo die eigenen Stärken liegen, wer Unterstützung benötigt und wie gut Zusammenarbeit funktionieren kann. Denn wenn niemand mithilft, steht am Ende auch kein Essen auf dem Tisch.
Anschließend saßen wir noch lange zusammen. Bereits an diesem ersten Abend entstanden viele persönliche Gespräche – manchmal ernst, manchmal traurig, oft lustig und überraschend offen.
Mit der Mittagsbahn zum ersten Gipfel
Ein Moment am nächsten Morgen blieb mir besonders im Gedächtnis. Scherko, ein Teilnehmer aus Syrien erzählte mir: „Ich hatte gestern Abend Tränen in den Augen vor Glück.“
Er hatte die Nacht unter freiem Himmel verbracht und fühlte sich dabei an seine Heimat erinnert, wo er früher oft auf den Dächern unter dem Sternenhimmel geschlafen hatte.
Nach einem ausgiebigen, selbst gemachten Frühstück startete unsere große Bergwanderung. Sie sollte uns über bis zu vier Gipfel der Nagelfluhkette führen: Mittag, Bärenkopf, Steineberg und Stuiben.
Zunächst fuhren wir mit dem Sessellift der Mittagsbahn hinauf. So konnten wir den ersten großen Anstieg abkürzen und unsere Kräfte für den langen Weg über den Grat sowie den späteren Abstieg aufsparen.
Schon während der Fahrt wurde die Landschaft unter uns immer weiter. Oben angekommen, standen wir direkt auf unserem ersten Gipfel, dem Mittag. Die Vorfreude war groß, zugleich war allen bewusst, dass noch ein langer und für manche auch herausfordernder Tag vor uns lag.
Über den Bärenkopf auf die Nagelfluhkette
Vom Mittag führte uns der anfangs noch recht einfache Wanderweg in Richtung Bärenkopf. Die grünen Täler lagen unter uns, in der Ferne reihten sich Berggipfel aneinander. Immer wieder blieben wir stehen, um das Panorama zu bewundern oder ein gemeinsames Foto zu machen.
Auch den Kühen auf den Almweiden wurde große Aufmerksamkeit geschenkt. Manche Teilnehmende waren absolute Tierflüsterer. Die Kühe legten regelrecht ihre Köpfe in ihre Hände und genossen sichtlich die Streicheleinheiten.
Die Strecke bis zum Bärenkopf war ideal, um miteinander ins Gespräch zu kommen. In wechselnden kleinen Gruppen liefen wir nebeneinander, erzählten, scherzten und lernten uns noch besser kennen.
Was ist Nagelfluh?
Das Gestein unter unseren Füßen machte die Wanderung zusätzlich besonders. Die Nagelfluhkette trägt ihren Namen nach dem für die Region typischen Nagelfluhgestein. Es besteht aus vielen abgerundeten Kieseln, die durch ein natürliches Bindemittel fest miteinander verbunden wurden. Dadurch erinnert das Gestein auf den ersten Blick an groben Beton.
Seine Entstehung reicht Millionen Jahre zurück: Flüsse transportierten Geröll aus den jungen Alpen, rundeten die Steine ab und lagerten sie im Alpenvorland ab. Später wurden die Schichten verfestigt, angehoben und durch Verwitterung zu der heutigen Berglandschaft geformt.
Auf den Wanderwegen begegnet man diesem eigenwilligen Gestein immer wieder. Es bildet markante Rippen, Stufen und Grate und verleiht der Nagelfluhkette ihr unverwechselbares Aussehen.
Für uns bedeutete das: eindrucksvolle Wege, aber auch einige Stellen, an denen Trittsicherheit und volle Konzentration erforderlich waren.
Gemeinsam hinauf auf den Steineberg
Schon bald bewegten wir uns auf einem aussichtsreichen Grat. Zu beiden Seiten öffneten sich fantastische Ausblicke. Mal verlief der Weg über Wiesen und gut begehbare Pfade, dann wurde er felsiger, steiler und erforderte mehr Konzentration.
Für einige Teilnehmende bedeutete das eine echte persönliche Herausforderung. Doch genau an diesen Stellen zeigte sich, was unsere Gruppe ausmachte. Eine Hand wurde gereicht, ein sicherer Tritt gezeigt und Mut zugesprochen. Niemand musste eine schwierige Passage allein bewältigen. Jeder durfte sich die Zeit nehmen, die er brauchte.
In den Bergen spielt es keine Rolle, wo jemand geboren wurde oder welche Sprache er zuerst gelernt hat. Vor uns allen liegt derselbe Weg. Wir teilen die Anstrengung, die Unsicherheit an schwierigeren Stellen und später die Freude darüber, es geschafft zu haben.
Die Schlüsselstelle am Steineberg
Kurz vor dem Gipfel des Steinebergs standen wir plötzlich vor der wohl spannendsten Passage unserer gesamten Tour. Vor uns ragte eine etwa 17 Meter hohe, nahezu senkrechte Stahlleiter empor, die direkt durch die felsige Wand zum Gipfel führte. Unser Blick wanderte automatisch nach oben. Während einigen schon beim Anblick etwas mulmig wurde, konnten andere es kaum erwarten, die Leiter zu erklimmen.
Die Stahlleiter gilt als Schlüsselstelle dieser Wanderung. Wer sie nutzt, erreicht den Gipfel in nur wenigen Minuten über den als schwer (schwarz) eingestuften Weg. Alternativ führt ein etwa 20-minütiger Umgehungsweg ebenfalls sicher hinauf zum Gipfel.
Wir versammelten unsere Gruppe und besprachen gemeinsam, wer welchen Weg wählen möchte. Einige freuten sich auf die Herausforderung und wollten die Leiter unbedingt ausprobieren. Andere waren zunächst unsicher, entschieden sich aber bewusst dafür, ihre Komfortzone zu verlassen und sich der Herausforderung zu stellen. Wieder andere spürten sofort, dass sich die Leiter für sie nicht richtig anfühlte, und wählten den längeren Wanderweg.
Genau das finde ich an solchen Momenten besonders wichtig: Jeder Mensch darf seinen eigenen Weg gehen. Mut bedeutet nicht, jede Herausforderung anzunehmen. Manchmal bedeutet Mut auch, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und eine Entscheidung zu treffen, die sich für einen selbst richtig anfühlt.
Gemeinsam auf dem Gipfel des Steinebergs
Überglücklich kamen wir auf dem Gipfel des Steineberg an und gönnten uns erstmal eine Vesperpause.
"Was seid ihr denn für eine Gruppe", wollte ein Wanderer wissen, der vor dem Gipfelkreuz saß. Wir kamen miteinander ins Gespräch und erzählten, woher wir stammten. Dabei stellte sich witzigerweise heraus, dass er in demselben Ort wohnte, aus dem auch drei unserer Teilnehmenden kamen. Das sorgte natürlich für großes Gelächter. Wieder einmal zeigte sich, wie klein die Welt manchmal sein kann.
Generell wurden wir während des Wochenendes immer wieder angesprochen. Unsere multikulturelle Gruppe fiel auf – ebenso unsere einheitlichen T-Shirts und Hosen, die wir von Maier Sports gesponsort bekommen haben. Das Interesse an Wanderglück war dabei durchweg positiv. Viele Menschen wollten wissen, wer wir sind, was uns verbindet und was hinter unserem Projekt steckt. Aus kurzen Fragen entstanden oft herzliche Gespräche am Wegesrand.
Zwei Wege und trotzdem ein Team
Etwas weiter nach dem Steineberg teilte sich unsere Gruppe. Für einen Teil war nach den bisherigen Gipfeln und vielen Stunden auf den Beinen der richtige Zeitpunkt gekommen, den kürzeren Weg zur Alpe Gund einzuschlagen. Dort konnten sich die Teilnehmenden erholen und auf den Rest der Gruppe warten.
Ich machte mich mit sechs Teilnehmenden auf den Weg zum Stuiben. Der vierte Gipfel des Tages sollte noch einmal Kraft, Ausdauer und Konzentration verlangen.
Gerade bei einer so unterschiedlichen Gruppe ist es mir wichtig, verschiedene Möglichkeiten anzubieten. Nicht jeder Mensch bringt dieselbe Kondition, Bergerfahrung oder Tagesform mit. Ein früherer Ausstieg ist deshalb kein Scheitern, sondern eine verantwortungsvolle Entscheidung. Jede und jeder hatte an diesem Tag bereits viel geleistet.
Mit sechs Teilnehmenden weiter zum Stuiben
Der Weg zum Stuiben führte weiter über die charakteristischen Höhen der Nagelfluhkette. Unsere Beine wurden langsam schwerer, doch zugleich war der Wunsch groß, auch den vierten Gipfel zu erreichen.
Inzwischen waren wir als kleine Gruppe sehr gut aufeinander eingespielt. Wir fanden einen gemeinsamen Rhythmus, warteten an schwierigeren Stellen und motivierten uns auf den letzten Metern. Immer wieder belohnte uns das Panorama für die Anstrengung.
Als wir schließlich den Stuiben erreichten, war die Freude riesig. Vier Gipfel an einem Tag – damit hatte sicherlich nicht jeder gerechnet. Der Stolz in den Gesichtern machte deutlich, wie viel mehr ein Gipfel bedeuten kann als nur einen Punkt auf einer Wanderkarte.
Er steht für Durchhalten, Vertrauen und den Mut, die eigenen Grenzen ein Stück zu verschieben.
Über 1.100 Höhenmeter Abstieg nach Immenstadt
Mit dem Stuiben war unsere Tour noch lange nicht beendet. Vor uns lag der ausgedehnte Abstieg in Richtung Immenstadt. Mehr als 1.100 Höhenmeter mussten wir bergab bewältigen.
Für manche waren die ausgesetzten Stellen die größte Herausforderung des Tages. Andere spürten vor allem die lange Gehzeit und den nicht enden wollenden Abstieg in den Beinen. Gerade bergab zeigt sich oft erst, wie viel Kraft eine Tour tatsächlich gekostet hat.
Am Ende erreichten wir alle erschöpft, aber glücklich das Tal.
Spaghetti, Lagerfeuer und Erinnerungen an die Heimat
Zurück auf der Hütte wartete genau das richtige Essen auf uns: eine große Portion Spaghetti mit Salat für alle. Nach diesem langen Tag schmeckte das gemeinsame Abendessen besonders gut.
Später entzündeten wir vor der Hütte ein Lagerfeuer. Wir saßen eng beieinander, schauten in die Flammen und ließen den Tag noch einmal Revue passieren. Die besondere Atmosphäre weckte bei Sirav Erinnerungen an seine Kindheit in Syrien.
„Früher haben wir Kinder uns im Dorf oft abends getroffen, etwas abseits ein Lagerfeuer angezündet und Essen mitgenommen“, erzählte er. „Diese Momente fehlen mir sehr. Deshalb habe ich unsere gemeinsame Zeit hier am Feuer besonders genossen.“
Seine Worte machten uns bewusst, dass ein Lagerfeuer für jeden Menschen etwas anderes bedeuten kann. Für die einen ist es ein gemütlicher Abschluss eines Wandertages. Für einen anderen ist es eine Verbindung zu einer weit entfernten Heimat und zu einer glücklichen Zeit in der eigenen Kindheit.
Wir blieben noch lange sitzen, redeten, lachten und schauten gemeinsam ins Feuer.
Schlafen unter dem Allgäuer Sternenhimmel
Einige aus unserer Gruppe wollten in dieser Nacht gar nicht mehr in die Hütte zurückkehren. Sie schliefen unter freiem Himmel und genossen die frische Bergluft.
Am nächsten Morgen erzählte Scherko von seinen Tränen der Freude. Die Nacht unter den Sternen hatte ihn an die Sommer in seiner Heimat erinnert, als seine Familie häufig auf den flachen Hausdächern schlief.
Solche Erzählungen berühren mich tief. Sie entstehen nicht in einem geplanten Gesprächskreis und lassen sich nicht erzwingen. Sie entstehen, weil Menschen sich wohl und sicher fühlen. Weil sie Vertrauen gefasst haben und bereit sind, etwas Persönliches zu teilen.
Genau darin liegt für mich die Kraft gemeinsamer Naturerlebnisse.
Teamgeist, Vertrauen und jede Menge Lachen
Am letzten Morgen wartete eine Team-Challenge auf uns. Bei einem Eierlauf, einer Übung mit Luftballons und einem Blindparcours waren Geschicklichkeit, Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen gefragt.
Bei einer der Aufgaben bewegte sich die Gruppe wie eine lange, blinde Schlange vorwärts. Nur die letzte Person hatte die Augen geöffnet und musste navigieren. Gesprochen werden durfte nicht. Nur wenn Informationen klar weitergegeben wurden und alle aufeinander achteten, konnte das gemeinsame Ziel erreicht werden.
Natürlich lief nicht alles sofort perfekt. Gerade deshalb wurde umso mehr gelacht. Die Gruppe verbesserte ihre Strategie, sprach sich ab und unterbot schließlich die selbst gesetzte Zielzeit deutlich.
Es war ein spielerischer Abschluss, der noch einmal sichtbar machte, wie stark wir in diesen drei Tagen zusammengewachsen waren.
Eine letzte Wanderung und Zeit zum Nachdenken
Bevor wir die Hütte verlassen mussten, machten wir noch eine rund anderthalbstündige Wanderung durch die Wiesen und Wälder in der Umgebung.
Unterwegs bildeten wir Zweiergruppen und führten kleine Interviews miteinander. Die Teilnehmenden sprachen beispielsweise über die Fragen:
Worauf bist du an diesem Wochenende besonders stolz auf dich? Wo hast du Gemeinschaft erlebt? Und was hast du selbst dazu beigetragen?
Diese Gespräche gaben uns die Möglichkeit, nicht nur auf die sichtbaren Höhepunkte zurückzublicken. Natürlich waren der Alpsee Coaster, die Gipfel und der Große Alpsee unvergesslich. Doch häufig wurden ganz andere Momente genannt: eine helfende Hand, ein persönliches Gespräch, das gemeinsame Kochen und Essen oder der Mut, trotz Angst eine schwierige Stelle zu überwinden.
Danach hieß es noch einmal: gemeinsam anpacken. Alle halfen mit, bis die Selbstversorgerhütte wieder blitzblank war und wir sie an die Skifreunde Stuttgart e. V. übergeben konnten.
Warum Berge und Natur Menschen verbinden
Die Berge fragen nicht nach Herkunft, Beruf oder gesellschaftlichem Status. Sie stellen allen dieselbe Frage: Bist du bereit, dich auf den Weg einzulassen?
Ein herausfordernder Pfad schweißt zusammen. Man hilft sich automatisch, weil man erkennt, dass die andere Person gerade Unterstützung benötigt. Man teilt Wasser und Proviant, wartet aufeinander und freut sich gemeinsam über jeden erreichten Gipfel.
Gleichzeitig verbindet uns die Faszination für die Bergwelt. Wir schauen auf dieselben Gipfel, staunen über dieselbe Aussicht und spüren dieselbe Erleichterung, wenn eine schwierige Passage hinter uns liegt.
So wächst nicht nur das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, sondern auch das Vertrauen in andere Menschen. Aus Fremden werden Weggefährtinnen und Weggefährten. Aus Gesprächen können Freundschaften entstehen. Integration wird dabei nicht theoretisch besprochen. Sie wird gelebt.
Drei Tage, die in unseren Herzen bleiben
Der Abschied fiel uns allen sichtbar schwer. Jeder sprach mindestens einmal den Wunsch aus, nächstes Jahr wieder hier her zu kommen.
Mich erfüllt es mit großer Dankbarkeit, dass Wanderglück seit neun Jahren Menschen zusammenbringt. Ich bin dankbar für jede einzelne Person, die sich auf dieses Projekt einlässt, ihre Geschichte teilt und die Gemeinschaft mit Leben füllt.
Diese Tage im Allgäu werden für immer einen Platz in unseren Herzen haben. Und ich freue mich auf viele weitere Wege, Gipfel und Abenteuer, die wir gemeinsam erleben werden.
Ohne Unterstützung wäre Wanderglück nicht möglich
Ein solches Wochenende lässt sich nur mit verlässlichen Partnern realisieren.
Unser herzlicher Dank geht an den Outdoorkleidungs-Hersteller Maier Sports, für die mittlerweile langjährige Zusammenarbeit. Das Unternehmen hat unser Projekt auch in diesem Jahr wieder finanziell unterstützt. Außerdem haben wir uns alle sehr über die hochwertige Outdoor-Bekleidung in Form von T-Shirts, Zipp-Hosen und Kappe gefreut.
Ein großes Dankeschön geht außerdem an die Bürgerstiftung der Stadt Steinheim für ihre finanzielle Förderung.
Ohne diese Unterstützungen wären die drei besonderen Bergtage in dieser Form nicht möglich gewesen.
Möchtest du Teil von Wanderglück werden?
Wanderglück richtet sich an Menschen mit Migrationsgeschichte und Einheimische, die gemeinsam die Natur erleben, neue Menschen kennenlernen und miteinander unterwegs sein möchten. Bergerfahrung ist für unsere heimatnahen Wanderungen keine Voraussetzung. Viel wichtiger sind Offenheit, Neugier und Freude an der Gemeinschaft.
Auch finanzielle Unterstützung hilft uns, Fahrtkosten, Ausrüstung und besondere Veranstaltungen für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.
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