Dolomitendurchquerung Etappe 2: von der Puez Hütte zur Pisciadu Hütte

Ein Tag voller Kontraste – Genuss, Herausforderung und Panorama auf unserer Dolomiten-Durchquerung über das Grödner Joch

Impressionen der Dolomiten auf unserer Mehrtageswanderung Etappe 2 von der Puez Hütte, über das Grödner Joch, zur Pisciadu Hütte
Dolomitenfeeling vom Feinsten: heute geht es von der Puez-Geisler Gruppe hinüber in die Sellagruppe.

Es ist einer dieser Tage in den Dolomiten, die man nie vergisst: ein Tag voller Gegensätze. Genuss und Anstrengung, Herausforderung und Leichtigkeit, Stille und Trubel. All das begleitet uns auf der zweiten Etappe unserer Dolomiten-Durchquerung von der Puez-Hütte hinüber zur Pisciadù-Hütte im Herzen von Südtirol.

 

Der Morgen beginnt ruhig, fast meditativ. Die Sonne taucht die markanten Dolomitengipfel in goldenes Licht, die Luft ist klar und wir starten voller Vorfreude in unseren Wandertag durch den Naturpark Puez-Geisler. Doch schon bald wechseln die Szenen: sanfte Pfade werden zu steilen Wegen, Einsamkeit weicht dem Trubel des Grödner Joch und unser Mut wird auf die Probe gestellt, als der Weg uns durch das felsige, stahlseilversicherte Gelände des Val Setus führt.

 

Und doch: Zwischen all diesen Kontrasten entsteht etwas Wunderschönes. Wir wachsen als Gruppe zusammen, teilen Lachen, Staunen, Mutmomente und spüren, wie diese Trekkingtour durch die Dolomiten nicht nur unsere Beine fordert, sondern auch unsere Herzen berührt.

Tourenfakts

Dauer: 6 h

↔️ Kilometer: 12,7

⬆️ Anstieg: 920

⬇️ Abstieg: 812

Schwierigkeit: Schwer

Art der Tour: Bergwanderung, Etappentour

🍴 Einkehrmöglichkeit: Grödner Joch: Jimmi Hütte, Berghaus Frara

🛏️ Übernachtung: Pisciadu Hütte

Route: Puez Hütte - Crespëinajoch - Forcela de Cir - Grödner Joch - Val Setus - Pisciadu Hütte

Den .gpx-Track zum Herunterladen findest Du am Ende des Artikels.

Morgengymnastik mit Aussicht in den Dolomiten – Fit für die Wanderung

Impressionen der Dolomiten auf unserer Mehrtageswanderung Etappe 2 von der Puez Hütte, über das Grödner Joch, zur Pisciadu Hütte
Geschmeidig in den Tag: unsere 12 jungen Erwachsenen geben beim morgendlichen Sportprogramm alles.

Ein neuer Wandertag steht uns bevor: eine recht lange Etappe, ein Stück unbekannte Bergwelt, ein Gefühl von Vorfreude und ein klein wenig Ehrfurcht tragen wir in uns. Der Morgen beginnt still. Als wir nach einem guten Frühstück auf der Puez Hütte in die Bergwelt hinaus treten, empfängt uns klare Luft, ein frischer Wind und eine angenehme Ruhe.

 

Heute startet unser erstes Guide-Team, bestehend aus 3 Teilnehmenden aus unserer Gruppe. Wie ihr aus der Story der 1. Etappe entnehmen konntet, sind wir mit Aventerra e.V. in einem Erlebnispädagogischen Kontext unterwegs. Die 12 Teilnehmenden werden also nicht durch die wunderschönen Dolomiten geführt, sondern begleitet.

Erlebnispädagogik bedeutet eben nicht nur gemeinsam in der Natur unterwegs zu sein, sondern Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen treffen, sich ausprobieren und daran zu wachsen.

 

Am Aussichtspunkt unweit der Puez Hütte lädt unser Guide-Team uns zur Morgengymnastik ein. Wir kreisen Schultern, atmen tief ein, spüren die ersten Sonnenstrahlen im Gesicht. Der Tag öffnet sich langsam. Und wir mit ihm.

 

Wandern durch den Naturpark Puez Geisler – Ruhe, Natur und Bergwildnis

Impressionen der Dolomiten auf unserer Mehrtageswanderung Etappe 2 von der Puez Hütte, über das Grödner Joch, zur Pisciadu Hütte
Wir genießen den Morgen in vollen Zügen.

Der Weg führt uns zunächst sanft und beinahe mühelos auf einem Höhenpfad oberhalb des Langentals. Es ist ein Morgen, der nach Freiheit riecht: Murmeltiere pfeifen, irgendwo blöken Schafe, ein kleiner Bergsee liegt ruhig unter uns und spiegelt den Himmel.

 

Die Gespräche sind leise, warm, verbunden – und manchmal verstummt alles, weil die Landschaft mehr sagt als jedes Wort es könnte. Auf der anderen Seite angekommen, wirkt die Puez-Hütte winzig und wir staunen, wie leicht uns die ersten Kilometer gefallen sind.

 

Im Herzen der Dolomiten

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Langsam zieht sich unser Weg höher, es geht vorbei an bizarren Felstürmchen.

Doch irgendwann flacht jeder weiche Weg aus und der Berg beginnt wieder zu steigen. Wir gewinnen Schritt für Schritt an Höhe. Unser Tempo wird ruhiger und achtsamer. Über Felsen geht es hinauf zum Crespeinajoch, dem vorerst höchsten Punkt vor unserer Mittagspause. Bis hier hin waren wir weitestgehend alleine unterwegs und konnten die Stille der Bergwelt in vollen Zügen genießen.

 

Zwischen Bergidylle und Touristenandrang in den Dolomiten

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Fotostop am Forcela de Cir, mit Blick auf die Sellagruppe.

Nach einem kurzen, steilen Stück bergab kommen wir um die Kurve herum zur Forcela de Cir - der berühmten Scharte oberhalb des Grödner Jochs. Schlagartig ist es mit der Bergidylle vorbei. Zahlreiche andere Menschen sind an diesem spektakulären Aussichtspunkt versammelt: Wanderer, Spaziergänger, Hunde (teils in Täschchen verpackt), überall Handys und Selfiesticks. Zugegeben, wir sind kurz etwas überfordert, nutzen aber die Gunst der Stunde, lassen ein Gruppenfoto von uns schießen und beschließen dann zügig diesen überfüllten Platz zu verlassen.

 

Bitte nicht falsch verstehen: die Naturschönheit an diesem Ort ist wirklich überwältigend. Gegenüber erheben sich die Berge der Sellagruppe, in die wir später eintauchen werden. Und neben uns befinden sich bizarre Felstürme, die oberhalb des Grödner Tals in den Himmel ragen. Trotz der Schönheit schwingt eine gewisse Irritation mit: Natur und Tourismus, Faszination und Trubel - hier liegt alles nah beieinander.

 

Steiler Abstieg ins Grödner Tal – Trittsicherheit und Konzentration ist gefragt

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Landschaftlich hat mich das hier echt geflasht.

Der Abstieg hinunter zum Grödner Tal, beziehungsweise Val Gardena, wie es in italienischer Sprache genannt wird, fordert volle Konzentration. Der steile Weg führt über teilweise loses Geröll, zwischen den vielen entgegenkommenden Menschen und Hunden entlang. Für unsere 14-köpfige Gruppe wird es zu einer logistischen Meisterleistung, halbwegs zusammen zu bleiben. "Ich weiß überhaupt nicht wann ich gehen und wann ich warten soll", klagt jemand. "Das stresst mich total!" Tatsächlich ist dies eine unheimlich schwierige Entscheidung, zumal uns teilweise total rücksichtlose und nicht gerade geländegängige Menschen entgegen kommen. Auch bei uns passiert der ein oder andere Sturz - zum Glück aber nur ein paar Schürfwunden und nichts dramatisches. Die jungen Leute sind hart im nehmen ;-)

 

Als wir endlich unten ankommen, spüre ich pure Erleichterung. Diese Passage ist wirklich ein gutes Beispiel, wie ein an sich nicht schwieriger Weg aufgrund von äußeren Einflüssen zur Tortur werden kann.

 

 

Volle Konzentration macht hungrig - Einkehr im Grödner Tal

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Meine kleine, süße Tiramisu. Warum warst du nicht etwas größer???

Nach dieser mentalen Belastungsprobe haben wir alle Hunger. Ein Teil unserer Gruppe kehrt in der hochpreisigen Jimmi-Hütte ein und kurbelt ihren Zuckerhaushalt mit Kaiserschmarrn und Tiramisu wieder an.

 

Der andere Teil macht es sich gemütlich auf der angrenzenden Wiese bei einem Picknick bequem. Auch eine super Entscheidung, denn die Aussicht ist der Wahnsinn und die Rucksäcke werden dadurch auch etwas leerer. Ich muss gestehen die Tiramisu war für ich persönlich allerdings unwiderstehlich ;-). ABER, die Portion war viiiiiiel zu klein.

 

 

Da waren`s nur noch 13 - trauriger Abschied

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Blick ins Grödner Tal, mit dem Langkofel im Hintergrund (da geht`s übrigens auch noch hin).

Eine Teilnehmerin die seit Tagen mit Kreislaufproblemen zu kämpfen hat, entscheidet sich schweren Herzens die Tour heute abzubrechen. Ein mutiger, kluger und ganz bestimmt auch schwerer Schritt.

 

Hier im Grödner Tal verkehren einige Busse und die Rückfahrt nach Bozen ist kein Problem. Auf den folgenden Etappen wäre ein Abbruch deutlich schwieriger gewesen

 

Wir winken dem Bus hinterher, still und respektvoll. Zum Draußensein gehört unbedingt auch dazu, gut für sich zu sorgen. Ich habe wirklich vollsten Respekt vor dieser jungen Teilnehmerin, die sich und ihren Körper so gut kennt und bereit ist auch eine notwendige Entscheidung zu treffen. In unseren Herzen warst du die nächsten Tage immer mit dabei.

 

Nachschub fürs Abenteuer – günstiges Wasser und liebe Menschen

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Die erste Straße durch das Grödner Joch entstand übrigens 1960.

Die Sonne brennt inzwischen kraftvoll und wir brauchen für den zweiten Teil unserer Etappe unbedingt nochmals einen Nachschub an Trinkwasser.

 

Die Preise bei der Jimmi-Hütte sind total überteuert und selbst das Auffüllen der Wasserflaschen im Waschraum ist nicht möglich. Wir versuchen unser Glück beim Gasthof Frara, der direkt an der Autostraße im Grödner Tal liegt.

Ich frage freundlich an der Theke, ob wir unsere Wasserflaschen auffüllen dürfen, wenn wir auch etwas einkaufen würden. "Kein Problem, stellt mir eure Flaschen hin und ich fülle alle für 1€ pro Stück auf", sagt der Herr hinter der Theke. Na das ist doch eine super Sache, freuen wir uns alle sehr. Hier hat man definitiv ein Herz für Bergsteiger*innen.

 

Auf in die Sella-Gruppe - einem weiteren Dolomitengebiet

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Auf der anderen Seite des Grödner Tals befindet sich die Sella-Gruppe, in der wir ab jetzt unterwegs sind.

Dann beginnt unser Weg ins Val Setus – und damit ein Abschnitt, der uns nicht nur körperlich, sondern innerlich prägen wird. Doch beginnen wir von vorne.

 

Hinter dem Gasthof Frara führt eine Schotterpiste hinauf zu den mächtigen Felswänden der Sella-Gruppe. Ja, ihr lest richtig: bereits heute wechseln wir die Gebirgsgruppe.

Habt ihr gewusst das die Dolomiten aus mehreren, voneinander getrennten Gebirgsgruppen bestehen? Je nach Klassifikation sind es zwischen 18-21 Gebirgsstöcke. Die bekanntesten sind die Sella-, Langkofel-, Puez-, Rosengarten und Schlern-Gruppe. Alle diese Gebirgsgruppen zusammen nennen sich: die Dolomiten.

 

Der Höhenweg zieht sich nun eben und deutlich steiniger, unterhalb der Felsen entlang. Wir genießen die phänomenale Aussicht in alle Richtungen ausgiebig.

 

Zwei Alternative-Routen zur Pisciadu Hütte

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Geröll, viel Geröll gibt es im Val Setus, in das wir nun immer tiefer hineinwandern.

Wir kommen an eine Weggabelung, die uns zwei Alternativen bietet. Der Weg zur Pisciadu Hütte über das Mittagstal (Val de Mesdi) ist länger, dafür mit der Schwierigkeit T2 technisch einfacher. Die andere Möglichkeit ist über das Val Setus zur Hütte aufzusteigen. Dies ist allerdings mit der Schwierigkeitsbewertung T3 deutlich anspruchsvoller. Wir fällen eine Gruppenentscheidung und machen uns auf den steilen Weg nach oben durch das Val Setus.

 

Der Pfad zieht zunächst in eine steile Geröllrinne, die wie ein grauer Kanal nach oben führt. Das Geröll ist ungewöhnlich stabil, dennoch fordert jeder Schritt Aufmerksamkeit, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Wir steigen in engen Serpentinen, umgeben von gewaltigen Felswänden immer tiefer in den Einschnitt hinein. Unser Puls steigt, der Atem wird schneller und die Gespräche verstummen nach und nach. Ich spüre die Konzentration und den Respekt gegenüber diese gewaltigen Bergkulisse in unserer Gruppe.

 

Im Val Setus – steiler und technisch herausfordernder Weg nach oben

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Blick von unten in das Val Setus. In den Felsen in der Bildmitte geht es dann kletternd nach oben weiter.

Doch der eigentliche Charakter dieses Weges beginnt erst am Ende des Geröllfeldes. Dort führt die Route in eine über einstündige, stahlseilversicherte Passage, die sich felsig, ausgesetzt und fordernd im Fels nach oben zieht. Es ist kein offizieller Klettersteig und doch fühlt es sich streckenweise wie einer mit der Schwierigkeit B an: Stahlbügel, Drahtseile, eine Leiter, schmale Tritte und ordentlich Tiefblick.

Definitiv ein Weg der mehr fordert als pure Muskelkraft: Vertrauen in sich, in den Fels und in die Menschen die mit unterwegs sind.

 

Für eine Teilnehmerin wird diese Passage zur psychischen Herausforderung. Ihr Körper ist stark und stabil, ihre Tritte sitzen perfekt – aber der Kopf blockiert, die Angst sitzt tief. Als uns dann noch zig Wandernde entgegenkommen und wir sie aufgrund der Wegbeschaffenheit nicht vorbeilassen können, wird es eng - psychisch und emotional. Die Leute werden ungeduldig, ja sogar aufdringlich. "Geht jetzt weg, ihr blockiert den Weg!", schreien sie auf englisch und deutsch. Manche Italiener rufen zusätzlich etwas in ihrer Sprache, das wir nicht verstehen. Es ist laut, hektisch und überhaupt nicht rücksichtsvoll. Ihr könnt euch vorstellen, was dies mit einem eh bereits ängstlichen Menschen macht: richtig, blanke Panik bricht aus.

 

 

Eine emotionale Achterbahnfahrt, hier in den Dolomiten

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Die stahlseilversicherte Passage im Val Setus, die sich ca. 1 Stunde nach oben zieht.

Wir stehen auf Stahlbügeln, halten uns am Drahtseil fest und versuchen Ruhe zu bewahren. Zum Glück befindet sich unsere Teilnehmerin zwischen uns und wir können sie etwas abschirmen. Trotzdem bekommt sie die Unruhe natürlich unweigerlich mit. Ihre Beine zittern, der Atem hyperventiliert...

 

Sie tut mir so unendlich Leid. Und ja, die Situation ist auch für mich absolut nicht alltäglich und mir ist klar: das Ganze kann hier jede Sekunde kippen.

 

Ich klettere etwas vor und versuche mit den Leuten ruhig zu sprechen, ihnen unsere Situation zu erklären: "wir machen das nicht mit Absicht, sondern wir haben ein ernsthaftes Problem", beschwichtige ich. Doch es kommt uns überhaupt kein Verständnis entgegen. Irgendwann verändert sich mein Tonfall und ich versuche eine andere Taktik, die ebenfalls überhaupt nicht ankommt. Was ist nur mit den Menschen los, frage ich mich innerlich total wütend und irgendwie auch hilflos.

Keine Ahnung mit welcher Taktik wir es dann letztlich die paar Meter zurück zu einem festen Standplatz schaffen. Jetzt heißt es erstmal kräftig durchatmen.

 

 

Flexibilität ist auch in der Bergwelt wichtig

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Im Val Setus kommen uns zahlreiche andere Wanderer entgegen. Viele nehmen diese Route als Abstieg des bekannten Pisciadu Klettersteigs.

Doch damit haben wir es leider noch nicht geschafft. Wir stehen nach wie vor vor der Felswand, in der es mit Stahlseilen nach oben geht. Die Alternative den Geröllhang wieder abzusteigen und über das Mittagstal zur Hütte zu laufen, scheidet aus, da uns die Teilnehmerin dies unmissverständlich sagt. Hier in der Felswand gibt es im unteren Teil zwei Wege. Wir hatten den rechten gewählt, da uns ein Bergsteiger im Vorfeld dazu geraten hatte, da dies wohl der einfachere Weg wäre. Also bleibt uns als letzte Möglichkeit nur noch den linken Weg zu nehmen. Wie dieser dann weiter geht, können wir von hier unten nicht einsehen.

 

Der Großteil unserer Gruppe geht vorweg. Sie teilen sich selbst in kleine Grüppchen ein und steigen eigenständig die Felswand empor. Für mich eine harte Entscheidung, da ich natürlich keinen Überblick mehr über die gesamte Gruppe habe. Im Nachhinein war es aber genauso richtig, denn in kleinen Gruppen waren sie mit den entgegenkommenden Menschen viel flexibler, kamen super gut voran und konnten sich gegenseitig unterstützen.

 

Teamgeist, Vertrauen und Zuspruch beim Klettern

Impressionen der Dolomiten auf unserer Mehrtageswanderung Etappe 2 von der Puez Hütte, über das Grödner Joch, zur Pisciadu Hütte
Einstieg in die stahlsteilversicherte Passage ist diese Leiter.

Wir bilden in unserem 3er Team das Schlusslicht. Die Konstellation hatte sich gut bewährt und die Teilnehmerin fühlte sich den Umständen entsprechend wohl. Zum Glück hat einer aus unserer Gruppe ein Klettersteigset dabei, da er nach der 1-wöchigen Dolomitendurchquerung noch ein paar Klettersteige dran hängen möchte. Für die mentale Verfassung der Teilnehmerin ist dies im Moment Gold wert. Das Set gibt ihr die nötige Sicherheit und bald schon hängt sie gekonnt die Karabiner des Klettersteigsets eigenständig ein. 

 

Wir zeigen ihr Trittmöglichkeiten auf und sprechen ihr vor allem gut zu. Die einzelnen Menschen die uns entgegen kommen oder uns überholen haben nun auch Verständnis, sodass wir ohne Zwischenfälle wirklich gut oben ankommen.

 

Ankunft an der Pisciadù-Hütte – Stolz, Erleichterung und Hochplateau-Idylle

Impressionen der Dolomiten auf unserer Mehrtageswanderung Etappe 2 von der Puez Hütte, über das Grödner Joch, zur Pisciadu Hütte
Die Pisciadu Hütte liegt auf einer Höhe von 2.587 Metern in einer beeindruckenden Bergwelt.

Am Ausstieg wartet bereits der Rest unserer Gruppe. Sie empfangen uns mit Beifall und offenen Armen - wirklich soooooo süß. In diesem Augenblick fällt alles von mir ab und ich bin überglücklich, dass wir alle heil durch diese Passage gekommen sind. Ich bin absolut stolz auf diese tolle Gruppe: mit Rücksicht, Mut, Geduld und Vertrauen haben sie es gemeinsam geschafft. Ich weiß, auf diese jungen Menschen kann man definitiv zählen - komme was wolle.

 

Von hier ist es nur noch ein kurzer Weg zur Pisciadù-Hütte. Das Gelände öffnet sich, ein helles Hochkar aus Felsen liegt vor uns, ruhig, weit, fast mondähnlich. Der See unterhalb der Hütte ist leider fast ausgetrocknet – Baden verboten – aber das ist heute nebensächlich. Was wir brauchen, ist Ankommen. Und das bekommen wir jetzt auch noch voll hin.

 

Begegnungen und Gespräche mit Bergfreunden auf der Pisciadu Hütte

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Blick aus dem Panoramafenster unseres Lagers auf der Pisciadu Hütte.

Wir beziehen unser gemütliches Lager, das wir mit unserer Gruppe ganz für uns alleine haben. Wow, so ein schönes Lager und vor allem der Ausblick aus dem großen Panoramafenster ist der absolute Wahnsinn.

 

Beim Essen ist die Stimmung ausgelassen und wir lachen viel. Die Anspannung der letzten Stunden ist wie Staub von unseren Schuhsohlen gefallen.

Später stehen wir in der langen Warteschlange für die heiße Dusche, dir wir uns alle an diesem Abend gönnen. Schlagartig kommt man mit anderen Wartenden ins Gespräch. "Was seid ihr denn für eine Gruppe?", fragt uns eine Frau, die Teilnehmerin der Alpinschule Oberstdorf ist, wie sich später herausstellt. Wir erzählen ihr und den anderen aus ihrer Gruppe wer wir sind und was wir vor haben. Sie sind total begeistert und die nächsten Tage werden sich unsere Wege immer wieder kreuzen.

 

Ich komme mit ihrem Bergführer ins Gespräch. Irgendwie lässt mich die Situation im Val Setus noch nicht richtig los. "Wie schätzt du den Weg im Val Setus ein?", möchte ich von ihm wissen. "Respekt, dass du deine Gruppe da heil durchgeführt hast", sagt er und klopft mir auf die Schulter. Diese kleine Geste hat mir wirklich total gut getan und viel bedeutet. 

 

 

Reflexion am Abend – Mut, Vertrauen und Wachstum auf der Dolomitenwanderung

Impressionen der Dolomiten auf unserer Mehrtageswanderung Etappe 2 von der Puez Hütte, über das Grödner Joch, zur Pisciadu Hütte
Gemütliche Stimmung in unserem Lager.

Am Ende des Tages sitzen wir in unserem gemütlichen Lager in den Stockbetten und lassen alles nachklingen. Die Emotionen, der Stress, die Angst, die Erleichterung, der Stolz. Jede Stimme zählt. Jede Erfahrung hat Raum. Es ist ein Moment echter Verbundenheit und ich fühle, wie dankbar ich für diese Gruppe bin – für ihren Mut, ihre Rücksicht, ihr Herz.

 

Und so schlafen wir ein. Müde, zufrieden, vielleicht noch mit einer flimmernden Erinnerung an Stahlseile im Kopf, aber getragen von dem Gefühl, heute wirklich gewachsen zu sein. Draußen wandern die Sterne langsam über die Gipfel. Drinnen atmen wir ruhig. Und morgen wartet ein neuer Dolomitentag auf uns.

 

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Fotogalerie Dolomitendurchquerung Etappe 2 - Wanderung von der Puez Hütte zur Pisciadu Hütte:

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