Biwakieren am Schrecksee

Bei Dauerregen ging es los

Nicht gerade ein Traumwetter
Nicht gerade ein Traumwetter

 

 

Dauerregen, Biwaknacht, fremder Besuch, Todesangst, Sonnenschein und Sternschnuppen...alles war dabei.

 

Vor zwei Wochen ging es mit meinem guten Freund Joe in die Allgäuer Alpen nach Hinterstein. Von dort stiegen wir zum Schrecksee auf.

 

Der Weg ist als hochalpin ausgewiesen. Am obersten Stück ist er mit ein paar Stahlseilen versehen. Wirklich schwierig war er aber, selbst bei Dauerregen, nicht zu gehen.

Da wir biwakieren wollten, hatten wir aber deutlich mehr Gepäck dabei als sonst. Einen Schlafsack, Biwaksack, Gaskocher, Lebensmittel sowie ein Tarp mit Stangen sind normalerweise nicht Teil meines Gepäcks auf Tour.

 

Lichtblick

Frische Kuhmilch - das könnte es von mir aus auf jedem Weg geben
Frische Kuhmilch - das könnte es von mir aus auf jedem Weg geben

 

Ich muss gestehen, meine Stimmung war etwas im Keller - schwerer Rucksack, es war von Anfang an nass und mir war kalt.

Als dann am Wegrand mitten im Nirgendwo ein Schild mit der Aufschrift "frische Kuhmilch" auftauchte, ging es mir gleich viel besser. Ich liebe nämlich frische Kuhmilch :-).

 

Wir liefen dem Wegweiser hinterher bis zu einer kleinen Alpe. Vor dieser stand ein Brunnen mit einer großen Milchkanne und Bechern darin. Für 2€ pro 1/2 Liter konnte man sich die kalte Milch selber schöpfen.

Mhhhhhhh...war das lecker.

Letzte Meter bis zum Schrecksee

Der Schrecksee wurde 1950 um 8 Meter aufgestaut. Die kleine Insel in der Mitte des Sees entstand dadurch
Der Schrecksee wurde 1950 um 8 Meter aufgestaut. Die kleine Insel in der Mitte des Sees entstand dadurch

Frisch gestärkt ging es dann die letzten Meter Richtung Schrecksee.

Der See lag im Nebel :-( So hatten wir uns das leider nicht vorgestellt. Wir stehen vor dem scheinbar schönsten Bergsee der Allgäuer Alpen und sehen so gut wie nichts.

 

Naja, so war es nun mal und wir suchten uns schon mal einen ebenen Biwakplatz für die Nacht. Biwakieren ist grundsätzlich in den Schutzgebieten der Alpen verboten. Lediglich ein Notbiwak ist erlaubt. Von daher gilt, sich nicht erwischen zu lassen. Selbstverständlich natürlich auch keine Spuren zu hinterlassen, sprich: den Müll mitnehmen, kein Feuer machen, nichts zerstören.

 

Es regnete immer noch und mir war sehr kalt. Zum Glück hatten wir ein Tarp mitgenommen. So war es zumindest in der Nacht von oben trocken. Aufbauen konnten wir unseren Schlafplatz allerdings noch nicht. Ein Almhirte schaute in der näheren Umgebung nach seinen Kühen. Wir wollten das Risiko nicht eingehen vertrieben zu werden.

Lecker essen

Bei dieser Kälte tut eine warme Mahlzeit wirklich gut
Bei dieser Kälte tut eine warme Mahlzeit wirklich gut

 

So kochten wir uns erst mal leckeren Bulgur mit Zucchini im Regen. Danach bauten wir dann trotz Almhirte unseren Schlafplatz auf - uns war sooooooo kalt.

 

Eigentlich war der Plan heute Sternschnuppen zu beobachten. Wir legten die Tour extra auf dieses Wochenende, da die Tage ein Sternschnuppenschauer vorüber zog. Schade, daraus sollte wohl nichts werden, der Himmel war komplett bewölkt.

 

Wir mummelten uns in die Schlafsäcke und bei 0 Grad Außentemperatur schliefen wir ein.

23:00 Uhr - die Nacht war kurz...

Joe auf der Lauer
Joe auf der Lauer

Ich erschrak zu Tode, als Joe neben mir auf einmal lautstark brüllte "HAU AB!!!". Ich hatte absolut keine Ahnung was los war. Er rief immer wieder und fuchtelte mit seinen Händen rum.

Als er sich beruhigt hatte, sagte er: "Da war ein Fuchs direkt über unseren Köpfen am Rucksack".

Komisch war, das dieser Fuchs bei den ersten Schreien überhaupt nicht abhaute. Das machte mich misstrauisch und doch etwas ängstlich.

Wir legten uns wieder hin und dank meines guten Schlafs war ich Minuten später wieder eingenickt.

00:00 Uhr - es ging wieder los...

Noch habe ich gut Lachen
Noch habe ich gut Lachen

 

Der Fuchs kam ein weiteres Mal und wieder hatte ich ihn nicht gesehen. Sieht Joe etwa Gespenster!?!?  ;-)

 

Der Vorteil war, dass mittlerweile der Himmel aufklarte und wir doch noch die zahlreichen Sternschnuppen bewundern konnten. Einfach atemberaubend, wie innerhalb einer Minute mehrere Sternschnuppen vor der Silhouette der Berge herunterfielen.

01:30 Uhr - das gibt es doch gar nicht...

Ich wachte vom "He, wer seid ihr?" von Joe auf. Zwei Männer schlichen mit Stirnlampen um unser Tarp. Sie gaben sich selbst auf direkte Ansprache nicht zu erkennen, was mir sehr Angst machte.

Mehrfach liefen sie um uns herum und sprachen nichts. Ich zitterte am ganzen Körper und brachte kein Wort heraus. Mir gingen schon die wildesten Horrorgeschichten durch den Kopf....

Irgendwann gingen sie wieder. Joe beruhigte mich und versprach eine Stunde Wache zu halten.

 

04:00 Uhr - lässt uns denn keiner schlafen...

Hab wohl doch einen guten Schlaf
Hab wohl doch einen guten Schlaf

 

Zum vierten mal wachte ich auf. Dieses mal nur, weil mir der Rücken weh tat. Ich lugte kurz mit der Stirnlampe vor das Tarp - kein Fuchs, keine Menschen, super.

Beruhigt legte ich mich wieder hin, drehte mich kurz auf die andere Seite und was sah ich da!?!?

Ein Meter vor mir stand der Fuchs. Kreischend zog ich den Schlafsack über mich, den Rest erledigte Joe ;-)

Der Morgen danach

Der Name "Schrecksee" kommt vermutlich von der Wassertemperatur, die wohl zum Erschrecken kalt sein soll
Der Name "Schrecksee" kommt vermutlich von der Wassertemperatur, die wohl zum Erschrecken kalt sein soll

Das war der letzte Besuch in dieser Nacht. Wie ich überhaupt noch schlafen konnte, war mir ein Rätsel.

 

Wir wachten erst um 08:30 Uhr auf. Den Sonnenaufgang hatten wir komplett verschlafen.

Strahlender Sonnenschein und Kuhglockenläuten begrüßten uns. Wir krabbelten aus unserem beengten Biwak und genossen erstmal den wunderschönen Blick auf den Schrecksee.

Mittlerweile waren schon andere Wanderer unterwegs, nichts ahnend von unserer Horrornacht. Wir aßen gemütlich unser Müsli und sprachen über die vergangenen Ereignisse. Ich hatte deutlich mehr Angst vor den Menschen als vor dem Fuchs. An diesem Tag machten wir noch die Rauhhornüberschreitung. Über diese Tour berichte ich dann später separat.

 

Fazit:

Noch bei keiner Tour hatte ich so Herzklopfen wie auf dieser, aber es hat sich gelohnt. Der Schrecksee ist mit der kleinen Insel, den umliegenden Bergen und dem türkisen Wasser einfach wunderschön. Ich fand es im Nachhinein total schön, diesen Bergsee bei Regen und Nebel sowie Sonnenschein gesehen zu haben.

Ich werde auf jeden Fall wieder kommen, aber definitiv bei wärmeren Temperaturen. Und dann möchte ich unbedingt baden ;-)

Infos zum Biwakieren und zur Tour:

Hier noch ein interessanter Link vom Deutschen Alpenverein zum Thema "Zelten und Biwakieren in den Bergen":

http://www.alpenverein.de/chameleon/public/16779/zelten_und_biwakieren_in_den_bergen_16779.pdf

 

Außerdem ein Link zur Tour "Von Hinterstein zum Schrecksee":

http://www.bergfex.de/sommer/bayern/touren/wanderung/11791,von-hinterstein-zum-schrecksee/

 

Tourdaten:

Schwierigkeit: mittel (rot)

Aufstieg: 1.228m

Abstieg: 1.228m

Kilometer: 14,88km

Dauer: ca. 6h

 

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