Wanderung durch Seiser Alm und Rosengartenmassiv – alpine Highlights der Dolomiten
Die fünfte Etappe unserer Dolomiten-Durchquerung führt uns aus der markanten Langkofelgruppe hinein ins wilde Rosengartenmassiv und könnte landschaftlich kaum abwechslungsreicher sein. Während wir am Morgen noch durch mystische Nebelschwaden, saftig grüne Almwiesen und die weiten Landschaften der Seiser Alm wandern, verändert sich die Umgebung im Laufe des Tages zunehmend. Die gemütlichen Wege verwandeln sich Schritt für Schritt in alpines Gelände mit steilen Geröllfeldern, versicherten Passagen und anspruchsvollen Anstiegen rund um den Molignonpass und die Grasleitenpasshütte.
Gerade dieser starke Kontrast macht diese Etappe für uns zu etwas ganz Besonderem. Zwischen friedlich grasenden Kühen, neugierigen Murmeltieren, den markanten Rosszähnen und wilden Felslandschaften erleben wir die Dolomiten an diesem Tag von ihrer unglaublich vielfältigen Seite.
Gleichzeitig fordert uns das wechselhafte Wetter mit Dauerregen, angekündigten Gewittern und rutschigem Gelände immer wieder heraus und verlangt einige wichtige Entscheidungen von uns ab.
Warum die Pause auf der Tierser Alpl an diesem Tag vermutlich die beste Entscheidung der gesamten Tour war, weshalb uns die letzten Geröllanstiege Kraft kosteten und wieso wir am Abend trotzdem überglücklich auf der Grasleitenpasshütte ankamen, erfahrt ihr jetzt im Etappenbericht.
Tourenfakten zur Dolomiten-Durchquerung – Etappe 5 im Überblick
Tourenfakts
⏰ Dauer: ca. 6 Stunden
↔️ Kilometer: 14,2 km
⬆️ Anstieg: 1.074 Hm
⬇️ Abstieg: 730 Hm
Schwierigkeit: Schwer
Art der Tour: Bergwanderung, Etappentour
🍴 Einkehrmöglichkeit: Seiser Alm, Tierser Alpl
🛏️ Übernachtung: Grasleitenpasshütte
Route: Langkofelhütte - Seiser Alm - Tierser Alpl - Grasleitenpasshütte
Den .gpx-Track zum Herunterladen findest Du am Ende des Artikels.
Regen am Morgen auf der Langkofelhütte in den Dolomiten
Leider hatte sich der Regen vom Vortag auch über Nacht nicht beruhigt. Noch bevor wir die Augen öffnen, hören wir bereits das gleichmäßige Plätschern der Regentropfen auf dem Dach der Langkofelhütte. Irgendwie ruhig, fast schon gemütlich – und gleichzeitig eine leise Erinnerung daran, dass uns auch heute wieder eine nasse Etappe bevorstehen würde.
Nach einem stärkenden Frühstück quälen wir uns erneut in unsere inzwischen klammen Regenklamotten hinein und treten hinaus in die feuchte Morgenluft. Die gewaltigen Berge der Langkofelgruppe liegen komplett im Nebel verborgen. Nur schemenhaft lassen sich die dunklen Konturen der Felsen erahnen.
Mit Aventerra e.V. durch die Dolomiten – unser Start in den Wandertag
Bevor wir jedoch loslaufen, starten wir auf der urigen Terrasse der Langkofelhütte erst einmal mit einer kleinen Aufwärmsession in den Tag. Wie ihr vielleicht bereits aus den vorherigen Etappenberichten mitbekommen habt, sind wir gemeinsam mit einer erlebnispädagogischen Gruppe von Aventerra e.V. unterwegs. Unsere zwölf jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren gestalten jeden Morgen einen kleinen Tagesbeginn und guiden uns anschließend – natürlich unter den wachsamen Augen von uns TrainerInnen – durch die Berge der Dolomiten.
An diesem Morgen liegt jedoch eine gewisse Anspannung in der Luft. Für den Mittag sind starke Gewitter angekündigt und auch die achtsamen Hüttenwirte der Langkofelhütte raten uns ausdrücklich zur Vorsicht.
Durch Regen und Nadelwald auf dem Weg zur Seiser Alm
Unser Ziel ist daher klar: möglichst schnell bis zur Tierser Alpl kommen, dort das angekündigte Unwetter aussitzen und erst später bei sicherer Wetterlage weiter Richtung Grasleitenpasshütte laufen.
Deshalb schlagen wir heute ein deutlich höheres Tempo an als an den Tagen zuvor.
Die Etappe beginnt zunächst bergab und schon bald tauchen wir in ein kleines Nadelwäldchen ein. Durch das zügige Wandertempo und die stickigen Regenjacken kommen wir schnell ordentlich ins Schwitzen. Mittlerweile sind wir nicht mehr nur von außen nass – der Schweiß läuft uns inzwischen auch von innen den Rücken herunter.
Trotz des schlechten Wetters ist die Stimmung in unserer Gruppe super. Wir motivieren uns gegenseitig, lachen über unsere stylischen Regenoutfits und versorgen uns mit Süßigkeiten.
Wanderung über die Seiser Alm bei Regen und Nebel
Nach dem Wald öffnet sich plötzlich die Landschaft und wir gelangen auf die wunderschönen Almwiesen der Seiser Alm. Das Landschaftsbild verändert sich hier komplett. Während die vorherigen Tage eher von grauen Felsen, Geröll und schroffen Berglandschaften geprägt waren, breiten sich nun saftig grüne Wiesen vor uns aus. Selbst im Regen wirkt dieser Ort wunderschön.
Der Nebel zieht langsam über die weiten Almflächen hinweg und gibt immer wieder für kurze Momente neue Ausblicke frei. Kühe grasen friedlich auf den Wiesen und verleihen der ohnehin schon fast surrealen Stimmung noch mehr Ruhe.
Bei gutem Wetter könnte man hier wahrscheinlich stundenlang einfach nur im Gras liegen und die Aussicht genießen.
Berghaus Zallinger und mystische Stimmung auf der Seiser Alm
Kurz bevor wir das Berghaus Zallinger erreichen, werden wir von einigen wunderschönen Pferden begrüßt. Für einen kurzen Augenblick reißen die Nebelschwaden auf und geben einen mystischen Blick auf die umliegenden Berge frei. Einer dieser kleinen Momente, die sich trotz Regen tief einprägen.
Nach etwa anderthalb Stunden erreichen wir schließlich das Berghaus auf der Seiser Alm. Nach einer kurzen Pipi- und Snack-Pause geht es auch schon weiter. Wir wollen ja rechtzeitig vor dem Gewitter auf der Tierser Alpl sein.
Der steile Aufstieg zur Tierser Alpl in den Dolomiten
Von hier aus führt uns ein breiter Fahrweg weiter durch die Landschaft. Ehrlich gesagt liebe ich eigentlich eher schmale, urige Bergpfade. Doch an diesem Tag kommt uns der einfache Weg mehr als gelegen. Wir kommen schnell voran und können unterwegs entspannt miteinander sprechen, ohne ständig auf jeden einzelnen Schritt achten zu müssen.
Dann beginnt der lange und steile Anstieg hinauf zur Tierser Alpl. Auch hier laufen wir auf einem Fahrweg. Technisch ist die Strecke zwar einfach, doch der Weg ist steil, sehr steil.
Mit jedem Schritt werden die Beine schwerer. Gleichzeitig motiviert uns jedoch der Blick auf die markanten Rosszähne, die sich langsam aus dem Nebel schälen und direkt neben der Tierser Alpl aufragen.
Murmeltiere und Rosszähne – besondere Momente an der Tierser Alpl
Da einige aus der Gruppe heute unbedingt schnell oben ankommen möchten, teilen wir uns kurzzeitig auf. Während der erste Trupp beinahe im Laufschritt den Berg hinaufstürmt, entdeckt die zweite Gruppe plötzlich rechts und links des Weges zahlreiche Murmeltiere, die ausgelassen über die Wiesen tollen.
Vor allem die Mädels aus unserer Gruppe sind vollkommen begeistert von den kleinen Tieren und bleiben immer wieder stehen, um ihnen zuzusehen. So vergeht auch der unbequeme Aufstieg wie im Flug.
Regenpause und Einkehr auf der Tierser Alpl Hütte
Oben angekommen treffen schließlich beide Gruppen wieder aufeinander und gemeinsam betreten wir die Tierser Alpl. Ehrlich gesagt fühlt sich diese Hütte in diesem Moment fast wie ein kleines Luxusresort an. Besonders der große Trockenraum mit Wärmebügeln für Schuhe kommt uns wie gerufen. Sofort hängen wir unsere komplett durchnässten Regenklamotten und Schuhe auf, bevor wir uns in den unglaublich gemütlichen Gastraum zurückziehen.
Die Tierser Alpl wirkt dabei fast eher wie ein modernes Bergrestaurant als wie eine klassische Schutzhütte. Alles ist stilvoll renoviert, unglaublich gemütlich und dazu gibt es eine große Auswahl an richtig leckerem Essen.
Gewitterfront in den Dolomiten – warum wir zwei Stunden warteten
Ein Blick auf die Wetterkarte zeigt uns schnell, dass die angekündigte Regen- beziehungsweise Gewitterfront noch eine ganze Weile direkt über uns hängen würde. Doch ehrlich gesagt hätte es definitiv schlimmere Orte gegeben, um so etwas auszusitzen.
Also machen wir kurzerhand das Beste daraus.
Wir schlagen uns die Bäuche voll, trinken heißen Tee und verbringen die nächsten Stunden damit, ausgiebig miteinander zu quatschen. Draußen prasselt der Regen unaufhörlich gegen die Fenster der Tierser Alpl. Das angekündigte Gewitter bleibt am Ende zwar aus, dafür regnet es jedoch zwei Stunden am Stück in Strömen.
Über den Molignonpass zur Grasleitenpasshütte wandern
Nach knapp zwei Stunden wagen wir schließlich wieder den Schritt nach draußen. Die Luft ist inzwischen angenehm frisch und tatsächlich kämpfen sich sogar erste Sonnenstrahlen zaghaft durch die dichte Wolkendecke.
Vor uns liegen noch etwa zwei Stunden bis zur Grasleitenpasshütte und ab jetzt wird das Gelände deutlich alpiner. Direkt hinter der Tierser Alpl beginnt eine steile, versicherte Passage die uns unmittelbar über die Felsen hinaufzieht. Schnell gewinnen wir an Höhe und werfen noch einmal einen wunderschönen Blick zurück auf die Hütte. Dahinter ragen die markanten Rosszähne dramatisch aus den Wolken empor und verleihen der Landschaft eine fast unwirkliche Atmosphäre.
Steiler Geröllabstieg Richtung Grasleitenpasshütte
Oben angekommen erreichen wir schließlich den Molignonpass. Von hier aus führt der Weg in steilem Geröll wieder bergab. Gegenüber erkennen wir in der Ferne zwar die Grasleitenpasshütte noch nicht direkt, doch ich weiß bereits genau, wo sie liegt.
Vor einigen Jahren war ich schon einmal hier unterwegs und zeige der Gruppe die kleine Scharte, in der unser heutiges Ziel verborgen liegt.
Die Begeisterung hält sich zunächst allerdings etwas in Grenzen. Denn von hier oben sieht jeder sofort den letzten großen Geröllanstieg, der uns noch bevorsteht.
Vorsicht vor Murenabgängen auf dem Weg zur Grasleitenpasshütte
Nach dem letzten Abstieg greife ich schließlich doch kurz ins Geschehen ein. Direkt oberhalb von uns entdecken wir mehrere frische Murenabgänge. Durch die starken Regenfälle wirkt das gesamte Gelände ziemlich instabil.
„Lasst uns die Querung hier bitte zügig und ohne Pause durchlaufen.“
Zum Glück ziehen alle sofort mit und kurze Zeit später haben wir den Kessel sicher umrundet.
Letzter Aufstieg durch Geröll zur Grasleitenpasshütte
Nun beginnt der finale Anstieg hinauf zur Grasleitenpasshütte. Von weitem hatte der Hang deutlich unangenehmer ausgesehen, als er sich letztlich herausstellt. Das Geröll ist überraschend fest und gut zu laufen. Unsere Schritte finden sicheren Halt und wir kommen wesentlich besser voran als gedacht.
Unterwegs gebe ich der Gruppe noch ein paar Tipps zur richtigen Atemtechnik beim Bergaufgehen, worüber viele der Teilnehmenden tatsächlich sehr dankbar und interessiert sind. Und so erreichen wir schließlich überglücklich die Grasleitenpasshütte.
Zum ersten Mal öffnet sich nun auch der Blick auf die andere Seite der Berge hinunter ins Vajolettal - eine unglaublich schöne Aussicht.
Warme Duschen und italienisches Hüttenessen in den Dolomiten
Die Vorfreude auf eine warme Dusche ist inzwischen allerdings mindestens genauso groß wie die Aussicht. Denn auch wenn uns der Regen nahezu den ganzen Tag begleitet hat, waren wir unter unseren Regenjacken durchgehend komplett durchgeschwitzt. Als wir relativ spät auf der Hütte ankommen, reicht die Zeit vor dem Abendessen allerdings nur noch für einen Teil der Gruppe zum Duschen.
Das Abendessen entschädigt schließlich endgültig für den langen und nassen Tag. Wie schon auf den vorherigen Hütten bekommen wir riesige Portionen serviert und ehrlich gesagt frage ich mich langsam wirklich, wie man nach einem langen Wandertag überhaupt noch soooooooo viel essen kann.
Heute gibt es zwar ausnahmsweise keine Nachspeise – was wahrscheinlich auch besser so ist. Mehr hätte wirklich niemand mehr geschafft.
Mit vollen Bäuchen, müden Beinen und dem beruhigenden Gefühl, diese anspruchsvolle Etappe sicher gemeistert zu haben, fallen wir schließlich in unsere Betten und freuen uns bereits auf unseren vorletzten Tag in den Dolomiten.
Wenn du noch mehr Inspiration suchst, findest du auf meiner Übersicht weitere Hüttentouren in den Alpen mit detaillierten Tourenvorschlägen.
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Bilder dieser Etappe – Dolomitendurchquerung von der Langkofelhütte zur Grasleitenpasshütte
GPX-Track zur Dolomiten-Durchquerung – Etappe 5 zum Nachwandern
Alle weiteren Etappen der Dolomiten-Durchquerung findest du gesammelt auf meiner Übersichtsseite.
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